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Formel 1 : BMW bläst zum Angriff auf die Spitze

  • -Aktualisiert am

BMW meldet sich mit viel Rauch und Lärm zum Kampf gegen Ferrari und McLaren-Mercedes Bild: dpa

Die Schonzeit für das Formel-1-Team von BMW ist abgelaufen. In diesem Jahr muss für die dritte Kraft mindestens ein Grand-Prix-Sieg her. Pilot Nick Heidfeld mahn zur Vorsicht: „Warten wir ab.“

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          „Achtung, meine Damen und Herren: Es wird sehr laut werden. Tragen sie Ohrstöpsel, zu ihrer eigenen Sicherheit!“ Nach dieser Vorwarnung hat am Montag ein stolzer Nick Heidfeld seinen neuen Dienstboliden abgeholt und durch das BMW-Auslieferungszentrum kutschiert wie sonst ein freudig erregter Autofahrer seinen Neuwagen: ganz vorsichtig. Bei der Formel-1-Premiere in der so genannten BMW-Welt am Münchener Olympiapark vibrierte allerdings der Beton, als der Achtzylinder mit seinen gut 760 PS brüllte und den BMW-Sauber F 108 vom ersten Stock ins Parterre trieb.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Lächelnd hatte Sportchef Mario Theissen zuvor das jüngste Modell als Summe aller guten Erfahrungen aus den vergangenen beiden Jahren beschrieben und dann für die schärfste Konkurrenz McLaren-Mercedes sowie Ferrari eine Gewinnwarnung herausgegeben: „Das neue Auto ist ein großer Schritt vorwärts. (. . .) Wir wollen die zwei vor uns attackieren.“

          „Wenigstens ein Rennen gewinnen“

          Angriff auf die Spitze! Nach zwei Jahren Aufbauarbeit steht die Motorsportabteilung von BMW vor dem schwierigsten Jahr seit der Trennung vom britischen Rennstall Williams 2005. Die Sollstärke des Teams ist erreicht. In Hinwil arbeiten nun statt einst 275 Mitarbeiter 430 am Chassis, in München bringen 300 Experten die Antriebseinheit mit Motor und Getriebe in die Gänge. BMW-Sauber läuft auf vollen Touren.

          Die Schonzeit ist abgelaufen, zumal sich das Team unter bayerischer Führung im vergangenen Jahr zum Favoritenschreck entwickelte, von Rang fünf der Konstrukteurswertung auf Platz drei vorschoss, vom ersten bis zum letzten Grand Prix die unangefochtene „dritte Kraft“ im Zirkus spielte. Das macht stolz - und angreifbar. Denn in der BMW-Gedanken-Welt ist der letzte ohne den nächsten Schritt nicht viel wert: „Wir wollen wenigstens ein Rennen gewinnen“, sagte Theissen über das nächste Ziel auf dem Weg zum Kampf um den Titel 2009.

          Gewagte Form

          Zum Siegen aus eigener Kraft fehlten im vergangenen Jahr „fünf bis sieben Prozent in allen Bereichen“. Doch der Sprung anno 2007 beflügelt: „Die Ingenieure merken, dass der Weg der richtig ist“, berichtete Theissen, „ich habe großes Vertrauen ins Team“, erklärte der zweite Fahrer Robert Kubica. Zudem blieb dem Aufsteiger der vergangenen Saison mehr Spielraum, ein Überholmanöver einzuleiten. Im September schloss BMW-Sauber das Kapitel Vorjahreswagen ab und feilte nur noch am neuen Boliden, während McLaren-Mercedes und Ferrari Mann und Maus im erbitterten Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft bis zur letzten Runde Mitte Oktober einspannten. Es könnte also eng werden für BMW-Sauber im neuen Jahr: Alle Mann an Bord, hohe Erwartung drinnen wie draußen und mehr Ruhe bei der Vorbereitung als die schärfste Konkurrenz. Da bleibt kein Platz für Ausreden.

          Wenn der neue Bolide so schnell ist, wie er aussieht, wird Theissen kaum in Erklärungsnot geraten. Im Vergleich zum neuen Ferrari und dem Renner von McLaren-Mercedes wirkt die äußere Form des BMW-Sauber F108 wesentlich gewagter: „Kein Teil stammt aus dem alten Auto“, sagte Technik-Chef Willy Rampf. „Er ist eine radikale Weiterentwicklung.“ Das muss wohl auch sein. Ohne Mut zum Risiko sind 0,5 Sekunden Rückstand pro Runde hinter den Schnellsten über einen Winter nicht aufzuholen. Zu den auffälligsten Veränderungen auf den ersten Blick gehören ein großer Frontflügel, die raffinierte Abdeckung der Felgen, ein schlankes, niedriges Heck und ein virtuoses Flügelspiel rundherum. Die Veränderungen sind auch Folgen der neuen Regeln. Nach dem Verbot der Traktionskontrolle bemühte sich Rampf mit seinem Team, den Piloten ein in allen Fahrlagen „stabiles“ Auto auf Räder zu stellen; deshalb die wuchtige Form des Frontflügels.

          Heidfeld: „Warten wir ab“

          So zuversichtlich, wie Theissen vor den neuen Boliden trat, steckt aber wohl mehr drin, als am Montag noch zu sehen war. Schon bei der ersten Testtour an diesem Dienstag in Valencia wird die Montagsversion schon fast von gestern sein. Im Lauf der nächsten Wochen bis zum Saisonstart in Melbourne am 16. März verändert sich das Aussehen des Renners zwischen den Vorderrädern und den Seitenkästen. Mit verschmitztem Lächeln bat ein Teammitglied um Geduld: „Es wird eine Innovation geben.“

          Vorsichtig optimistisch steigen die Fahrer in die neue Saison ein. Nick Heidfeld würdigte zwar die frohe Botschaft aus dem Windtunnel: „Die Daten vom Auto haben unsere Leute glücklich gemacht. Sie haben erreicht, was sie wollten.“ Drei Garagenrunden aber reichten nicht, um dem Deutschen über seine Bewunderung für Form und Farbe verbindliche Prognosen zu entlocken: „Warten wir ab, wie sich das Auto auf der Strecke verhält.“ Vermutlich zuverlässiger als im mondänen Autohaus, wo sich in der zweiten Runde die rechte hintere Radkappe verabschiedete und herrenlos rollend die Abzweigung in die nächst untere Etage nahm. So passte der Wunsch von Kubica zur Demonstration: „Ich hoffe, dass wir eine bessere Standfestigkeit haben als 2007.“ Nach ein paar Ausfällen 2007 kämpften BMW-Ingenieure zuletzt mit mehreren Getriebeschäden, zum Teil ausgelöst durch den erzwungenen Umstieg auf die Einheitselektronik. „Das werden wir bis Melbourne im Griff haben“, kündigte Theissen an. Andernfalls wird es wohl wieder laut werden in der Welt von BMW, dann aber unangenehm.

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