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Fleisch-Skandal : Jeder zweite Döner wird beanstandet

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Fleisch des Anstoßes Bild: dpa

Mit Dumpingpreisen kämpfen Döner-Produzenten um jeden Kunden. Doch das geht nur, wenn Imbißbetreiber Billig-Spieße anstelle von teurem Fleisch verarbeiten, meint die Landwirtschafts-Gesellschaft. Der Verband beklagt einen „ruinösen Wettbewerb“.

          Der Döner ist in die Schlagzeilen geraten. In dem jüngsten Lebensmittelskandal wurde vor wenigen Tagen bei einem Fleischgroßhändler in München tonnenweise Fleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum gefunden. Darunter waren auch große Mengen an Döner-Spießen.

          Für die Döner-Imbißbuden sei es jedoch äußerst schwer, Gammelfleisch zu identifizieren, sagte der Verein türkischer Döner-Hersteller in Europa. „Die gelieferten Spieße sind tiefgefroren. Doch gekühltes Fleisch kann man nicht abtasten und ist geruchlos“, sagte der Geschäftsführer der Berliner Final Ta Dönerproduktion, Tarkan Tasyumruk. Sein Unternehmen werde regelmäßig vom Veterinäramt geprüft, ohne daß es in der Vergangenheit Beanstandungen gegeben habe. Doch als Döner-Produzent sei man auf die Qualität des gelieferten Fleisches angewiesen.

          „Das Produkt ist nicht schlecht“

          Dabei könne vier Jahre altes, tiefgefrorenes Fleisch eigentlich ohne Bedenken gegessen werden, ergänzte Tasyumruk. „Das Produkt ist nicht schlecht.“ Es komme jedoch immer darauf an, in welchem Zustand das Fleisch damals eingefroren worden sei. Seiner Ansicht nach habe der Fleischhändler in München seine Lagerbestände Schritt für Schritt abzubauen versucht und das teilweise bis zu vier Jahre alte Fleisch den Lieferungen beigemischt, meinte Tasyumruk.

          Oft kommt nur Billig-Fleisch in die Tasche

          Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hatte jüngst in einer Studie die Qualität von Döner-Fleisch untersucht. Die Untersuchungsämter hätten dabei jeden zweiten getesteten Döner beanstandet, teilte die DLG mit. Neben billigeren Fleischsorten seien auch pflanzliche Streckungsmittel oder Wasserzusatz gefunden worden. Als Grund für die hohe Beanstandungsrate führte die DLG den „ruinösen Verdrängungswettbewerb in der Döner-Branche“ an. „Wer mit Dumpingpreisen versucht, neue Kunden zu gewinnen, kann das nur, wenn er statt teuren Fleischs das Produkt mit unerlaubten Mitteln streckt“, kritisierte die Gesellschaft

          Strenge Auflagen für Döner-Fleisch

          Nach der sogenannten „Berliner Verkehrauffassung“ darf ein Döner maximal 60 Prozent Hackfleisch enthalten. Die restlichen 40 Prozent müßten aus Fleischscheiben bestehen. Der Fettanteil sei auf 20 Prozent begrenzt. Ursprünglich seien Rind- und Kalbfleisch sowie Schaffleisch verwendet worden. In den vergangenen Jahren sei zunehmend auch Geflügelfleisch zum Einsatz gekommen, schreibt die DLG.

          Das ursprünglich aus Anatolien stammende Gericht hat in den vergangenen Jahren in Deutschland zu einem wahren Siegeszug angesetzt und Hamburgern und der Currywurst den Rang als beliebtestem Fast-food-Gericht abgelaufen. Insgesamt ißt jeder Deutsche durchschnittlich neun Döner im Jahr, das seien mehr als 700 Millionen, teilte das Zentrum für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen mit.

          Derzeit setzen die 12.000 Imbißbuden mit ihren 42.000 Beschäftigten in Deutschland rund 2 Milliarden Euro mit dem Verkauf des türkischen Nationalgerichts um, schätzt die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

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