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Eklat um Blatter : „Das war eines Fifa-Präsidenten unwürdig“

  • -Aktualisiert am

Kontrahenten: Platini (l.), Johansson Bild: AP

Fifa-Chef Josef Blatter sorgte vor der Uefa-Präsidentschaftswahl für einen Eklat, als er sich eindeutig auf die Seite des Herausforderers Michel Platini schlug, der Lennart Johansson beerben will. „Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat“, sagte Franz Beckenbauer.

          Es schien nur ein harmloser Festakt, ein Stündchen für staatstragende Reden und hehre Absichtserklärungen im Düsseldorfer Kongresszentrum zu sein. Es wurde eine Stunde, die die Präsidentenwahlen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) an diesem Freitag maßgeblich beeinflusst haben könnte. Denn nach freundlichen Grußworten von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und von Theo Zwanziger, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, an die Adresse der Delegierten aus den 52 Uefa-Verbänden hatte Joseph Blatter, der für großes Theater stehende Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), seinen Auftritt.

          Der Schweizer nutzte ihn nicht etwa dazu, sich der Neutralität seines Amtes verpflichtet zu zeigen. Im Gegenteil: Der 70 Jahre alte Walliser schlug sich noch einmal eindeutig auf die Seite des französischen Herausforderers Michel Platini, der den 77 Jahre alten schwedischen Uefa-Präsidenten Lennart Johansson beerben will. „Auch als Fifa-Präsident“, hob Blatter hervor, „darf ich sagen, und daran ist nichts Verwerfliches, dass ich Sympathien habe für den Mann, der mich seit 1998 begleitet hat: für Michel Platini.“

          Befremden und Entsetzen

          Verwunderung im Saal und am Ende nur schütterer Applaus für den ungebetenen Wahlhelfer Blatter, der mit seiner Intervention auf Uefa-Terrain seinem Kandidaten eher geschadet als genutzt haben könnte. Viele nämlich in der europäischen Fußball-Konföderation wissen genau, dass es Blatter vor allem war, der den betagten Schweden händeringend gebeten hatte, noch einmal der Kontinuität in schwierigen Zeiten zuliebe für das von ihm 1990 eroberte Amt zu kandidieren.

          Auch in diesem Punkt hatte der Schweizer eine andere Erinnerung. Und so erzählte er den teils überraschten Uefa-Delegierten: „Beide Bewerber um das Präsidentenamt haben mich gefragt, ob sie kandidieren sollen. Ich habe beiden mit Ja geantwortet. Hätte ich nämlich jemandem mit Nein geantwortet, hätte ich meine Neutralität aufgegeben.“ Das tat der Fifa-Präsident spätestens vor zwei Wochen, als er sich bei einer Veranstaltung in Paris offen auf die Seite seines Freundes Platini schlug. In Düsseldorf wiederholte der Fifa-Präsident seine Botschaft, die großenteils Befremden, hier und da sogar Entsetzen auslöste.

          „Das ist keine Freundschaft“

          Derselbe Blatter hatte sich zu Beginn seiner Ansprache nämlich über Johanssons Lebensleistung als Uefa-Präsident wie ein Freund ausgelassen. „Wir schulden dir, lieber Lennart, Anerkennung, Wertschätzung und Dank.“ Der „liebe Lennart“ bedankte sich nach dem Ende des ersten Teils des Uefa-Kongresses auf seine Weise bei seinem unberechenbaren Fifa-Amtsbruder. „Blatter“, sagte der Stockholmer, der in seinen Begrüßungsworten nicht mit einer Silbe auf den Affront eingegangen war, „hat eine Meinung am Montag, eine andere Meinung am Dienstag und noch eine Meinung am Mittwoch. Das ist keine Freundschaft, das ist weit davon entfernt.“

          Mit einem Hauch von Ironie rundete Johansson seine Verachtung für Blatters Ausführungen ab: „Er hat versucht, neutral zu bleiben, aber es ist ihm nicht gelungen.“ Andere wie der frühere Uefa-Generaldirektor Gerhard Aigner wurden noch deutlicher: „Das war eines Fifa-Präsidenten unwürdig“, bewertete der Regensburger Blatters Parteinahme, „der Mann ist unverschämt und ein Komödiant und verkörpert nicht das, was von einem Fifa-Präsidenten erwartet werden muss.“ Auch Franz Beckenbauer schüttelte nur den Kopf ob Blatters Verfehlung: „Da fällt mir nichts mehr zu ein. Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat“, sagte er.

          Der große Platini als „kleiner Blatter“?

          Am Tag vor der Uefa-Präsidentschaftswahl war das Tuch zwischen diesen beiden alten Männern des Fußballs wieder einmal zerschnitten. Nicht ganz so nachhaltig wie 1998, als Blatter das Duell mit Johansson um die von João Havelange aufgegebene Fifa-Präsidentschaft unter atmosphärisch vergifteten Umständen gewonnen hatte, aber immerhin: Johansson nutzte die Steilvorlage, den Uefa-Delegierten dank Blatters Provokation vor Augen zu führen, wohin die laut dem früheren Uefa-Generaldirektor Gerhard Aigner „einzige Sportorganisation ohne Skandal“ driften könnte, wenn der Blatter-Günstling Platini an die Macht komme. Platini will die Uefa als „handelnder Präsident“ à la Blatter von deren Amtssitz in Nyon aus regieren und denkt daran, die von Generaldirektor Lars-Christer Olsson gestützte Uefa-Administration zu entmachten. Wird Platini an diesem Freitag gekürt, dürften die Tage des Johansson-Landsmannes Olsson bei der Uefa gezählt sein. „Wenn Olsson geht“, sagte Johansson, „wird die Uefa große Probleme bekommen.“

          Blatter hat den mit 51 Jahren im Kreis der Uefa-Granden geradezu jugendlich anmutenden Platini am Tag vor der Wahl in eine schwierige Situation manövriert und ihm gleichzeitig vor Augen geführt, dass der Franzose, falls am Ende doch Präsident, rasch auf Sicherheitsabstand zu seinem gönnerhaften Freund gehen muss. Als „kleiner Blatter“ möchte der als Spieler große Platini gewiss nicht in die Annalen der Uefa-Geschichte eingehen. Mit solchen Freunden nämlich braucht er keine Feinde mehr.

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