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Einspruch Exklusiv : Werbung darf sich vor dem Datenschutz nicht verstecken

  • -Aktualisiert am

Die Fragen und Antwortmöglichkeiten im Privat-O-Mat basieren auf einer validen Datengrundlage, bei der Fragen und Antwortwahlmöglichkeiten auf Basis von Studien zu Nutzungsverhalten und Risiken im Netz erstellt und auf dieser Basis ausgewertet wurden Bild: dpa

Der Privat-O-Mat legt offen, wie man zum Datenschutz steht. Andere digitale Frage-Antwort-Spiele sind Marketinginstrumente, die komplexe Rechtsfragen aufwerfen.

          4 Min.

          Den meisten sind Privatsphäre und Datenschutz irgendwie wichtig. Die meisten füttern dennoch oft wahllos Internet und soziale Netzwerke mit ihren persönlichen Daten. Der Privat-O-Mat ist ein digitales Angebot, das Auskunft über die Einstellung zum Datenschutz gibt.1 Man wird in 15 Fragen über sein Nutzungsverhalten im Netz befragt, gibt Auskunft und wird am Ende einem bestimmten Risikotyp zugeordnet und aufgeklärt. Auf der Basis kann man sich einschätzen und sein Verhalten anpassen. Der Sinn solcher Angebote ist es, Gefühle einem Faktencheck zu unterziehen. Zentral ist bei diesen Angeboten eine transparente Datenbasis. Die Fragen und Antwortmöglichkeiten im Privat-O-Mat basieren auf einer validen Datengrundlage, bei der Fragen und Antwortwahlmöglichkeiten auf Basis von Studien zu Nutzungsverhalten und Risiken im Netz erstellt und auf dieser Basis ausgewertet wurden. Die bei diesem Faktencheck für Gefühle erhobenen Daten über das Mediennutzungsverhalten sind durchaus sensibel. Deshalb dürfen sie nur zu Zwecken der Selbsteinschätzung verwendet und nicht etwa dazu, um herauszubekommen, ob eine Person es mit dem Schutz ihrer Daten nicht so genau nimmt.

          Wie wäre es mit einem Lieblingstier-O-Mat?

          Es gibt aber auch Frage- und Antwort-Spiele, die persönliche Interessen ermitteln, um sie für Zwecke der personalisierten Werbung zu nutzen. Allen ist gemeinsam, dass man sie mit Informationen über persönliche Vorlieben füttert. Das kann ein Voting für eine Boygroup sein, eine TikTok-Challenge bei der man Bilder ins Netz stellt oder aber Anwendungen, die Fragen und Antworten nach dem Muster des Wahl-O-Mat oder des Privat-O-Mat abgleichen. Stellen wir uns einen „Lieblingstier-O-Mat“ vor. Wer nicht weiß, ob er heimlich eher auf Schildkröten oder Kanarienvögel steht, der könnte im Rahmen des Selbsttests – was ist Ihr Lieblingstier - etwa nach dem persönlichen Befinden, oder Charaktereigenschaften wie Treue, Selbstbewusstsein, finanzieller Risikoaffinität und Fairness, aber auch nach der Haltung zur Umweltpolitik oder schlicht nach seinem Kleidungsstil gefragt werden. Das klingt plausibel, denn schließlich könnten die Antworten ja für die Ermittlung des Lieblingstiers durch den schlauen Algorithmus relevant sein. Anders als beim Privat-O-Mat kennt der Nutzer aber hier die Datenbasis – also die Regeln auf deren Grundlage das Lieblingstier ermittelt wird – gerade nicht. Er weiß auch nicht, wie seine Antworten bei der Auswahl gewichtet werden. Es wird ein Gefühl abgefragt, ohne dass man genau weiß wofür man es haben soll. Das per Test ermittelte Lieblingstier ist am Ende eine Chiffre für einen charakterlichen Typ.

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