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Urteil im Fall Susanna F. : Keine Spur von Mitgefühl

Eine Gutachterin hatte Bashar eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung mit psychopathischen Zügen“ attestiert. Ohne Reue, ohne Mitgefühl, ganz auf seine Bedürfnisse fixiert – so beschrieb sie ihn. Ferner sagte sie, von Bashar gehe eine Wiederholungsgefahr aus. Auch dem folgte das Gericht. In seinem Urteil begründete es den Vorbehalt einer Sicherungsverwahrung damit, dass mit weiteren Taten des Verurteilten zu rechnen sei – „und diese könnten fast jedes Mädchen treffen“, so der Vorsitzende Richter. Die Möglichkeit einer Therapie sei in diesem Fall „sehr begrenzt“, die Persönlichkeit sei wohl nicht mehr veränderbar – damit sei und bleibe Bashar „hochgefährlich“.

Schon vor dem Mord war der junge Mann polizeibekannt, vorbestraft aber war er nicht. Laut Zeugenaussagen soll er immer ein Messer bei sich gehabt haben, das er als seinen „Freund“ bezeichnete. Er müsse sich ja verteidigen, wenn ihn jemand schlage, soll er als Erklärung angeführt haben. Verurteilt wurde er am Mittwoch auch wegen eines Raubüberfalls im Wiesbadener Stadtpark im April 2018. Damals hatte er zusammen mit weiteren Personen einen Mann mit einem Messergriff ins Gesicht geschlagen, später gewürgt, den Kopf gegen einen Baum geschlagen und das Messer an den Hals gesetzt, schließlich raubte er den Mann aus und drohte, ihn zu „ficken“. Das Gericht wertete die Tat als besonders schweren Raub in Verbindung mit zweifacher schwerer Körperverletzung und Nötigung.

Die Tat war vor dem Mord geschehen. Nicht nur deswegen war vor dem Prozess die Frage laut geworden, warum die Polizei nicht früher auf Bashar aufmerksam geworden war. Die Behörden hatten damals im Mai vorigen Jahres den Fall zunächst als normalen Vermisstenfall geführt. Das Handys wurde erst auf Nachdruck der Anwältin der Familie geortet – Bashar hatte zuvor im Namen Susannas gefälschte Nachrichten an die Mutter versandt. Diese hatte der Polizei vorgeworfen, sie zunächst nicht ernst genommen und zu spät reagiert zu haben. Doch hätte die Polizei auch mit einer rascheren Suche den Mord nicht verhindern können. Das 14 Jahre alte Mädchen wurde noch in der Nacht seines Verschwindens ermordet. Die Polizei habe „alles richtig gemacht, was man machen konnte“, sagte die Staatsanwältin im Prozess. Fehler seien „nicht im Ansatz“ festzustellen.

Allerdings war der Name von Bashar der Polizei bereits im Zusammenhang mit einer möglichen früheren Vergewaltigung bekannt gewesen. Ein elf Jahre altes Mädchen hatte angegeben, im April 2018 von einem Ali vergewaltigt worden zu sein, auch hatte sie die Polizei zusammen mit ihrem Vater zu seiner Wohnung in der Flüchtlingsunterkunft geführt. Doch machte sie keine Aussage gegenüber der Polizei; Bashar wurde nicht vernommen. Es blieb bis zuletzt ein fragwürdiges Kapitel der Ermittlungen. So wie fraglich blieb, warum mehrere Jugendliche in Wiesbaden offenbar von dem Mord an Susanna wussten, es jedoch rund zwei Wochen dauerte, bis sich einer von ihnen an die Polizei wandte und Bashar des Mordes bezichtigte. Es war ausgerechnet jener 14 alte Afghane Mansoor Q., der sich zusammen mit Bashar wegen der mutmaßlichen mehrfachen Vergewaltigung der damals Elfjährigen vor der Jugendkammer des Landgerichts Wiesbaden in einem weiteren – in diesem Fall nicht-öffentlichen Prozess – verantworten muss. Der Prozess dauert noch an.

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