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Urteil im Fall Susanna F. : Keine Spur von Mitgefühl

Für ihn seien Mädchen Freiwild, „das man benutzen und dann wegwerfen kann“, sagte die Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter in ihrem Plädoyer. Susanna sei ein „willkürliches Opfer seiner Bedürfnisbefriedigung“ gewesen. Bashar habe sie ermordet, „einfach, weil er es konnte“. Seine frauenverachtende Einstellung sei nicht kulturell begründet, sondern sei „Ausdruck einer dissozialen Persönlichkeit“, so die Staatsanwältin. Es handele sich nicht um die Tat eines traumatisierten Flüchtlings, sondern um diejenige eines Schwerstgestörten. Auch dem schloss sich das Gericht an: Die Tat habe nichts mit der Nationalität oder dem damaligen Statuts als Asylbewerber zu tun, sagte der Vorsitzende Richter. Es sei die Tat einer „hochgefährlichen“ Einzelperson, nicht die einer Gruppe. Bashar habe einen „erschreckenden Empathiemangel“, sei „hochgradig selbstbezogen“.

Bashar war im Nordirak aufgewachsen. Innerhalb seiner Familie hatte er den Beschreibungen zufolge als ältester Sohn unter den neun Kindern eine Sonderrolle, wurde verhätschelt. Die Schule verließ er nach fünf Jahren, jobbte in einem Café – und wollte eigentlich nicht weg. Als sich seine Familie dann im Herbst 2015 nach Deutschland aufmachte, war er 18 Jahre alt. Zum Zeitpunkt ihrer Reise war die Route weitgehend gefahrlos, als schlimmstes Erlebnis beschrieb Bashar nach Darstellung der Staatsanwaltschaft den sehr starken Regen. Die im September 2016 gestellten Asylanträge der Familie wurden nur drei Monate später abgewiesen, doch ihre Klage zog sich hin. Zum Zeitpunkt ihrer überhasteten Ausreise in die Heimat nach dem Mord an Susanna war sie nicht entschieden. Aus dem Nordirak wurde Bashar dann innerhalb weniger Tage unter rechtlich fragwürdigen Umständen von der Bundespolizei und deren Präsidenten Dieter Romann persönlich zurückgeholt. Der Fall erregte damals große Aufmerksamkeit. Auch die Bundeskanzlerin äußerte sich und warb für schnellere Verwaltungsgerichtsverfahren und Rückführungen. Zudem gab es Versuche, den Fall politisch auszuschlachten: Die AfD setzte im Bundestag unangekündigt eine Schweigeminute für Susanna an – und wurde dafür von den anderen Fraktionen scharf kritisiert. Von der AfD im Hessischen Landtag wiederum hieß es am Mittwoch, „spätestens jetzt“ werde deutlich, „dass eine Kurskorrektur in der Migrationspolitik dringend geboten“ sei.

In Wiesbaden war es nach dem Mord ruhig geblieben, anders als ein halbes Jahr zuvor im rheinland-pfälzischen Kandel, das zum Aufmarschgebiet unterschiedlichster politischer Gruppen wurde, nachdem in der Kleinstadt ebenfalls ein Mädchen von einem jungen Asylbewerber ermordet worden war. Auch eine Ortsbegehung der Prozessbeteiligten am Tatort fand kaum Zuschauer und erst recht keine Protestierenden, obwohl sie öffentlich war. Damals schritt eine Gruppe von etwa 40 Personen das unwegsame Gelände nahe der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim ab. Mittendrin Ali Bashar, in einem großen, weißen Kapuzenpullover und in Handschellen, festgehalten von vermummten Polizisten. Besichtigt wurde zunächst das Gebüsch, in dem die Vergewaltigung stattfand. Später, hinter den Gleisen, das Gestrüpp, in dem Susannas Leiche gefunden worden war. „Liegt sie hier noch?“, soll Bashar nach Darstellung der Staatsanwaltschaft gesagt und versucht haben, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen.

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