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Einspruch exklusiv : Richterinnen gewähren häufiger Asyl

Bild: Picture-Alliance

Hat das Geschlecht einen Einfluss darauf, wie ein Asylverfahren ausgeht? Mutmaßlich ja, lautet das Ergebnis einer Studie von Politikwissenschaftlern der Universitäten Wien und Mannheim.

          Hat das Geschlecht einen Einfluss darauf, wie ein Asylverfahren ausgeht? Mutmaßlich ja, lautet das Ergebnis einer Studie von Politikwissenschaftlern der Universitäten Wien und Mannheim. Und zwar beim  Geschlecht der Richter, unter Umständen aber auch, was das Geschlecht der Asylsuchenden betrifft. Richterinnen seien durchschnittlich eher dazu geneigt, Asyl zuzuerkennen. Und weibliche Antragsteller könnten bessere Chancen haben – aber nur dann, wenn der Richter oder die Richterin (in dieser Hinsicht mache das keinen Unterschied) ansonsten vornehmlich über Anträge von Männern urteilt.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Alejandro Ecker (Mannheim) und Martin Haselmayer (Wien) haben mehr als 40.000 richterliche Entscheidungen über Asylanträge in Österreich statistisch ausgewertet. Wenn ein Richter, männlich oder weiblich, vorwiegend mit männlichen Antragstellern zu tun hat, erhöht das nach ihrem Befund die Chancen einer weiblichen Antragstellerin durchschnittlich um 17 Prozentpunkte. Wenn Richter hingegen etwa gleich oft männlichen wie weiblichen Antragstellern gegenüberstehen, gibt es keinen messbaren Effekt. Generell fällen weibliche Richter um neun Prozent häufiger eine positive Asylentscheidung als männliche.

          Insgesamt fielen im Untersuchungszeitraum 2008 bis 2013 rund 31 Prozent der Urteile des österreichischen Asylgerichtshofs positiv aus. 82 männliche und 39 weibliche Richter bearbeiteten durchschnittlich jeweils rund 90 Fälle pro Jahr. 28 Prozent der Urteile bezogen sich auf Frauen. Dabei gab es einzelne Richter, die ein Jahr lang keinen einzigen Antrag einer Frau bearbeiteten, während andere zu fast zwei Dritteln mit weiblichen Antragstellern zu tun hatten. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass die Richter für bestimmte Länder oder Regionen zuständig sind, heißt es in einer Mitteilung der Universität Wien. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass ihre Studie keine Bewertung darüber enthalte, ob die einzelnen Entscheidungen richtig seien. Grundsätzlich sei es aber problematisch, wenn das Geschlecht einen Unterschied mache, da Asylentscheidungen Grundrechte sowie den Rechtsstaat als Ganzes beträfen.

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