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Streit um Kassenerstattung : CDU-Politiker gegen Kostenübernahme für Homöopathie

Bild: dpa

Nach der Entscheidung in Frankreich, nimmt auch in Deutschland die Debatte über die Erstattung der Kosten für homöopathische Mittel durch die Krankenkassen wieder Fahrt auf.

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          Soll es den Krankenkassen erlaubt sein, ihren Versicherten einen Teil der Kosten für homöopathische Mittel zu erstatten, obwohl es für deren Wirksamkeit keine wissenschaftlichen Belege gibt? Nachdem Frankreich hierauf eine klare Antwort gefunden und den Krankenversicherungen Zuzahlungen verboten hat, nimmt die Debatte auch in Deutschland wieder Fahrt auf. Während die SPD schon länger dafür ist, die Erstattungen zu verbieten, hat nun auch der CDU-Politiker Erwin Rüddel, der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Sympathie dafür erkennen lassen, die bestehende Regelung zu ändern. „Es ist schwer vermittelbar, dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen werden, während an anderer Stelle gespart werden muss“, sagte Rüddel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen.“

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In Deutschland wurden im vergangenen Jahr etwa 670 Millionen Euro mit Globuli-Zuckerkügelchen und homöopathischen Tropfen umgesetzt, der überwiegende Teil davon entfiel auf verschreibungsfreie Mittel. Der Markt ist vergleichsweise klein. Zum Vergleich: Nach Angaben des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller wurden hierzulande im vergangenen Jahr rezeptpflichtige und rezeptfreie Arzneimitteln im Wert von fast 56 Milliarden Euro verkauft. Trotzdem gibt es um die Homöopathie immer wieder hitzige Debatten. Sie ist nicht Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung, kann von den Kassen aber als Zusatzleistung erstattet werden. Rund zwei Drittel aller Krankenkassen in Deutschland tun das.

          Kritik daran gibt es deshalb, weil die Krankenkassen eigentlich nur die Kosten für Therapien und Medikamente übernehmen dürfen, die nachweislich wirksam sind. Für „besondere Therapierichtungen“ wurde im Gesetz aber eine Ausnahme geschaffen. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts zählt dazu auch die Homöopathie. Josef Hecken, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung in Deutschland, hatte der F.A.Z. vor wenigen Tagen gesagt, es sei eine große Errungenschaft im deutschen Gesundheitssystem, dass die Versorgung auf der Grundlage der evidenzbasierten, also beweisgestützten, Medizin erfolge. Er plädiert dafür, dass Deutschland dem Beispiel Frankreichs folgt. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat die Erstattung kritisiert. Der Vorsitzende Andreas Gassen sagte, wer homöopathische Mittel haben möchte, solle sie auch bekommen, „aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat ebenfalls schon mehrfach dafür plädiert, die Finanzierung durch die Kassen zu beenden.

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