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Einspruch exklusiv : Sterbehilfe künftig auch bei Liebeskummer

  • -Aktualisiert am

Das oft für medizinische Suizide verwendete Mittel Pentobarbital-Natrium Bild: dpa

Der Maximalindividualismus des Bundesverfassungsgerichts hält auch Suizide aus Liebeskummer für unbedingt schützenswert. Die Entscheidung ist nur mit Zynismus zu ertragen.

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          Die Beliebtheit des Bundesverfassungsgerichts in der Bevölkerung rührt nicht zuletzt daher, dass es ihm in herausragender Weise gelingt, gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen - deutlich besser als dem Deutsche Bundestag. Insofern dürfte das Urteil vom 26. Februar 2020 zur Verfassungswidrigkeit des Verbots der geschäftsmäßigen Sterbehilfe die acht Richterinnen und Richter geradezu zu Volkstribunen machen. Vermittelt über öffentlich-rechtliche wie private Medien wird ein fundamentales Bedürfnis aller Menschen propagiert, durch organisierte und geschäftsmäßige „Sterbehilfe“ in Krankheitssituationen beliebig den Tod finden zu können. Wobei unter „Sterbehilfe“ meist die Beihilfe zur Selbsttötung verstanden wird.

          Es drängte sich daher für den Zweiten Senat geradezu auf, diese Sehnsucht aufzugreifen und dem Parlament die Grenzen aufzuzeigen. Doch man ging darüber hinaus: Nicht nur die hinlänglich bekannten, einfachste palliativmedizinische Standards missachtenden Horrorszenarien eines qualvollen Sterbens sind zum unhintergehbaren maximal individualistisch ausgeprägtem Schutzgut des allgemeinen Persönlichkeitsrechts erklärt worden, sondern auch der Suizid aus jedem noch so lächerlichen Grund, da „die Zulässigkeit einer Hilfe zur Selbsttötung materiellen Kriterien“ nicht unterworfen werden darf, etwa dem „Vorliegen einer unheilbaren oder tödlich verlaufenden Krankheit“. Und in der Tat wusste Siw Malmkvist bereits 1964, dass sich Liebeskummer nicht lohnt – er lässt sich von nun an grundrechtsverbürgt mit Hilfe organisierter Sterbehelfer höchst kurzfristig beenden. Gesellschaftspolitisch kann man die Büchse der Pandora, die der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts eröffnet hat, nur mit solch tiefstem Sarkasmus ertragen, der uns sonst sehr, sehr fern liegt.

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