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Einspruch exklusiv : Ausbildung im Ausnahmezustand

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Der Luxus vergangener Tage: Aufgrund der Pandemie ist das Lernen in der Bibliothek für viele Referendare nur eingeschränkt möglich. Bild: dpa

Die ohnehin anstrengende Examensphase kann durch die Pandemie zermürbend werden. Digitale Lehre sollte daher nicht als Grund für sinkende Examensnoten, sondern vor allem als Chance begriffen werden. Ein Gastbeitrag.

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          Ein Berliner Richter und AG-Leiter beklagte an dieser Stelle unlängst eine “signifikante Verschlechterung” der Leistungen der von ihm ausgebildeten Referendarinnen und Referendare seit Beginn der Corona-Pandemie. Der Grund dafür liege in der Umstellung der ausbildungsbegleitenden Arbeitsgemeinschaften auf digitale Formate. Diese Erklärung überschätzt nicht nur die Bedeutung der Arbeitsgemeinschaften für die juristische Ausbildung und Examensvorbereitung; sie übersieht womöglich auch viele näher liegende Gründe, aus denen Referendare in der singulären Situation einer globalen Pandemie offenbar schlechtere Klausuren schreiben.

          Nach den Juristenausbildungsgesetzen der Länder beruht die Ausbildung im Referendariat auf drei Säulen: dem Selbststudium, den Arbeitsgemeinschaften und der praktischen Ausbildung in den verschiedenen Stationen. Im Laufe des Referendariats verschiebt sich der Schwerpunkt dabei erfahrungsgemäß immer weiter in Richtung des Selbststudiums, bis er in den letzten Monaten der Examensvorbereitung fast vollständig hierauf liegt. Schon vor diesem Hintergrund liegt es nahe, dass ein etwaiger Leistungsabfall andere Gründe als die Umstellung auf digitale AG-Formate hat.

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