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Einspruch exklusiv : Illegal Tech?

Legal-Tech-Anbieter unterstützen Verbraucher bei der Geltendmachung ihrer Rechte „per Knopfdruck“. Bild: obs

Das Landgericht Köln hat den Betrieb des Vertragsgenerators Smartlaw untersagt; der Bundesgerichtshof wird bald zum Legal-Tech-Unternehmen Wenigermiete urteilen, und auch der Gesetzgeber setzt zur Regulierung der automatisierten Rechtsdienstleistungen an.

          5 Min.

          Gut fünf Jahre ist es her, dass juristische Fachzeitschriften, Onlinemedien und Kongresse das Zeitalter der „Legal Techs“ ausriefen. Die Erkenntnis, dass die Digitalisierung für die Rechtsberatung erhebliche Veränderungen bedeuten könnte, kam damit im Vergleich zu vielen anderen Branchen eher spät, und bis heute haben sich längst nicht alle mit der neuen Technologie verbundenen Hoffnungen und Versprechen bewahrheitet. In einigen spezifischen Bereichen haben „Legal Tech“ Anwendungen sich allerdings als reale und aus Sicht der zumeist angesprochenen Verbraucher oft vorzugswürdige Alternative zur Beauftragung eines Rechtsanwalts etabliert. Dazu gehören einerseits Vertrags- und Formulargeneratoren, die anhand eines vorgegebenen Fragenkatalogs ein auf die Bedürfnisse des Nutzers zugeschnittenes Dokument entwerfen, etwa ein Testament oder einen Autokaufvertrag. Die zweite Gruppe erfolgreicher Anwendungen bilden Portale, die gleichgelagerte Forderungen in einem weitgehend automatisierten Prozess eintreiben – für Ansprüche nach der Fluggastrechteverordnung bestehen solche Legal Techs schon seit Längerem, inzwischen gibt es sie aber auch etwa für Ansprüche nach der Mietpreisbremse oder wegen einer zu langsamen Internetverbindung.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Aus Verbrauchersicht liegen die Vorteile auf der Hand: Die Einstiegshürde ist niedriger als beim Besuch einer Anwaltskanzlei – besonders für Nutzer, die mit dem Internet sozialisiert wurden. Auch die Kosten sind weitaus geringer; teilweise fallen gar keine an, stattdessen wird dann eine Erfolgsprovision im Fall des Obsiegens fällig. Auf eine noch individuellere und exakter auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenen Beratung sind viele Nutzer gerne zu verzichten bereit, zumal danach in vielen Fällen ohnehin kein Bedarf besteht. Schließlich bürgen Legal Techs, die sich auf ein eng umgrenztes Rechtsgebiet spezialisieren, zumindest dem äußeren Anschein nach für inhaltliche Expertise auf diesem Feld, wohingegen Verbraucher die fachliche Qualifikationen von Anwälten in der Regel kaum selbst einschätzen können.

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