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Sexueller Missbrauch : Prominente fordern Anonymität für Verdächtigte

Cliff Richards spricht mit Journalisten nahe dem britischen Parlament, 1. Juli 2019 Bild: Reuters

Eine Reihe britischer Prominenter fordert eine Gesetzesreform, wonach Personen, denen Sexualdelikte vorgeworfen werden, bis zur Klärung der Vorwürfe anonym bleiben sollen.

          Man fühle sich „wie in einem Loch, aus dem man nicht mehr herauskommt“, sagte der Sänger Cliff Richards, als er in London seine Kampagne für eine Gesetzesreform zugunsten „fälschlicherweise beschuldigter Personen“ vorstellte. Der Popstar trat am Montag zusammen mit einem weiteren britischen Prominenten auf, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen worden war: dem Moderator und Autor Paul Gambaccini. Auch der Schauspieler und Regisseur Stephen Fry, der nie solcher Vergehen beschuldigt worden ist, unterstützt die Initiative mit dem Akronym „Fair“. Ihr Ziel ist es, den Namen von Beschuldigten anonym zu halten, bis formal Anklage erhoben ist. Im Vereinigten Königreich haben nur die Opfer sexuellen Missbrauchs ein Recht auf Anonymität.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Richards war vor fünf Jahren anonym beschuldigt worden, ein Kind missbraucht zu haben. Als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, berichteten britische Medien darüber, unter anderem die BBC, und nannten seinen vollen Namen. Die Polizei stellte die Ermittlungen nach einiger Zeit ein, aber Richards Ansehen lag, wie er sagte, „in Trümmern“. Er habe jahrelang kaum geschlafen und Krankheiten entwickelt. Im vergangenen Jahr gewann er einen Prozess gegen die BBC und erhielt eine hohe Entschädigung. Der Sender entschuldigte sich für die „Qualen, durch die Sir Cliff gegangen ist“.

          Gambaccini war im Zuge der Ermittlungen gegen den BBC-Star Jimmy Savile verhaftet worden. Der Vorwurf, Gambaccini habe zwei Jungen sexuell missbraucht, hat sich nie bestätigt. Gleichwohl setzte ihn die BBC von mehreren Programmen ab. Aufsehen erregte auch der Fall des früheren Politikers Harvey Proctor, ebenfalls ein Unterstützer der neuen Kampagne, dem vorgeworfen worden war, mit ranghohen Politikern und Beamten einem Pädophilenring angehört zu haben. Später stellte sich heraus, dass der vermeintliche Kronzeuge die Polizei belogen hatte.

          Bis zum Montag hatten die Aktivisten 3000 Unterschriften zusammen. Damit der Reformvorstoß vom Parlament debattiert wird, muss die Petition von mindestens 100 000 Menschen unterstützt werden. Die Lobby-Gruppe „Rape Crisis“, die sich für Opfer sexuellen Missbrauchs einsetzt, sprach sich am Montag gegen die Initiative aus. Falsche Beschuldigungen seien selten, weshalb es keinen Grund für eine Gesetzesänderung gebe, hieß es in einer Mitteilung.

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