https://www.faz.net/-irf-9wvzg

Einspruch exklusiv : Was bisher nicht geschah (und warum)

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Juristenausbildung hat sich seit 1869 nur geringfügig geändert. Zahlreiche Reformvorschläge werden immer wieder diskutiert, aber trotz großer Unzufriedenheit nie umgesetzt. Woran liegt das?

          6 Min.

          Um die nicht abreißen wollenden Diskussionen, um eine Reform der Juristenausbildung zu begreifen, lohnt ein Blick in die Vergangenheit: Die zweistufige juristische Ausbildung beruht im Wesentlichen auf einer 1869 in Preußen durchgeführten Reform. Sie hatte zum Ziel, die bis dahin dreistufige Ausbildung zu bündeln und zu verkürzen. Ein 1954 von der Justizministerkonferenz (JuMiKo) ins Leben gerufener Arbeitskreis, der sich mit Reformfragen beschäftigen sollte, hat zwar eine Reihe punktueller Änderungen bewirkt. Zu einer grundlegenden Reform der juristischen Ausbildung ist es seit 1869 indessen nicht gekommen. Der letzte umfassende Versuch war die in den 1970er Jahren in acht Bundesländern parallel und modellhaft eingeführte, einstufige Ausbildung.

          Der Schritt war möglich geworden, nachdem sich Professoren und Studenten 1968 bei einer Tagung in der Akademie Loccum unter dem Titel „Krise der Juristenausbildung“ trafen, sich auf grundlegende Änderungen einigten und innerhalb eines Jahres einen kohärenten Vorschlag ausarbeiteten. Die einstufige Juristenausbildung sollte Lehre und Praxis ähnlich einem dualen Studium vereinigen. Der Vorschlag wurde vom deutschen Juristentag 1970 befürwortet und 1971 durch § 5 b Deutsches Richtergesetz (DRiG) als „Experimentierklausel“ eingeführt. Die Bewertung des Reformstudiengangs fiel jedoch durchwachsen aus. Insbesondere der hohe Personalbedarf machte diese Art der Ausbildung im Vergleich zum klassischen Modell kostenintensiver. Auch wurden in den Ländern unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Benotungssystemen eingeführt. Das erschwerte die Bewertung der Qualität der Studiengänge. Auf der 52. Justizministerkonferenz einigte man sich deshalb auf eine Entwicklung des klassischen zweistufigen Modells.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Fahrbericht Mercedes EQA : Zu kurz gesprungen

          Der EQA ist das Einstiegsmodell in die elektrische Welt von Mercedes. Das kompakte SUV macht wenig falsch, sollte aber mehr Raum und vor allem mehr Reichweite bieten.