https://www.faz.net/einspruch/nach-voelkermord-von-srebrenica-koennen-schutzzonen-leben-retten-16858779.html

Einspruch exklusiv : Können Schutzzonen Leben retten?

  • -Aktualisiert am

Eine Trauernde auf dem Friedhof in Potocari nahe Srebrenica. Bild: Reuters

Beim Völkermord in Srebrenica vor 25 Jahren ist das Konzept der Schutzzone gescheitert – doch andernorts hat es sich davor und danach bewährt. Welche rechtlichen und tatsächlichen Gegebenheiten machen den Unterschied?

          5 Min.

          Vor 25 Jahren, zwischen dem 12. und 17. Juli 1995, ermordeten serbische Milizen bei Srebrenica in Bosnien-Herzegowina über 8000 Menschen. Europa, die Welt schaute zu. Die Vereinten Nationen hatten die Stadt zur “Schutzzone” für Zivilisten erklärt. Doch die niederländischen Blauhelme vor Ort sahen dem Morden tatenlos zu: ihnen fehlte sowohl die notwendige Stärke und Ausstattung als auch die politische Rückendeckung, um jene Menschen zu schützen, die im Vertrauen auf die UN-Flagge, das Völkerrecht und das Wort der Großmächte in der Stadt geblieben oder dorthin geflohen waren. Jahre später wiesen internationale Gerichte nach, dass die bosnisch-serbischen Täter unter dem Kommando von Ratko Mladic die Massaker systematisch geplant und durchgeführt hatten. Tatbestand: Kriegsverbrechen und Völkermord.

          UN-Schutzzonen werden von der internationalen Gemeinschaft in Konfliktgebieten gegen den Willen mindestens einer Konfliktpartei errichtet. Seit Srebrenica gelten sie als diskreditiert. Doch ein Vierteljahrhundert später stehen die Alternativen nicht besser da: Das Schutzmandat für die Zivilbevölkerung in Libyen (2011) mündete in einen gewaltsamen Regimewechsel und in den Kollaps der Staatlichkeit. In Syrien sind die westlichen Wetten auf moderate Oppositionsgruppen an der Brutalität des Assad-Regimes und seiner Partner in Moskau und Teheran geplatzt.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Leben in der Blase: Putin bei einem Treffen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit am Montag im Kreml

          Russische Geheimdienste : Putins fatale Echokammer

          „Mariupol in drei Tagen einnehmen, Kiew in fünf“: Eine Recherche zeichnet nach, wie groß in Russlands Geheimdiensten die Wut ist – auf jene Kollegen, die Putin mit gefälligen Informationen in den Ukrainekrieg ziehen ließen.

          F.A.Z. exklusiv : So will die Ampel den Bundestag verkleinern

          736 Abgeordnete hat der Bundestag, 138 mehr als vorgesehen. Doch Überhangmandate verzerren den Wählerwillen, sagen die Obleute von SPD, FDP und Grünen. In diesem Gastbeitrag legen sie dar, wie die Ampel das Wahlrecht ändern will.