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Jürgen Kaube (kau)

Lebensmittelkennzeichnung : Kann man Äpfel und Birnen doch vergleichen?

  • -Aktualisiert am

Verbraucher sollen schneller erkennen, ob Lebensmittel gesund sind. Wenn das mal gutgeht.

          4 Min.

          In Vorlesungen zur Mikroökonomie, also zum wirtschaftlichen Verhalten einzelner typischer Akteure, ist stets von „Gütern“ die Rede. Der Verstand der Konsumenten wird dadurch illustriert, dass man sie zwischen solchen Gütern oder Güterbündeln wählen lässt. Meistens finden sie mehr von einem Gut besser als weniger davon; ansonsten wäre es ja auch kein Gut, sondern ein Schlecht. Meistens verzichten sie auf eine bestimmte Menge von Gut X nur, wenn sie dafür mehr von Gut Y bekommen. Meistens erleben sie Sättigung, denn irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem mehr Brokkoli weniger Wein nicht kompensiert.

          Schon vor mehr als fünfzig Jahren hat der australische Ökonom Kelvin Lancaster darauf hingewiesen, dass diese Darstellung des Konsumverhaltens weitgehend von den Eigenschaften der jeweiligen Güter absieht. Weitgehend, denn in den Beispielen der Lehrbücher geht es nicht zufälligerweise um Entscheidungen zwischen Gütern, die vergleichbar sind. Selten, so Lancaster in seinem wegweisenden Aufsatz, werde der Konsument vor die Wahl zwischen Schuhen und Schiffen gestellt. Sondern meistens vor die Entscheidung zwischen Butter und Margarine (die substitutiv sind) oder Autos und Benzin (die komplementär sind). Mit anderen Worten: Nicht die Güter, sondern die Gütereigenschaften sind es, die verglichen werden. Konsumiert wird nicht ein Objekt, sondern die Kombination von Merkmalen, die es hat.

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