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Kartellrecht : Kartellamt erlaubt Übernahme

Bild: dpa

Edeka darf die Großhandelsmärkte der Handelshof-Gruppe übernehmen. Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss am Montag ohne Auflagen freigegeben.

          Edeka darf die Großhandelsmärkte der Handelshof-Gruppe übernehmen. Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss am Montag ohne Auflagen freigegeben, weil keine Wettbewerbsbeeinträchtigungen zu erwarten seien. Vor allem wegen der hohen Marktmacht im Einkauf stehen die Bonner Wettbewerbshüter Fusionen im Lebensmitteleinzelhandel grundsätzlich kritisch gegenüber. Auch in diesem Fall war die Beschaffungsseite, wo Edeka jetzt schon eine starke Position innehat, ein Prüfungsschwerpunkt. Doch mit deutlich weniger als 0,5 Prozent am gesamten deutschen Einkaufsvolumen habe der „mit der Übernahme einhergehende Zuwachs bei Edeka keine erheblichen wettbewerblichen Auswirkungen“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Der Handelshof betreibt 16 Cash&Carry-Großhandelsmärkte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Der Umsatz betrug im vorigen Jahr rund 640 Millionen Euro, während die Edeka-Gruppe auf knapp 54 Milliarden Euro kam.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Auch Rewe wartet noch auf eine Fusionsgenehmigung: Der Kölner Edeka-Konkurrent will den Fachgroßhändler Lekkerland kaufen, um stärker im Geschäft mit dem Essen für unterwegs mitzuspielen. Das Unternehmen beliefert Kioske, Tankstellen, Lebensmittelhändler, Bäckereien und Schnellrestaurants mit Lebensmitteln und Tabakwaren. Mit zuletzt 4900 Mitarbeitern und 12,4 Milliarden Euro ausgewiesenem Umsatz ist es deutlich größer als das neue Objekt im Edeka-Imperium. Daraus lässt sich aber nicht unbedingt ableiten, dass Rewe auch mit einer entsprechend härteren Fusionsprüfung zu rechnen haben wird. Im Gegenteil wird die zügige Edeka-Genehmigung in Branchenkreisen eher als positives Signal für die Lekkerland-Übernahme gesehen. Denn in den Erlösen sind viele Milliarden Tabaksteuer und Umsätze aus Tabakwaren enthalten, die fusionskontrollrechtlich anders zu beurteilen sind als Lebensmittel und Non-Food-Produkte. So entfielen in Deutschland allein 5,8 Milliarden Euro Umsatz auf Tabakwaren und nur knapp 1,1 Milliarden Euro auf Food und Non Food – was den Größenvergleich sehr stark relativiert. Wegen der hohen Umsätze der beteiligten Unternehmen – Rewe kam 2018 auf mehr als 61 Milliarden Euro in Europa – ist die Europäische Kommission für den Fall zuständig.

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