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Mordprozess in Frankfurt : Bald Plädoyers im Verfahren gegen Frankfurter Gastronomen Jan M.

Vor Gericht: Jan M. soll sein Opfer mit 21 Messerstichen ermordet haben. Bild: Helmut Fricke

Nach sechs Monaten zeichnet sich das Ende des aufsehenerregenden Prozesses um einen grausamen Mord ab. Doch ein Antrag verzögert das Verfahren zunächst. Das Gericht ärgert sich über die Verteidigung.

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          Der Prozess gegen den ehemaligen Szene-Gastronomen Jan M. hat sich am Mittwoch verzögert. Ursprünglich war die Kammer davon ausgegangen, dass die Beweisaufnahme in dem Verfahren um den Mord an Irina A. im Niddapark abgeschlossen würde und die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten könne. Die Richter hatten zuvor mehrfach erklärt, dass aus ihrer Sicht alle relevanten Zeugen vernommen und Beweise eingeführt seien. Wie schon zuletzt stellte die Verteidigung jedoch einen Antrag, der die Verfahrensbeteiligten den ganzen Tag beschäftigte.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Inhaltlich ging es um eine „Nebensächlichkeit“, wie es der Vorsitzende Richter ausdrückte. Die Verteidigung hat Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer Zeugin, die eine Freundin der Getöteten ist und Jan M. belastet hatte. In Ihrer Aussage äußerte sie, Irina A. sei am Abend ihres Todes mit dem Angeklagten im Niddapark verabredet gewesen. Dessen Anwälte hatten allerdings schon vor Prozessbeginn wissen lassen, dass die Zeugin in ihren Augen lüge und möglicherweise etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Bisher gibt es dafür aus Sicht von Staatsanwaltschaft und Gericht allerdings keine Hinweise.

          In dem neuen Beweisantrag ging es nun um die Kleidung, die Irina A. am Tag ihres Todes trug: Hatte sie die Latzhose, in der sie gefunden wurde, wirklich am Abend bei besagter Freundin daheim angezogen, wie diese ausgesagt hat? Oder doch schon früher, weshalb die Freundin dann die Unwahrheit gesagt hätte? Unmut löste in diesem Zusammenhang die Tatsache aus, dass die Verteidigung dem Gericht Zeugen präsentierte, mit denen sie zuvor schon telefonisch oder in der Kanzlei Gespräche geführt hatte, obwohl das Gericht sie noch nicht als Zeugen geladen hatte. Der Vorsitzende Richter bezeichnete es als „Nebenerscheinung dieses Verfahrens“, dass „die Zeugen offenbar denken, sie seien von der Verteidigung geladen“.

          Jan M. äußert sich nochmal zu seinen Blutspuren am Tatort

          Die Frage nach der Kleidung der Getöteten konnte am Mittwoch nicht abschließend geklärt werden. Ein verfahrensentscheidender Punkt wird das aber auch nicht sein. Wohl eher ein anderer, der am Vormittag abermals zur Sprache kam: das Blut von Jan M., das an der Leiche und nahe der Bank gefunden wurde, wo Irina A. mit mindestens 21 Messerstichen getötet wurde. Der Angeklagte hat ausgesagt, das Blut könne von einer Handverletzung stammen, die er sich kurz zuvor zugezogen hatte. Diese könne aufgeplatzt sein, als er in der Nacht, nachdem er die Getötete gefunden hatte, an ihrem Fuß rüttelte, um zu sehen, ob sie noch am Leben sei. M. will seine frühere Geschäftspartnerin gesucht haben, weil er sich Sorgen um sie machte. Bei der Polizei erwähnte er jedoch zunächst nichts von seiner nächtlichen Suchaktion, auch dann nicht, als die Ermittler ihm vorhielten, dass seine DNA am Tatort gefunden worden sei.

          Am Mittwoch betonte Jan M. in einer abermaligen, inzwischen fünften Einlassung, er habe in jener Nacht nicht gewusst, dass er blutete. Hätte er von seinen DNA-Spuren gewusst, hätte er sich sofort juristischen Rat geholt. Die Tatsache, dass er Freunden und Bekannten in den Tagen nach dem Mord vorspielte, vom Tod der jungen Frau genau wie sie aus der Presse erfahren zu haben, erklärte er mit seinem Wunsch, so normal wie möglich zu erscheinen. Heute wundere er sich, warum er nicht in der Lage gewesen sei, „das Richtige zu tun“ und sich jemandem anzuvertrauen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt, diesmal sollen tatsächlich Staatsanwaltschaft und Nebenklage plädieren.

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