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Strafrecht : Ehefrau eines IS-Kämpfers in Stuttgart verurteilt

05.07.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Die Angeklagte wird in einen Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in Stammheim geführt. Bild: dpa

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat eine Ehefrau eines Angehörigen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verurteilt.

          Das Oberlandesgericht Stuttgart hat eine Ehefrau eines Angehörigen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verurteilt. Die 32 Jahre alte, aus dem badischen Rastatt stammende Sabine S. habe zudem völkerrechtswidrig im Kriegsgebiet geplündert, sich fremde Wohnungen angeeignet und mit Besitz von zwei Kriegswaffen und zwei halbautomatischen Kurzwaffen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen, urteilten die Richter. Sie verhängten eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren. Die Bundesanwaltschaft hatte für eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren plädiert, die Verteidigung für drei Jahre.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          In der Verhandlung hatte die Angeklagte erklärt, dass sie infolge einer Lebenskrise und der Trennung von ihrem tunesischstämmigen Partner 2008 vom Christentum zum Islam konvertierte. Ihr Vater sei Alkoholiker gewesen, ihr Stiefvater soll sie sexuell missbraucht haben. Im Dezember 2013 traf Sabine S. den Entschluss, „Shahida“, also eine Märtyrerin, zu werden, und reiste nach Syrien. Einen Tag nach ihrer Ankunft heiratete sie nach islamischem Ritus einen aus Aserbaidschan stammenden IS-Kämpfer im Range eines Emirs. Sie wohnte in vom IS erbeuteten Häusern, versorgte ihre im Kriegsgebiet geborenen Kinder und verbreitete Propaganda für die Terrororganisation: Unter dem Titel „Das Köpfchen ab“ verbreitete die Angeklagte im Internet Fotos von hingerichteten Opfern. Ihre Waffen – eine Uzi, eine Beretta und eine Kalaschnikow – nannte Sabine S. ihre „Babys“. Als Repräsentantin des IS soll sie an mehreren Hinrichtungen teilgenommen haben. 2017 flüchtete sie mit ihren Kindern und landete schließlich in einem Gefängnis im kurdischen Erbil, wo sie später verhaftet wurde.

          Ihr Verteidiger vertrat in Stuttgart die Auffassung, dass ihre Konvertierung weder politisch noch religiös begründet gewesen sei, die Angeklagte habe versucht, als „permanente Außenseiterin“ ihr Leben zu ertragen. Während der Haft will sie an einem Aussteigerprogramm für Islamisten teilnehmen.

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