https://www.faz.net/-irk-a7yz1

Skulptur „Body of Knowledge“ von Jaume Plansa: Sie steht für die Vernetzung der Wissenschaften. Bild: Francois Klein

Wissenschaft in der Pandemie : Wir alle sind angreifbar

  • -Aktualisiert am

Die Wissenschaft kann die Corona-Krise weder lösen noch letztgültige Antworten geben. Ihre Aufgabe ist es, Wirkungsmechanismen zu verdeutlichen und zugleich Zweifel zu erzeugen. Das ist ihr Wesenskern. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Wolfgang Streeck ist für seinen frischen und offenen Beitrag in dieser Zeitung vom 11. Januar 2021 zum Miteinander von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in der Pandemie zu danken. Jürgen Renn hat in seiner Erwiderung vom 18. Januar recht: Der Beitrag ist „brillant formuliert und polemisch überspitzt“. Wissenschaft sollte beides nicht scheuen, wenn es weiterführt. Denn wir ringen um Erkenntnis, die meist nur unser Nichtwissen auf Zeit zu überbrücken vermag. Und wir sind unvermeidlich gefangen in den Sichtweisen unseres Faches und in den Präferenzen unseres Interesses. Streeck hat seinen Text aus einem Unbehagen heraus geschrieben, das der Wahrnehmung einer beachtlichen Diskursbegrenzung in der Pandemieabwehr durch eine politisch definierte Handlungsverengung entspringt.

          Im interdisziplinär zusammengesetzten Expertenrat Corona der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat genau dies uns veranlasst, für eine Öffnung der Debatte zu werben und dafür ein „Verständnis künftiger Normalität“ zu entwickeln, wie wir „öffentlich und privat mit diesem Virus leben können“. Die Politik scheut diese Klarheit, weil sie mit einer dann naheliegenden differenzierten Strategie Gefahr läuft, der Diskriminierung geziehen zu werden und die Schuld auf sich zu ziehen, sollte es nicht besser werden. Die „flächendeckende Methode der Seuchenbekämpfung“ bewahrt – so Streeck – die Politik vor diesem Risiko. Jürgen Renn formuliert dies mit Bezug auf das klimaaktivistische Bild „the house is on fire“ so, dass es dann „keine differenziert verteilten Gießkannen“ brauche.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          In Wismar entsteht das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Doch jetzt sind die MV Werften pleite.

          Kreuzfahrt-Tourismus : Traumschiffe in Not

          Klimakrise, Insolvenzen wie die der MV-Werften in Rostock und die Pandemie: War es das mit dem Kreuzfahrt-Boom? Die Branche steht vor existenzbedrohenden Herausforderungen.
          Russische Soldaten nehmen an Übungen auf dem Schießplatz Kadamowskii in Rostow am Don teil.

          Krise mit Russland : Nach der Ukraine ist Europa dran

          Putin will nicht nur die Ukraine. Er will Hegemonie über ganz Europa. Die EU muss deshalb über eine eigene Abschreckung reden. Frankreich hat die Debatte eröffnet.

          Novak Djokovics Ausweisung : Schluss mit dem Ego

          Nach dem Entzug des australischen Visums für den serbischen Tennis-Star bleibt zwar ein schaler Nachgeschmack, aber für den eigenen Schaden ist er, wohl auch entsetzlich schlecht beraten, selbst verantwortlich.