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Jurist Hofmann : List der Kritik

  • -Aktualisiert am

Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin. Hier unterrichtete Hasso Hofmann (Archivbild). Bild: dpa

Hasso Hofmann war kein reiner Verfassungshistoriker. Er hatte einen subversiven Scharfsinn, der sich dem Bedürfnis, das Verfassungsrecht zu stark zu systematisieren, listig widersetzte.

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          Wer Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Berlin intellektuellen Anschluss in der Verfassungstheorie suchte, geriet von selbst in Hasso Hofmanns Seminar an der Humboldt-Universität. In der Staatsrechtslehre, die durch machtbewusste Großordinarien und alerte Beratertypen geprägt ist, war Hofmann, der Gelehrte mit Denkerstirn und unbegrenzter Belesenheit, für den das Wort altfränkisch hätte erfunden werden müssen, eine untypische Erscheinung. Mit freundlicher Ironie wurden Thesen getestet, und wenn der Meister zufrieden war, grinste er behaglich. Unterboten die Studenten das Niveau, erging es ihnen freilich schlecht – das Seminar war auch ein letzter Zipfel der alten deutschen Universität.

          Hofmann stammte tatsächlich aus Franken, studierte in Erlangen, wechselte bald nach München, um ebenso bald wieder zurückzukehren. Die Verlockungen der Metropole schienen seine Arbeitsmoral zu sehr zu bedrohen. In Erlangen wurde er mit einer Arbeit über Carl Schmitt promoviert, die, vielfach neu aufgelegt und übersetzt, weiterhin die beste systematische Einführung in dessen Werk darstellt. Schmitt hatte vom Projekt Wind bekommen und versucht, den Doktoranden nach Plettenberg einzuladen. Unsicher, ob er auch dieser Versuchung widerstehen könnte, blieb Hofmann zu Hause. Mit der intellektuellen Unbeeindruckbarkeit, die alle seine Arbeiten auszeichnet, sezierte er die Schmittsche Begriffswelt so gründlich, dass einem die flirrenden Texte langweilig durchschaubar erschienen: Hofmann hat sie ein für allemal auf ihre Machart reduziert.

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