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Universitäten in der Pandemie : Digitale Prüfungsformate bleiben nicht ohne Folgen

  • -Aktualisiert am

Die Hörsäle stehen leer: Online-Klausuren setzen sich durch. Bild: Lucas Bäuml

Die Studenten sind gespalten, wenn es um die Vor- und Nachteile von digitalen Klausuren geht. Für die Lehre stellen die neuen Prüfungsformen eine Herausforderung dar. Ist sie ihr gewachsen? Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Die Not der Corona-Pandemie macht die deutschen Hochschulen erfinderisch. Während am Ende des Sommersemesters 2020, begünstigt durch die sinkenden Inzidenzzahlen, noch die meisten Klausuren in Präsenz stattfanden, sind im Wintersemester online geschriebene E-Klausuren die Regel geworden. Digitale Klausurformen, die bis dahin vom Prüfungsrecht entweder überhaupt nicht vorgesehen oder ausdrücklich untersagt waren, wurden plötzlich von den Hochschulleitungen zu juristisch unbedenklichen Alternativmodellen erklärt und als Lösung in der Pandemiesituation dringend empfohlen, wenn nicht vorgeschrieben. Allerdings werden aus Gründen des Datenschutzes kaum Überwachungsprogramme auf den privaten Rechnern der Studenten implementiert, während die Videoüberwachung des privaten Raumes bei E-Prüfungen fast überall gestattet ist. Dass die FU Berlin videoüberwachte Klausuren nicht zulässt, gehört zu den Ausnahmen. In jedem Fall werden prüfungsrechtliche Regelungen, die unter dem Druck der Corona-Pandemie zustande gekommen sind, nach deren Ende nicht einfach zurückgenommen werden können.

          In der gegenwärtigen Praxis kommen mehrere Arten von E-Klausuren vor, denen gemeinsam ist, dass sie in den digitalen Lernräumen der Hochschulen geschrieben werden. Neben dem Typus der Closed-Book-Klausur, bei dem zusätzlich zu einer Video-Überwachung auch mit Hilfe eines „Safe Exam Browers“ der Zugriff auf Systemfunktionen, Programme und Websites blockiert ist und so weitgehend verhindert werden kann, dass die Studenten unerlaubte Hilfsmittel benutzen, gibt es unterschiedliche Varianten der Open-Book-Klausur. Hier wird meist auf jede Kontrollmöglichkeit verzichtet. Den Studenten ist nicht nur de jure der Zugriff auf Bücher, Skripte und das Internet gestattet; vielmehr können sie de facto auch über Messengerdienste miteinander kommunizieren.

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