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Bundesarbeitsgericht : Arbeitszeugnis darf nicht wie Schulzeugnis aussehen

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Das Bundesarbeitsgericht musste sich mit der Sprache und der Wertung in Arbeitszeugnissen beschäftigen. Bild: dpa

Schulnoten sind hier nicht gefragt: Stellt ein Chef seinem scheidenden Mitarbeiter ein Arbeitszeugnis aus, darf es nicht wie ein Schulzeugnis aussehen. Dies hat das Bundesarbeitsgericht bestätigt.

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          Ein Arbeitszeugnis darf nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts nicht wie ein Schulzeugnis gestaltet sein. Die angemessene Beurteilung eines Arbeitnehmers lasse sich nicht in Tabellenform, sondern regelmäßig nur durch „ein im Fließtext formuliertes Arbeitszeugnis“ herausstellen, entschied das Bundesarbeitsgericht in Erfurt in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil. (AZ: 9 AZR 262/20)

          Der Kläger, ein Elektriker, war mit seinem vom Arbeitgeber erstellten Arbeitszeugnis nicht zufrieden. Das Zeugnis hatte einzelne Arbeitsleistungen wie Arbeitsökonomie, Fachkenntnisse allgemein, Sauberkeit im Arbeitsfeld, Pünktlichkeit oder Arbeitsbereitschaft ähnlich wie in einem Schulzeugnis in Tabellenform einzeln bewertet. Als „Leistungsbeurteilung insgesamt“ erhielt der Elektriker ein „befriedigend“.

          Laut Urteil muss ein Arbeitszeugnis „den Anforderungen entsprechen, wie sie im Geschäftsleben an ein Arbeitszeugnis gestellt und vom Leser als selbstverständlich erwartet werden“. Das Arbeitszeugnis stelle eine „individuell auf den Arbeitnehmer angepasste Beurteilung dar“. Individuelle Hervorhebungen und Differenzierungen ließen sich nicht in Tabellenform, sondern nur im Fließtext angemessen darstellen.

          Zeugnis muss wohlwollend formuliert sein

          Den Streitfall verwies das Bundesarbeitsgericht an das Landesarbeitsgericht Hamm zurück, welches noch einmal die Formulierungen im Arbeitszeugnis überprüfen muss. Auf was der Chef bei der Zeugniserteilung achten muss, ergibt sich aus Paragraph 109 Gewerbeordnung. Daneben gab es in den vergangenen Jahren einige Vorgaben durch die Gerichte.

          So muss das Arbeitszeugnis der Wahrheit entsprechen und zugleich wohlwollend formuliert sein. Der Vorgesetzte hat das Zeugnis zu unterschreiben und es muss auf den letzten Tag des Arbeitsverhältnisses datiert sein. Von diesem Tag an hat der Beschäftigte auch einen Anspruch auf Erteilung.

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