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Einspruch exklusiv : Vom Recht auf den gesetzlichen Korrektor

  • -Aktualisiert am

Jurastudium (Symbolbild) Bild: dpa

Eigentlich sollen die Klausuren des 1. Staatsexamens von mindestens einem Hochschullehrer korrigiert werden, doch gegen diese Vorschrift wird seit Jahren verstoßen. Das ruft die Gerichte auf den Plan – und den Gesetzgeber. Ein Gastbeitrag.

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          Am Ende des Jurastudiums steht das Staatsexamen, das sich aus einer (von der Universität organisierten) Schwerpunktbereichsprüfung und einer (vom Justizprüfungsamt des jeweiligen Bundeslandes abgenommenen) staatlichen Prüfung zusammensetzt. Vor allem dieser staatliche Prüfungsteil wird notorisch gefürchtet, da er gemeinhin weitaus schwerer ist, als die zuvor im Grund- und Hauptstudium absolvierten Prüfungen, und da er auf Basis einer recht geringen Zahl von Einzelleistungen (typischerweise sechs Klausuren und ein Prüfungsgespräch) 70% der im Arbeitsmarkt für Juristen überragend bedeutsamen Examensnote ausmacht. Hier kommt außerdem hinzu, dass die Benotung, anders als zuvor im Studium, oftmals durch Richter, Anwälte oder sonstige Praktiker erfolgt, die, so die Befürchtung, andere Maßstäbe anlegen könnten als jene, die die Prüflinge während der vorangegangenen Jahre an der Universität verinnerlicht haben.

          Um diesem Risiko zu begegnen, sieht beispielsweise § 14 Abs. 2 des nordrhein-westfälischen Juristenausbildungsgesetzes (JAG NRW) vor, dass mindestens einer der beiden für die Korrektur der Klausuren zuständigen Prüfer Hochschullehrer bzw. Hochschullehrerin sein „soll“. Ähnlich halten es die Gesetze betreffend die Juristenausbildung anderer Bundesländer, etwa in Niedersachsen (§ 13 Abs. 1 NJAG) und Bremen (§ 19 Abs. 1 JAPG Bremen). Dass diese gesetzliche Wunschvorstellung fernab der Realität liegt, zeigte jüngst ein mahnendes Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster (OVG) vom 19. April 2021 (Az. 14 A 1082/20).

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