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Juristenausbildung : Pragmatismus vs. Idealismus

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Bild: AP

Die Juristenausbildung in Amerika und Deutschland könnte unterschiedlicher kaum sein – mit erheblichen Konsequenzen. Ein persönlicher Vergleich.

          Am Eingang des Jamail Center for Legal Research, der rechtswissenschaftlichen Fachbibliothek an der University of Texas at Austin (UT) hing früher ein Ölgemälde, das den legendären texanischen Anwalt Joe Jamail beim Golfspielen darstellt. In Jamails Hand funkelt ein Highball. Nicht von ungefähr trägt die Law Library der UT Law School seinen Namen – das Porträt und die Benennung nach ihm waren vielmehr die Gegenleistung für eine Spende von Jamail, der in seiner Karriere Schadenersatzsummen von ungefähr 13 Milliarden US-Dollar erstritten hat.

          Und was für eine Bibliothek das ist! Auf einer Fläche von fast 9000 Quadratmetern bietet sie unzählige bequeme Sitzgelegenheiten und schnelles W-Lan. Am imposantesten aber sind die weiteren Alumni-Schenkungen, die an den Wänden hängen: Originale von Meistern der Hochmoderne, alte Radierungen sowie Ölporträts von britischen Monarchen und Juristen. In einer Vitrine ist sogar das schwarze Tuch (the „black cap“) zu sehen, das ein englischer Richter einst bei der Verhängung der Todesstrafe trug. Die Rechtsbibliothek der UT verfügt über 1190000 Bücher und andere Medien. Zum Vergleich: der Gesamtbestand der Universitäts- und Landesbibliothek von Nordrhein-Westfalen ist gerade einmal doppelt so groß.

          Die Law School hat also sehr viel Geld. Dieses Geld stammt hauptsächlich aus drei Quellen: erstens Ländereien (sogenannte „land grants“), die der UT im 19. Jahrhundert vom texanischen Repräsentantenhaus geschenkt wurden. Hinzu kommen die Spenden der bereits erwähnten Alumni. Je nach Größe der Spende kann die Gegenleistung im Umbenennen eines Lehrstuhls, eines Gebäudes oder der gesamten Fakultät bestehen, wie das zum Beispiel bei dem James E. Rogers College of Law an der University of Arizona der Fall war. Die letzte Geldquelle sind schließlich die Studiengebühren: Derzeit kostet die UT Law School für Studenten aus Texas 35715 Dollar im Jahr. Jura-Professoren in den Vereinigten Staaten verdienen denn auch ein Vielfaches von dem, was ihre deutschen Kollegen bekommen. Selbst staatliche Law Schools wie die UT sind keineswegs an eine strenge Gehaltsskala gebunden. Mit jährlich durchschnittlich 104 910 Dollar verdienen die Rechtswissenschaftler unter allen Fachrichtungen am meisten.

          Die im Vergleich zu Deutschland ungleich bessere Ausstattung ist sicher der erste Unterschied zwischen deutschen rechtswissenschaftlichen Fakultäten und amerikanischen Law Schools, der ins Auge fällt. Aber auch das Profil der Studenten ist ein anderes. Ein Jurastudium in den Vereinigten Staaten ist ein sogenanntes Graduate Program, also im Grunde ein Aufbaustudium; Bewerber müssen schon einen Bachelorabschluss erworben haben. Das wiederum bedeutet, dass sie mindestens vier Jahre Studium und einen Abschluss mit sehr guten Noten vorweisen müssen, um überhaupt zugelassen zu werden. Hinzu kommt der sogenannte Law School Admissions Test (LSAT), eine anonyme, unter Zeitdruck zu schreibende Klausur, die eine objektive Bewertung der angehenden Juristen zulässt. Da gute Noten bei der Scholastic Aptitude Test (SAT) schon Voraussetzung für die Aufnahme des Bachelorstudiums sind, haben die Kandidaten bereits einschlägige Test-Erfahrungen gesammelt. Diese Tests sind umstritten: Spötter meinen, dass sie in erster Linie die Fähigkeit messen, bei Prüfungen gut abzuschneiden. Immerhin besteht aber ein messbarer Zusammenhang zwischen der Leistung in SAT/LSAT und späterem Erfolg im Studium.

          In Amerika gibt es etwa 200 anerkannte Law Schools; sie sind Gegenstand der (umstrittenen, aber einflussreichen) Rankings der amerikanischen Zeitschrift „U.S. News & World Report“. Die „Top 10“ dürften international bekannt sein. Die „Top 11-50“ gelten als solide Fakultäten, die aber meistens einen lediglich regionalen Ruf genießen. Von den folgenden Jura-Fakultäten bieten viele ein hervorragendes Studium an, aber ihre Strahlkraft ist noch geringer als die der „Top 20–50“. Auch das Kursangebot hängt vom Ranking ab. Je weiter unten, desto stärker orientiert sich das Kursangebot an der Vorbereitung auf die lokale Zulassungsprüfung zur Anwaltskammer, das Bar Exam (das von der Anwaltskammer, nicht vom Staat, veranstaltet wird). Nach Bestehen des Bar Exam darf der Anwalt sofort berufstätig werden. Ein Referendariat gibt es nicht.

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