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Verfahrensgrundsätze : Harvard löst Kontroverse um Weinstein-Anwalt aus

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Harvey Weinstein beim Verlassen des New Yorker Supreme Court, 25. April 2019 Bild: AFP

Erst vor wenigen Wochen ist der Prozess gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein auf September verschoben worden. Doch das Verfahren, in dem die Vorwürfe ...

          Erst vor wenigen Wochen ist der Prozess gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein auf September verschoben worden. Doch das Verfahren, in dem die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung gegen den 67 Jahre alten Weinstein von einem Gericht in New York geklärt werden sollen, sorgt im Vorfeld wiederholt für Kontroversen. Diesmal steht nicht der Beschuldigte im Mittelpunkt, sondern ein Anwalt: Roland Sullivan, der erst im Januar zum Team der Strafverteidiger dazukam und im Hauptberuf Rechtsprofessor an der renommierten Harvard-Universität ist. Dort lehrt Sullivan Strafrecht und steht dem Winthrop House, einem der Studentenwohnheime, als erster Afroamerikaner überhaupt in der langen Geschichte von Harvard als Dekan vor. Diesen Posten wird er auf Weisung der Universität und nach langen Protesten seiner Studenten vom 30. Juni an nicht mehr ausüben. Für viele Harvard-Studenten war es unvorstellbar, dass Sullivan sie während des Studiums betreuen und in Konflikten beraten und gleichzeitig als Strafverteidiger einen mutmaßlichen Vergewaltiger vertreten sollte. „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Situation im Haus unhaltbar ist“, schrieb der Dekan des Harvard College in einer E-Mail an alle Bewohner und Mitarbeiter des Winthrop House, in der er mitteilte, dass die Amtszeit von Sullivan und dessen Ehefrau Stephanie Robinson als Ko-Dekanin zum Ende ihrer Amtszeit Ende Juni nicht verlängert werde.

          Der Fall hat über die Vereinigten Staaten hinaus die Debatte zum „fair Trial“ angeregt. Auch in Deutschland gilt der Rechtsgrundsatz, dass jeder Beschuldigter das Recht auf einen Strafverteidiger hat. Und auch hierzulande gibt es Rechtsprofessoren, die nebenberuflich als Anwälte in Wirtschaftsstrafsachen vor Gericht auftreten. Der geschasste Dekan selbst beugte sich mittlerweile dem öffentlichen Druck. Sullivan erklärte vergangene Woche, dass die Vertretung derjenigen, die wegen sexueller Übergriffe angeklagt seien, nicht seiner persönlichen Meinung in diesem Thema entspreche. Er werde Weinstein nicht mehr vor Gericht vertreten, den übrigen Strafverteidigern aber als Berater weiter zur Verfügung stehen.

          mj.

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