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F.A.Z. exklusiv : Viele Selbständige schmeißen hin

Frauen sind häufiger in Branchen wie der Gastronomie selbständig, die von der Corona-Krise stark betroffen waren. Bild: dpa

Vor allem viele Frauen haben in der Corona-Krise ihre Selbstständigkeit aufgegeben. DIW-Forscher Kritikos meint: Selbständige Frauen verzeichneten im Frühjahr 2020 häufiger starke Einkommensverluste als Männer.

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          Ob Gastronomen, Einzelhändler oder Kulturschaffende: Die Corona-Krise hat die vier Millionen Selbständigen in Deutschland hart getroffen. Im Frühjahr vergangenen Jahres erlitten sie teils kräftige Umsatz- und Einkommensverluste – und die Soforthilfen der Bundesregierung empfanden viele von ihnen als unzureichend. Eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht nun der Frage nach, welche Folgen das hatte. Das Ergebnis: Viel mehr Selbständige als in früheren Jahren – und dabei insbesondere Frauen – haben in der Krise aufgegeben.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Analyse beruht auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), einer großen Langzeit-Haushaltsbefragung, sowie einer Corona-Sonderbefragung. Dabei zeigt sich, dass die Beschäftigungsverhältnisse bis zum Ausbruch der Pandemie recht stabil waren: 2019 waren 85 Prozent der Selbständigen aus dem Vorjahr auch weiterhin selbständig. Dieses Bild ändert sich jedoch mit Beginn der Corona-Krise.

          Im Jahr 2020 waren nur noch 74 Prozent der Selbständigen aus dem Vorjahr weiterhin selbständig tätig – also knapp drei Viertel. 11 Prozent wechselten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 15 Prozent gaben die Selbständigkeit auf, ohne eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu beginnen. Im Grundsatz setzte sich diese Entwicklung Anfang 2021 fort, jedoch mit deutlichen Geschlechterunterschieden: 80 Prozent der zu Beginn der Pandemie selbständigen Männer waren weiter in dieser Erwerbsform, aber nur 68 Prozent der Frauen, die ein Drittel aller Selbständigen ausmachen.

          DIW-Forscher Alexander Kritikos sieht dafür einen klaren Grund. „Es liegt nicht daran, dass Frauen schneller aufgeben oder weniger überlebensfähig sind“, sagte er der F.A.Z. „Frauen arbeiten schlicht häufiger in Branchen wie dem Gastgewerbe, der Hotellerie oder dem Handel, die von den Eindämmungsmaßnahmen besonders stark betroffen waren.“ Tatsächlich konnte Kritikos mit Kollegen in einer früheren Analyse nachweisen, dass selbständige Frauen im Frühjahr 2020 häufiger starke Einkommensverluste verzeichneten als Männer und dann auch substanziell häufiger Depressions- und Angstsymptome zeigten.

          Für den Forscher belegen die Daten, dass die Bundesregierung Selbständigen in der Corona-Krise nicht konsequent genug geholfen habe. Vor allem viele Soloselbständige profitierten nicht von den Soforthilfen, weil sie kaum berufliche Fixkosten haben – doch nur dafür waren die Zuschüsse gedacht. Das änderte sich erst mit der „Neustarthilfe“, einer einmaligen Zahlung von 7500 Euro. „Ich fürchte, diese Hilfe kam zu spät“, sagt Kritikos. „Die Regierung hätte früher, schneller und verbindlicher helfen müssen.“ Auch der frühere Vorsitzende des Sachverständigenrats, Lars Feld, hatte die deuschen Hilfen als „nicht systematisch“ kritisiert. Die Folge: Laut Bundesagentur für Arbeit haben 132.000 Selbständige zwischen April 2020 und Juni 2021 die Grundsicherung Hartz IV beantragt.

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