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Apple und Netflix : Tech-Konzerne greifen in der Belegschaft durch

MeToo-Proteste inspirieren Angestellte von Tech-Konzernen. Bild: imago/ZUMA Press

Apple und Netflix haben Mitarbeiter im Zusammenhang mit Informationslecks entlassen. Aber die Personen waren noch aus anderen Gründen unbequem.

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          Apple und Netflix sehen sich in diesen Tagen lautstarker Kritik aus den Reihen ihrer Belegschaften gegenüber – und beide Unternehmen haben jetzt in diesem Zusammenhang Mitarbeiter entlassen. Im Falle des iPhone-Herstellers handelte es sich um eine der Anführerinnen einer kürzlich ins Leben gerufenen innerbetrieblichen Protestgruppe mit dem Namen „#AppleToo“, die Missstände im Unternehmen anprangert. Netflix trennte sich von einer Person, die einem Medienbericht zufolge zu den Organisatoren eines für diese Woche geplanten Streiks zählt. Jenseits ihrer Aktivistenrollen wurden die fraglichen Mitarbeiter offenbar in beiden Fällen verdächtigt, unternehmensinterne Informationen an die Öffentlichkeit gegeben zu haben.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die beiden Entlassungen liefern weitere Beispiele dafür, dass große amerikanische Technologiekonzerne sich zunehmend mit Unruhe in ihrem eigenen Personal auseinandersetzen müssen. Auch anderswo gab es zuletzt verstärkt innerbetriebliche Protestbewegungen. Mitarbeiter von Google gründeten in diesem Jahr sogar eine eigene Gewerkschaft, was in der Branche sehr ungewöhnlich ist. Zuvor gab es schon eine weniger formelle Gruppe von Google-Beschäftigten. Sie hat vor einiger Zeit einen größeren Streik von Mitarbeitern organisiert.

          Rassismus, Sexismus, Diskriminierung

          Die AppleToo-Bewegung wirft ihrem Arbeitgeber ein „hartnäckiges Muster“ an Ungleichbehandlung vor, das sich in Rassismus, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung äußere. Apples Kultur der Geheimhaltung schaffe für diese benachteiligten Gruppen „eine undurchsichtige, einschüchternde Festung“, heißt es auf der Internetseite der Gruppe. Die jetzt entlassene Mitarbeiterin ist Janneke Parrish, eine Managerin für Landkartendienste, die für AppleToo anonyme Erfahrungsberichte von Mitarbeitern gesammelt und veröffentlicht hat. Wie sie amerikanischen Medien sagte, sei sie im Zusammenhang mit einer internen Untersuchung entlassen worden, die sich darum gedreht habe, ob sie die Quelle für pu­blik gemachte Informationen aus einer Mitarbeiterversammlung mit Vorstandschef Tim Cook im September gewesen sei. Cook äußerte sich hinterher in einer internen E-Mail an die Belegschaft verärgert über das Leck und sagte, wer vertrauliche Informationen weitergebe, gehöre nicht ins Unternehmen, und Apple tue „alles in unserer Macht Stehende“, um solche Personen zu identifizieren. Parrish bestreitet, die Informationen weitergegeben zu haben. Wie die Branchenpublikation The Verge schreibt, mutmaßen einige Mitarbeiter, Parrish habe wegen ihrer AppleToo-Aktivitäten gehen müssen.

          Im Falle von Netflix hat die Kündigung ebenfalls mit Informationslecks zu tun, und offenbar gibt es einen Zusammenhang mit der Kontroverse um eine kürzlich veröffentlichte Comedy-Show mit Dave Chappelle. Teile dieser Show wurden von manchen Zuschauern und von Teilen der Netflix-Belegschaft als beleidigend gegenüber Transpersonen gewertet. Es gab Forderungen, die Sendung aus dem Programm zu nehmen, und eine Gruppe von Netflix-Mitarbeitern hat für diesen Mittwoch zu einem Streik aufgerufen. Netflix hat die jetzt entlassene Person nicht identifiziert, nach Angaben von The Verge handelt es sich um jemanden der Organisatoren des Streiks. Netflix selbst hat die Kündigung damit begründet, die betreffende Person habe vertrauliche Daten weitergegeben, was sich offenbar auf Finanzinformationen über die Comedy-Show bezog, die in der vergangenen Woche von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlicht wurden. Der Videodienst mutmaßte, die Person habe dies womöglich „aus Enttäuschung“ über ihr Unternehmen getan, aber es sei wichtig, „eine Kultur des Vertrauens“ zu erhalten.

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