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Albtraum für Prüflinge : 871 Studenten müssen Klausur im Jura-Examen nachschreiben

Abschlussprüfungen in der Pandemie finden nur unter Einhaltung von Abstandsregeln statt. In Deutschland werden dafür Museen oder Turnhallen angemietet. Bild: dpa

Eine Unaufmerksamkeit holt Hunderte Jura-Studenten in Baden-Württemberg wieder in den Prüfungsalltag zurück. Sie müssen im April eine Nachklausur schreiben – die Petitionen an Justizminister Guido Wolf werden keinen Erfolg haben.

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          Es ist der GAU für 871 Studenten in Baden-Württemberg, die Anfang März den schriftlichen Teil im Ersten Juristischen Staatsexamen abgelegt haben. Anfang dieser Woche kündigte das Landesjustizprüfungsamt (LJPA) in Stuttgart an, dass sie wegen einer Prüfungspanne eine Klausur im Strafrecht noch einmal schreiben müssen. Nachträglich seien Umstände bekannt geworden, nach denen man davon ausgehen müsse, dass einem nicht mehr eingrenzbaren Teil von Prüflingen schon drei Tage vor der Strafrechtsklausur am 4. März Teile der Aufgabenstellung bekannt waren. Aus Gründen der „Chancengleichheit“ sehe man keine andere Möglichkeit, heißt es in einer E-Mail des LJPA, die fleißig auf Facebook und Twitter geteilt wurde.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ebendort und in zwei Petitionen machen betroffene Prüflinge ihrem Unmut jetzt Luft. Sie fordern Beweise für den angeblichen Betrugsversuch und bitten Justizminister Guido Wolf (CDU), einst selbst Jura-Student in Konstanz, von der „immensen psychischen Belastung“ einer Nachklausur abzusehen. Denn laut Prüfungsordnung hat das LJPA einen Ermessensspielraum, wie es mit Verfahrensfehlern im Staatsexamen umgeht.

          Aufsicht teilt falsche Aufgabe aus

          Examenskandidaten schildern, dass am 1. März bei einer Prüfung in Konstanz in Öffentlichem Recht aus Versehen der falsche Klausurtext ausgeteilt worden sei – der für die Strafrechtsprüfung am 4. März angedacht war. Von 75 Aufgabenblättern seien aber nur 74 wieder eingesammelt worden. Trotzdem fand die Strafrechtsklausur drei Tage später tatsächlich statt.

          Nun fragen erboste Studenten, warum sie für einen Fehler einer Aufsichtsperson büßen sollen. Im Justizministerium bedauert man den Vorfall. Noch am Montag, dem 1. März, sei aus Konstanz mitgeteilt worden, dass dreimal nachgezählt worden sei und kein Aufgabenblatt gefehlt habe. Deswegen habe das LJPA entschieden, dass die Klausur nicht ausgetauscht werden muss, schreibt ein Sprecher auf eine Anfrage der F.A.Z. Erst am 10. März sei durch Hinweis eines Dritten aus einer anderen Stadt in Baden-Württemberg bekannt geworden, dass in Konstanz ein Exemplar gefehlt habe und der Aufsicht einige Minuten später durch einen Prüfling übergeben worden war.

          Auf ihr juristisches Staatsexaminen bereiten sich viele Studenten bis zu anderthalb Jahre vor. Die  schriftliche Prüfungsphase ist für die Kandidaten auch eine körperliche Belastungsphase.
          Auf ihr juristisches Staatsexaminen bereiten sich viele Studenten bis zu anderthalb Jahre vor. Die schriftliche Prüfungsphase ist für die Kandidaten auch eine körperliche Belastungsphase. : Bild: Bergmann, Wonge

          Prüfungsamt zieht die Notbremse

          Die Sache wurde Stuttgart dann zu heiß, man musste die Notbremse ziehen und einen Termin für eine Nachklausur ansetzen. Egal, wie groß der Zuspruch für die Petitionen der Studenten ist, sie müssen voraussichtlich Mitte April noch einmal eine fünfstündige Prüfung hinter sich bringen.

          Der „Strafrechtsmittwoch“, so nennen Jura-Studenten in Baden-Württemberg den freien Tag vor ihrer letzten Klausur, an dem sie sich möglichst viel Wissen in ihr Kurzzeitgedächtnis hineinpauken, fällt diesmal aus. Stattdessen: Fast vier Wochen konzentriertes Lernen. Wer im Strafrecht bislang „auf Lücke“ gesetzt hat, dürfte sich nun sogar über die Panne freuen.

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