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„Berliner Raser-Fall“ : Nüchtern und sorgfältig

Der vierte Strafsenat beim Bundesgerichtshof, l-r Martin Bender, Burkhard Feilcke, Beate Sost-Scheible (Vorsitz), Ellen Roggenbuck und Andreas Quentin, verkündet das Urteil zur Verhandlung über das Mord-Urteil gegen Berliner Autoraser. Bild: dpa

Im „Berliner Raser-Fall“ wirkt die Justiz vielleicht übertrieben penibel und pingelig. Doch über Schuld und Unschuld muss mit einem Maß an Nüchternheit und Sorgfalt entschieden wird, das im öffentlichen Diskurs so oft und schmerzlich fehlt.

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          Wenn je ein Strafverfahren wie geschaffen war, das Bauchgefühl weiter Teile der Bevölkerung gegen die feinsinnigen Unterscheidungen der Justiz in Stellung zu bringen, dann ist es der „Berliner Raser-Fall“. Das scheint sich auch förmlich aufzudrängen: Zwei üppig vorbestrafte junge Männer donnern bei einem spontanen Autorennen mit bis zu 170 Stundenkilometern durch die Berliner Innenstadt und über etliche rote Ampeln; sie haben den tödlichen Ausgang ihres Tuns als Möglichkeit erkannt und in Kauf genommen.

          Dass dieses Verfahren für den einen Angeklagten erst nach viereinhalb Jahren und zwei Urteilen des Bundesgerichtshofs am Ende angelangt ist und für den anderen sogar noch weitergeht, hat dennoch nichts mit juristischen Fingerübungen oder einer künstlichen Verunklarung des Offenkundigen zu tun. Denn auf den zweiten Blick ist es gar nicht mehr so selbstverständlich, dass ein Raser, um ein Rennen zu gewinnen, bereit sein sollte, einen Unfall in Kauf zu nehmen, der diesen Sieg doch sicher vereiteln würde – und der nicht nur das Leben anderer kosten kann, sondern ebenso das eigene.

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