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Demonstrationen : „Burma wird von China extrem ausgebeutet“

Jeden Tag Proteste in Burma. Das bereitet China immer größere Sorge Bild: dpa

Die zunehmenden Demonstrationen in Burma werden zum Risiko für China, das gerade Gas, Edelsteine und Tropenholz begehrt. Und tausende Chinesen strömen über die Grenze, um in Spielcasinos und Bordellen ihr Glück zu suchen.

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          Der Protest gegen die Militärdiktatur in Burma nimmt zu. Am gestrigen Montag sollen zwischen 30.000 und 100.000 Menschen in Rangun auf die Straße gegangen sein. Seit mehr als einer Woche ziehen in der früheren Regierungsstadt Mönche und Nonnen in einem täglichen Protestzug durch die Straßen. Hatte sich ursprünglich der Protest nur gegen die steigenden Gaspreise und die hohen Preise für Lebensmittel gerichtet, weitet er sich zu einem allgemeinen Protest aus.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das hat zunehmenden Einfluss auf die Versorgung Chinas mit Bodenschätzen. Das einst reichste Land Südostasiens wird mit Zustimmung der Militärjunta zu weiten Teilen von China beherrscht. Stürzte die Junta, drohte die Rohstoffpolitik der Volksrepublik einen ihrer Pfeiler zu verlieren. Verteidigt das Militär seine Stellung aber mit Gewalt, würde dies in der westlichen Welt auch auf Chinas Interessen in Burma zurückgeführt – zum Schaden der Volksrepublik.

          China füllt das Vakuum

          Offiziell unterliegt Burma einem Embargo der westlichen Staaten. Zugleich aber investieren einige von ihnen in die Öl- und Gasindustrie, andere über ausländische Tochtergesellschaften in Industriebereiche. Automobile westlicher Hersteller und auch Maschinen werden in der Regel über China nach Burma transportiert. Gleichwohl ist in Burma seit Jahren ein Vakuum entstanden, das China mit großer Macht füllte. So wird im rohstoffreichen Norden in den von Chinesen gebauten Schulen Mandarin als erste Sprache unterrichtet. Die offizielle Uhrzeit dort ist die Zeit in Peking, nicht diejenige Ranguns.

          Die Militärjunta, aber auch die Milizenführer der einzelnen Provinzen haben guten Kontakt zu den Chinesen. Sie profitieren von Schwarzgeldern, die in Burma gewaschen werden. Tausende Chinesen strömen über die chinesisch-burmesische Grenze, um in Spielcasinos und Bordellen ihr Glück zu suchen. „Das Land wird von China extrem ausgebeutet, es ist quasi zu einer chinesischen Provinz verkommen“, sagt ein Diplomat in Rangun.

          Traum vom wichtigen Energielieferanten

          „Burmas Bedeutung für China wächst stetig und rasch. Denn China nutzt sein Nachbarland als Rohstoffquelle und als Zugang zum Indischen Ozean, den es selber nicht besitzt“, sagt die Burma-Expertin Marie Lall im Gespräch mit der F.A.Z., die an der Universität London zu Südasien forscht. Schon als britische Kolonie war Burma ein bedeutendes Rohstoffland. Vor allem Holz und Edelsteine interessierte die Kolonialherren. Seit 1962 haben die Militärs in Burma die Macht übernommen und führen das Land unter Chinas stillschweigender Zustimmung mit äußerster Brutalität. Im Gegenzug bauen chinesische Unternehmen im Nachbarland Tropenhölzer, Jade und Gold ab, legen riesige Monokultur-Plantagen an, auf denen die Burmesen arbeiten, und bauen die ihnen nützliche Infrastruktur aus. „Die neuen Straßen im Norden werden von chinesischen Arbeitern gebaut und von China finanziert. Das wiederum macht Indien nervös, da dies ganz nahe an der indischen Grenze Burmas geschieht“, sagt Lall.

          Von besonderer Bedeutung aber sind die Gasvorkommen entlang Burmas Küste. U Soe Myint, Generaldirektor im burmesischen Energieministerium erklärte gerade in Singapur: „Unser Traum ist es, ein wichtiger Energielieferant für die gesamte Region zu werden.“ Die seit mehr als einer Dekade geplante Gaspipeline zwischen den Feldern an der burmesischen Küste und der chinesischen Provinz Yunnan werde nun in Angriff genommen. Sie ist ein Baustein für die von Peking geplante Entwicklung des unterversorgten Westens Chinas. Der Ölkonzern BP geht davon aus, dass Burma erschlossene Gasreserven von mindestens 500 Milliarden Kubikmetern hat. Andere sprechen davon, Burma verfüge insgesamt über die dreifache Menge. Nach Auskunft von U Soe Myint hat Burma bislang 28 Verträge zum Abbau von Gas auf See an 16 ausländische Unternehmen vergeben – neben Chinesen darunter auch Australier, Inder und Malaysier. Am Montag erklärte der staatliche indische Ölkonzern ONGC, er wolle 150 Millionen Dollar in die Gasfelder vor Burmas Küste investieren.

          In Myanmar umgetauft

          Burma, das die Generäle in Myanmar umgetauft haben, kommt eine enorme geostrategische Bedeutung für die Region zu. So bieten die Generäle, die auch Waffen aus China beziehen, dem großen Nachbarn den einzigen Zugang zum Golf von Bengalen und damit in den indischen Ozean. Davon profitiert China in doppelter Hinsicht: Zum einen gelangt es so in den Vorhof Indiens, der anderen großen Regionalmacht. Zum anderen will Peking durch den Ausbau des burmesischen Tiefseehafens Kyau Phyu arabisches Öl nach China pumpen. Damit würde es nicht länger auf die Tankertransporte durch die Malacca-Straße angewiesen sein. Bislang müssen alle Schiffstransporte von und nach Nordasien diese Meerenge passieren. Doch heißt es, die Amerikaner könnten im Ernstfall eines Angriffs Chinas auf Taiwan den an seiner schmalsten Stelle gerade einmal 2,8 Kilometer breiten Seeweg sperren.

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