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Burma : Mönche führen Massenprotest gegen Militärjunta an

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Burmas Militärjunta unter Druck: Buddhistische Mönche vor der Shwedagon-Pagode Bild: dpa

Es war die größte Kundgebung im südostasiatischen Land seit der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung vor zwei Jahrzehnten. Angeführt von buddhistischen Mönchen protestieren Zehntausende in Rangun. Noch halten sich die Sicherheitskräfte zurück.

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          Der Protest gegen die Militärjunta in Burma weitet sich immer mehr aus: Am Montag zogen bis zu hunderttausend Demonstranten durch Rangun. Es war die größte Kundgebung im südostasiatischen Land seit der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988.

          Angeführt von 20.000 buddhistischen Mönchen zogen die Oppositionellen von der Shwedagon-Pagode über den früheren Universitäts-Campus, einst eine Hochburg des Widerstands gegen die Militärregierung, hin zum Verteidigungsministerium. Erstmals waren bei dem Protest am Montag auch Studenten sichtbar präsent, die Opposition wird von den im Land hoch angesehen Mönchen angeführt. Die normalerweise mit harter Hand gegen Demonstranten vorgehende Junta beschränkte sich auf minimale Sicherheitsvorkehrungen.

          Bush will „brutales Regime“ zum Thema machen

          Analysten und Diplomaten führten die unerwartete Zurückhaltung auf den Druck Chinas zurück, des wichtigsten Verbündeten. Washington übte scharfe Kritik an dem Regime. Präsident George W. Bush werde die „Brutalität“ der Regierung bei seinen Treffen am Rande der UN-Vollversammlung in New York zum Thema machen, kündigte Außenministerin Condoleezza Rice an.

          Zu Tausenden ziehen die Menschen durch die Straßen von Rangun

          Die Mönche forderten die Burmesen auf, sich an den Protesten am Montag zu beteiligen. Die Menge schwoll auf dem Weg durch Rangun nach Angaben von Mönchen und Aktivisten auf 100.000 Menschen an, wobei eine Schätzung für Beobachter schwierig war. Auch in der Stadt Mandalay demonstrierten 500 bis 600 Mönche.

          In der Nacht harrten Hunderte Mönche vor der Shwedagon-Pagode aus, dem wichtigsten buddhistischen Heiligtum des Landes. Sie wurden von der Bevölkerung, darunter zwei prominenten Schauspieler, mit Lebensmitteln und Wasser versorgt. Die Proteste der Mönche dauern bereits seit sieben Tagen an. „Wir sind alle Buddhisten“, sagte der Schauspieler Kyaw Thu. „Wir werden alles für die Versorgung der Mönche tun.“ Die Mönche protestierten im Namen des Volkes, sagte er.

          Kontakt mit der Oppositionsführerin im Hausarrest

          Schon am Wochenende hatten Zehntausende Menschen zusammen mit den Mönchen in Rangun demonstriert und dabei auch ihre Unterstützung für Oppositionsführerin Aung Sam Suu Kyi bekundet. Am Samstag waren dabei Demonstranten vor dem für gewöhnlich abgesperrten Haus von Frau Suu Kyi vorbeizogen.

          Dabei ließen die Sicherheitskräfte zur Überraschung von Beobachtern eine kurze Kontaktaufnahme zwischen den demonstrierenden Mönchen und der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin zu. Als diese aus der Haustür und grüßte die Mönche. Mit einem der Anführer führte sie ein kurzes Gespräch.

          Aung San Suu Kyi, deren Wahlsieg im Jahr 1990 von den Generälen nie akzeptiert wurde und die wenig später den Friedensnobelpreis erhielt, verbrachte elf der vergangenen 17 Jahre in Hausarrest. Sie gilt unverändert als die Hoffnungsträgerin der unterdrückten Demokratiebewegung. Zuletzt war das Haus von Frau Suu Kyi wieder weiträumig abgeriegelt.

          Die Mönche zogen auch vor die chinesische Botschaft. China und Indien unterstützen die Junta. Jene Demokratieaktivisten, die die Sanktionen des Westens gegen Burma befürworten, machen vor allen China dafür verantwortlich, dass die Isolationspolitik der vergangenen Jahrzehnte nicht verfangen hat. Burma wird seit 1962 von Generälen regiert.

          Heikle Lage für das Militär

          Dass die Sicherheitskräfte bislang kaum eingegriffen haben, erklären sich internationale Beobachter mit der heiklen Lage der Militärregierung. Mönche werden im mehrheitlich buddhistischen Burma verehrt, und obwohl sie in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Generäle Stellung bezogen haben, genießen sie auch bei der Junta Respekt.

          Ein gewaltsames Eingreifen berge die Gefahr, dass sich die Proteste in einen Massenaufstand verwandeln, heißt es unter Burma-Kennern in Bangkok. Gleichwohl wird nicht ausgeschlossen, dass sich das Kalkül der Junta jederzeit ändert und der Straßenprotest gewaltsam unterbunden werden könnte. 1988 hatte die Militärregierung die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen.

          Druck aus Peking

          China übt nach Darstellung eines südostasiatischen Diplomaten als wichtigster Wirtschaftspartner Burmas starken Druck auf Rangun aus, vor den Olympischen Spielen im kommenden Jahr Konfrontationen zu vermeiden. „Jeder weiß, dass China der größte Unterstützer der Junta ist“, sagte der Diplomat. „Wenn die Militärregierung nun irgendwas unternimmt, wird das auch das Image von China beschädigen.“

          China zählt auf die großen Öl- und Gasvorkommen Burmas zur Versorgung seiner boomenden Wirtschaft. In diesem Jahr blockierte Peking eine Sicherheitsratsresolution, in der die Menschenrechtslage in Burma kritisiert werden sollte. Zugleich übte Peking in stiller Diplomatie Druck auf die Junta aus, einen Dialog für demokratische Reformen aufzunehmen.

          Die Protestbewegung begann am 19. August mit einer Demonstration gegen eine Erhöhung der Benzinpreise. Mit den Protestmärschen der Mönche, die in der traditionellen birmanischen Gesellschaft große Hochachtung genießen, gewann die Bewegung in der vergangenen Woche zusätzliche Brisanz.

          UN besorgt

          Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Burma, Gambari, hatte Anfang September vor dem Sicherheitsrat „große Besorgnis“ über die Lage in dem südostasiatischen Land geäußert und die Staatengemeinschaft aufgefordert, „die Bemühungen zu verstärken, um Lösungen für die Herausforderungen zu finden, vor denen das Land steht“. Gambari plant, Mitte Oktober nach Burma zu reisen, hat aber bisher keine Einreiseerlaubnis der Junta erhalten.

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