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Bewerber für Trump-Nachfolge : Beto beim Bier

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Zeltplane mit Lampions: Präsidentschaftskandidat Beto O’Rourke spricht vor seinen Anhängern im Innenhof eines Biergartens in Brooklyn. Bild: EPA

Die Bewerber um die demokratische Präsidentschaftskandidatur touren seit Wochen durchs Land. Beto O’Rourke, der in den Umfragen weit hinten liegt, machte sich und seinen Fans in einem New Yorker Biergarten Mut.

          Montagabend, nach dem großen Regen, kommt der Texaner Beto O'Rourke nach Brooklyn, um Spenden zu sammeln. „Wir legen los, trotz des Wetters!“ versichert kurz vorher noch eine Rundmail vom Kampagnen-Manager. Falls jemand wegen des Gewittersturms gar ans Aufgeben gedacht hatte. „The Well“ in Bushwick ist einer dieser Biergärten mit Konzertraum drinnen, auf die sich viele Menschen einigen können. Hier müssen sie nicht cooler sein als sie sind, können auch in Flip Flops oder Bürohemd kommen. Nein, O'Rourke hat sich keinen Hipster-Treff ausgesucht. Im Innenhof warten unter einer Zeltplane mit Lampions um die hundert Menschen auf ihn. Das mag am Wetter liegen, oder daran, dass man ein eher intimes Event geplant hat. Nach dem Texaner, der Präsidentschaftskandidat werden will, sollen mehrere Bands spielen. Alles ganz entspannt, auf kleiner Bühne wie beim Stadtfest.

          Der 46 Jahre alte Politiker lässt die Fans nicht warten, das ist nicht sein Stil. Er kommt mit diesem federnden Schritt auf die Bühne, den manche so jugendlich finden. Jung wirkt er tatsächlich, ungekünstelt auch. „Brooklyn, wie fühlt ihr euch?“ ruft O'Rourke, boxt zweimal kurz spielerisch in die Luft und sagt dann, an die alte Freundin gerichtet, die ihn angekündigt hat: „Wahre Geschichte: Ich weiß nicht, ob sich Rachel daran erinnert, aber wir hatten eine gemeinsame Freundin, deren Mitbewohnerin irgendwie richtig gut befreundet war mit Dee Dee Ramone.“ Ein paar Leute geben verzückte Laute von sich. „Und ich erinnere mich daran, dass ich 19 oder 20 Jahre alt war und in einem Wohnheim des Barnard (Frauen-) College den 50. Geburtstag von Dee Dee Ramone feierte.“

          Die Anekdote über den Punkrock-Star war O'Rourkes Begrüßung. Definitiv die passende Geschichte für Brooklyn, mag er sich gedacht haben. Schließlich habe er hier auch mal gewohnt, zu Uni-Zeiten. Dann legt der ehemalige Abgeordnete los, spricht zwanzig Minuten frei über Donald Trumps Rassismus, das Gesundheitssystem, die großen Herausforderungen durch den Klimawandel.

          Und darüber, dass man die Menschen auf dem Land nicht vergessen dürfe, auch nicht dort, wo alles „tief rot“, also republikanisch, sei. „Das sind Orte, und ich hoffe, dass ihr da bei mir seid, die genauso unseren Respekt verdienen, denen man genauso zuhören muss wie den Demokraten-Hochburgen“, sagt O'Rourke.

          „Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel sagen, meine Eltern und Großeltern waren da für uns. Als alles auf dem Spiel stand, da haben sie gehandelt und das Ruder herumgedreht“, sagt O'Rourke zum Thema Klimawandel. „Wir brauchen eine Wirtschaft, die endlich für alle funktioniert, nicht nur für einige wenige“, fordert er zum Thema Sozialpolitik. „Wir müssen sofort aufhören, Kinder in Käfige zu sperren“, zur Migration.

          Auch beim Thema Krankenversicherung, das dieser Tage von den Kandidaten sehr detailliert diskutiert wird, bleibt O'Rourke allgemein. Man dürfe nicht ruhen, bevor alle Amerikaner eine bezahlbare Krankenversicherung hätten. Das ist der Minimalkonsens der Debatte bei den Demokraten, die sich zur Zeit um „Medicare for All“ und die Frage der Abschaffung privater Versicherungen dreht. O'Rourke positioniert sich abermals nicht eindeutig. Er ist hauptsächlich hier, um die, die schon für ihn sind, zu motivieren.

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