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Delfter Maler Pieter de Hooch : In seiner Welt steht die Zeit still

Der Glanz des bürgerlichen Lebens vor vierhundert Jahren: Pieter de Hoochs „Die Mutter“ aus der Berliner Gemäldegalerie Bild: SMB/Jörg P. Anders

Lange Zeit stand er im Schatten Vermeers, jetzt können wir seine meisterhaften Stadtbilder und Innenräume neu entdecken: Das Museum Prinsenhof in Delft zeigt das Lebenswerk des niederländischen Barockmalers Pieter de Hooch.

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          Eine Frau und ein Kind in einem Hinterhof. Eine Frau und ein Kind im Schlafzimmer. Ein Frau beim Entlausen eines Mädchens. Zwei Frauen und ein Mann vor einem Haus. Eine Familie in ihrem Salon. Zwei Männer beim Kartenspiel. Eine Frau mit einem Bierglas. Eine Frau mit Eimer und Besen. Eine Frau mit einem Korb.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die Welt des Malers Pieter de Hooch ist so eng, dass die Zeit darin stillsteht. Man sieht den Besen, aber man hört kein Fegegeräusch. Kein Schuh klappert, kein Blatt rauscht im Wind. Die Dienstmagd im Hintergrund öffnet ein Fass, das sich nie wieder schließt. Der Kirchturm über der Mauer glänzt im Licht der Ewigkeit. Ein Hauch hat die Dinge und Räume ins Gleichgewicht gebracht. Hinter dem Hof führt ein Durchgang zu einem zweiten, darin öffnet sich ein Tor, ein Fenster in die Ferne. Aber auch dort rührt sich nichts. Die Straße schweigt. Die Stadt ruht am Horizont. Die Geschichte macht Pause.

          Am Anfang malt er beschwipste Offiziere

          Pieter de Hooch, geboren in Rotterdam, hat von 1629 bis etwa 1680 gelebt. In dieser Zeit führte die junge Republik der Niederlande zuerst Krieg gegen Spanien, dann zwei Seekriege gegen England, danach einen verheerenden See- und Landkrieg gegen England und Frankreich, in dem sie beinahe unterging. Städte wurden belagert, Häfen verwüstet, Flotten versenkt, aber auf de Hoochs Bildern sieht man nichts davon. Nur ganz am Anfang, als er sich als Künstler etablieren will, malt er Genreszenen mit Wachstuben-Interieurs, koketten Mägden und beschwipsten Offizieren, Bierkrügen und Tonpfeifen, Trompetern und Kartenspielern. Zuletzt, in den „Kartenspielern in einem Raum mit Sonnenlicht“, verlegt er die Wachstube in ein bürgerliches Vorzimmer, aus dem eine Tür in den Hof mit dem von Ziegeln gerahmten Durchgang führt, der zu seinem Markenzeichen wird. Da ist er schon in Delft, der Stadt, die ihn beinahe unsterblich gemacht hätte.

          Die Ausstellung im Delfter Museum Prinsenhof – die erste monographische Schau zu de Hooch auf dem europäischen Kontinent – beginnt mit einem Selbstporträt des Malers von 1649, dessen Zuschreibung ungewiss ist. Der Jüngling mit kräftiger Nase, breiter Stirn und langen Haaren könnte auch ein anderer sein, einer der vielen, die auf dem boomenden Kunstmarkt der „Vereinigten Provinzen“ ihr Glück zu machen versuchten, als Händler und Produzenten. Aber in dieser Ausstellung darf er nicht fehlen, denn er gibt der biographischen Rekonstruktion der Kuratoren einen visuellen Halt.

          Der Markt für Maler war damals hart umkämpft

          De Hooch entstammte keinem Künstlerhaushalt, sein Vater war Maurer, seine Mutter Hebamme, aber als er 1652 nach Delft kommt, ist seine Ausbildung bereits vollendet. Er tritt in die Werkstatt des zwei Jahre älteren Hendrick van der Burch ein, der als Maler bei der Lukasgilde registriert ist, und heiratet 1654 dessen Schwester Jannetje. Jetzt bekommt auch de Hooch seine Registrierung und damit das Recht, unter eigenem Namen zu malen. Als Zugereister muss er zwölf Gulden zahlen, doch die Hälfte des Betrags bleibt er bis an sein Lebensende schuldig. Der Markt ist hart umkämpft, die Stadt der Bierbrauer und Kachelbrenner leistet sich Kunst nur, wenn die Kasse stimmt.

          Zunächst versucht es de Hooch weiter mit Wachstubenszenen. Dann beginnt er zu malen, was er sieht: Alltagsmenschen in städtischen Räumen. Die ersten Bilder wie „Frau und Kind auf einer Bleiche“ und „Porträt einer Delfter Familie“ sind noch voller Nachbesserungen, Pentimenti, die Perspektiven mit Nagel und Faden gezogen. 1658 entsteht de Hoochs erstes Meisterwerk: „Hof eines Hauses in Delft“. Es ist das dreizehnte von dreißig Gemälden, die die Ausstellung zeigt. Das bröckelnde Mauerwerk am rechten Rand gehört zu den Resten des zerstörten Hieronymusklosters, dessen Portalspruch in die Rückwand des Neubaus in der linken Bildhälfte eingebaut ist. Stützbalken und Zweige bilden eine Art Laube, vor der ein Reisigbesen liegt. Ein gewölbter Durchgang führt zu einem Vorhof mit Holzzaun, dahinter liegt ein Haus mit hohen Fenstern.

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