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Verlagsspezial

: „Gewinner sind diejenigen, die den Nutzen erkennen“

Ohne Digitalstrategie riskieren Unternehmen ihre Existenz. Dabei hat der deutsche Mittelstand große Chancen, als Gewinner aus der Digitalisierung hervorzugehen. Bild: Jirsak/istock/Thinkstock

Ohne Digitalstrategie riskieren Unternehmen ihre Existenz. Dabei hat der deutsche Mittelstand große Chancen, als Gewinner aus der Digitalisierung hervorzugehen. Was sich hinter dem Wandel verbirgt und welche Parameter für unternehmerischen Erfolg im Mittelstand wichtig sind, erläutert Julia Saswito, Geschäftsführerin von Triplesense Reply, im Gespräch.

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          Frau Saswito, die digitale Transformation beeinflusst sämtliche Bereiche eines Unternehmens – von Geschäftsmodell über Arbeitsumfeld und -organisation bis hin zu Produktionsprozessen. Heißt es zu Recht, dass Mittelständler ohne Digitalstrategie ihre Existenz aufs Spiel setzen?
          Ja, völlig zu Recht. Ich würde tatsächlich so weit gehen und behaupten, wer keine Digitalisierungsstrategie hat, hat keine Unternehmensstrategie. Digitalisierung beeinflusst und verändert seit mittlerweile gut zwei Jahrzehnten massiv unser privates, berufliches und wirtschaftliches Leben – dieser Entwicklung kann sich kein Unternehmen entziehen. Zu den Kernaufgaben jeder verantwortungsvollen Unternehmensführung zählt, sich umfassend damit auseinanderzusetzen, welche Möglichkeiten und Chancen, aber auch Risiken sich durch neue Technologien und neu entstehende Märkte und Wettbewerber ergeben. Und vor allem auch, wie mit einem grundlegend veränderten Konsumentenverhalten der Menschen umzugehen ist. Daraus sind entsprechende Strategien und Handlungen abzuleiten.

          Es heißt, der deutsche Mittelstand habe einen großen Nachholbedarf in Sachen digitaler Transformation.
          Diese Aussage kann man global gesehen so nicht ganz stehen lassen. Es gibt im Mittelstand durchaus Unternehmen, die sich dem Thema aktiv stellen. Beispielsweise gerade im Maschinen- und Anlagenbau, wo viel in innovative, digitale Lösungen wie „Predictive Maintenance“ oder Virtual Reality investiert wird, um etwa Produktionsprozesse oder Wartung zu optimieren. Insgesamt kann man jedoch sicherlich von einer Investitionszurückhaltung sprechen, wenn knapp die Hälfte der mittelständischen Unternehmen hierfür weniger als 10 000 Euro im Jahr ausgibt. Der deutsche Mittelstand ist klassischerweise eher sicherheitsorientiert, hat Angst vor Fehlinvestitionen und prüft sehr genau, wo und wann er Investitionen tätigt, da diese oft aus der eigenen Tasche oder dem Cashflow kommen. Entsprechend bedarf es einer großen Portion unternehmerischen Mutes und einer klaren Vision, sich den Herausforderungen der Digitalisierung mit den entsprechenden Budgets zu stellen. Gleichzeitig ist es – nicht nur für Mittelständler – ausgesprochen schwer zu definieren, wo man mit der Digitalisierung beginnt und was das konkret bedeutet.

          Welche Herausforderungen sehen Sie?
          Gewinner der Digitalisierung sind diejenigen, die für sich klar und frühzeitig erkannt haben, an welcher Stelle ihnen die Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen in Bezug auf Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterproduktivität und Erschließung neuer Marktpotentiale wirklich einen Nutzen bringt – und dann konsequent in die Exekution gehen. Der Mittelstand zeichnet sich oft durch eine ausgeprägte unternehmerische Denke aus und ist seit jeher gezwungen, schnell auf Veränderungen zu rea­gieren, um weiterzuexistieren. Zudem verfügt er häufig über hohe Innovationskraft und gut ausgebildete Ingenieure sowie Spezialisten. Damit kann er zum Treiber der digitalen Revolution werden – sofern diese Stärken optimal ausgespielt werden.

          Und die Chancen?
          Diese liegen nicht nur in der Nutzung neuer Vertriebs- und Kommunikationswege oder der digitalen Erweiterung von Produkten, sondern manchmal auch in völlig neuen oder zusätzlichen Geschäftsmodellen. Das gilt nicht nur für Uber und Airbnb, sondern beispielsweise auch für den ehemaligen Hersteller von Lichtschaltern GIRA, der heute komplexe Hausautomationssysteme anbietet. Oder für Vorwerk als Produzent einer hochwertigen Küchenmaschine, der sich mit einer kostenpflichtigen Plattform für digitale Rezepte eine weitere Einkommensquelle erschließt. Konsequente Digitalisierung bedeutet, die Chance zu ergreifen, Prozesse und Services neu zu denken – und nicht alte, suboptimale Prozesse zu digitalisieren.

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