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Verlagsspezial

: Gute Geschäfte!

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Einen Aufwärtstrend sehen die deutschen Mittelständler im Exportgeschäft: Einer aktuellen Umfrage zufolge erwarten 26 Prozent eine positive Entwicklung ihrer Auslandsaktivitäten. Bild: Foto MAGNIFIER/stock.adobe.com

Der deutsche Mittelstand ist hinsichtlich seiner Geschäftsentwicklung weiterhin optimistisch. Die exportorientierten Unternehmen sind anpassungsfähig – und richten ihre Blicke zunehmend gen Osten. Asien ist dabei wichtiger denn je.

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          Aller weltweiten Krisenherden zum Trotz, strotzt der deutsche Mittelstand vor Optimismus: Dem aktuellen Grant Thornton International Business Report (IBR) zufolge sehen 72 Prozent der befragten deutschen Firmenmanager die Entwicklung ihrer geschäftlichen Aktivitäten positiv – im vergangenen Jahr waren nur 59 Prozent der Führungskräfte dieser Auffassung. 56 Prozent der Befragten rechnen dabei für dieses Jahr mit Umsatzsteigerungen. „Der deutsche Mittelstand glaubt zu Recht an seine Stärken und Leistungsfähigkeit“, sagt Joachim Riese, Vorstandsvorsitzender von Warth & Klein Grant Thornton.

          Einen Aufwärtstrend sehen die deutschen Mittelständler auch im Exportgeschäft: Der Umfrage zufolge erwarten 26 Prozent eine positive Entwicklung ihrer Auslandsaktivitäten (2017: 22 Prozent). Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil mit den Abschottungsplänen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump der wichtigste Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft zu einem schwierigen Pflaster zu werden droht. Denn zwar weist die offizielle Statistik die europäischen Nachbarländer als wichtigste Handelspartner der deutschen Unternehmen aus – 68 Prozent der deutschen Exporte gingen 2016 nach Europa. Doch als Einzelland sind die Vereinigten Staaten als Ziel von neun Prozent der deutschen Exporte mit einem Exportvolumen von 107 Milliarden Euro der wichtigste Handelspartner.

          Mittelstand blickt nach Osten

          Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, hält die protektionistische Wirtschaftspolitik Trumps für fatal: „In der globalen Wirtschaft werden Güter oft länderübergreifend produziert – Industriewaren, aber auch Dienstleistungen“, so der Wirtschaftsexperte. „Wenn man auf Autoteile, die in Mexiko oder auch Deutschland produziert wurden, einen Zoll erhebt, verteuert man für Amerikaner die heimischen Autos, die diese Teile beinhalten.“ Somit würden sich die Amerikaner mit ihren Handelsbarrieren auch selbst schaden.

          Stefan Hauschild, Mittelstandsexperte beim Branchendienst des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), warnt vor negativen Folgen für die deutsche Wirtschaft: „Ein wachsender Protektionismus könnte das Erfolgsmodell des Mittelstands, die Welt mit überragenden Produkten zu beliefern, sicherlich gefährden.“ Gleichwohl hätten die deutschen Unternehmen ihre Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit immer wieder unter Beweis gestellt. „Dem Abflauen traditioneller Märkte begegnet der deutsche Mittelstand, indem er Wachstumschancen in aufstrebenden Märkten aufgreift“, erklärt Hauschild. Der Blick der deutschen Firmen geht dabei zunehmend gen Osten. So ging beispielsweise der Anteil der deutschen Exporte nach Großbritannien zwischen 2003 und 2016 um 15 Prozent zurück, während sich der Anteil Chinas in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat.

          Und auch heute bietet der asiatische Raum großes Potential für die deutschen Unternehmen: Vom gerade erst beschlossenen Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union, das 2019 in Kraft tritt, dürften vor allem deutsche Unternehmen profitieren. Nach einer – teilweise mehrjährigen – Übergangsfrist soll ein Großteil der beidseitig hergestellten Produkte zollfrei zwischen der EU und Japan gehandelt werden können. Auf japanischer Seite betrifft dies rund 94 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte und Industrieerzeugnisse. EU-Produkte sind zu etwa 99 Prozent zollbefreit. Infolge des Abkommens entfallen aber nicht nur Zölle, sondern auch andere Handelshemmnisse. Bislang brauchte es zum Beispiel für jede einzelne Sorte von nach Japan ausgeführten Zitrusfrüchten eine Genehmigung. Diese komplizierte Prozedur entfällt künftig. Japan hat gemäß der Einigung außerdem zugesagt, bei Pharma- und Medizinprodukten, Autos und anderen Waren internationale Standards anzuerkennen und die Einfuhr nicht mehr durch eigene japanische Sonderstandards zu erschweren.

          Jobmotor Freihandelsabkommen

          Allein die volkswirtschaftliche Dimension des Abkommens ist beeindruckend. Schon heute vereinen die EU und Japan ein Drittel der Wirtschaftsleistung der Welt. Das Handelsvolumen zwischen beiden Seiten belief sich 2016 auf 125 Milliarden Euro. Nach Angaben der EU-Kommission könnte es durch den Abbau von Handelsbarrieren stark steigen. Die EU rechnet mit einem Anstieg der Ausfuhren um 20 Milliarden Euro. Das entspreche rund 280 000 neuen Jobs in Europa.

          Daneben hat sich auch Singapur zu einem wichtigen Markt für die deutschen Exporteure entwickelt. Der kleine Stadtstaat mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern dient nämlich zunehmend als Sprungbrett in die ASEAN-Region: 2016 exportierte Deutschland der amtlichen Statistik zufolge Waren im Gesamtwert von 6,74 Milliarden Euro in den Stadtstaat, vor allem Maschinen, Autos und Fahrzeugteile sowie Elektronik und Elektrotechnik. Singapur liegt zentral in der Region und ist daher logistisch günstig. Ein Investitions- und Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Singapur sorgt zudem für Planungssicherheit für die Unternehmen.

          Die Infrastruktur in Singapur ist gut, die bürokratischen Hürden sind niedrig, genauso wie die Sprachbarrieren – denn eine der Amtssprachen ist Englisch. Außerdem sind die politischen Verhältnisse stabil – und die Innovationsfreudigkeit ist hoch. Dem aktuellen „Global Innovation Index“ zufolge ist Singapur das innovativste Land Asiens und liegt weltweit auf Platz sieben. Unternehmen können hier neue Technologien im kleineren Maßstab ausprobieren, bevor sie diese in eine kommerzielle Größenordnung bringen und in die Region expandieren.

          Die weltweiten Krisenherde allerdings – vom Syrien-Konflikt bis zum drohenden Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China – könnten früher oder später ihre Spuren in den Geschäftszahlen der exportorientierten deutschen Mittelständler zeigen. „Politische Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“, betont Joachim Riese von Warth & Klein Grant Thornton. „Zeigen wird sich dieser Einfluss dann im Laufe des Jahres.“

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