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Verlagsspezial

: Digitalisierung erfordert neue Modelle

  • -Aktualisiert am

Auch als Meister der Informationsgewinnung fehlen dem Mittelstand noch Erfahrungswerte, Best Practices und Vordenker. Viele Firmenchefs sind noch unsicher über den Weg zum Ziel. Bild: Wavebreakmedia Ltd_iStock_Thinkstock

Von der Digitalisierung verspricht sich der Mittelstand einiges. Neue digitale Tools und Industrie 4.0 sollen die Marktposition sichern. Das ist auch bitter nötig, denn der Druck kommt von vielen Seiten.

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          Die Konkurrenz durch innovative Start-ups verschärft den Wettbewerb. Zugleich können viele Betriebe die gute Auftragslage nicht nutzen, weil Fachkräftemangel und bestehende Prozesse es nicht erlauben, die Produktion entsprechend hochzufahren. Dennoch ist der Optimismus ungebrochen, dass die Digitalisierung die bestehenden Probleme lösen wird. Computer und Roboter wären imstande, mehr Aufträge abzuarbeiten. Das wiederum ermöglicht ein Plus bei den Erlösen.

          58 Prozent der mittelständischen Unternehmen erwarten mehr Umsatz durch weitere Digitalisierung in ihren Häusern. Das ist ein Ergebnis der Studie „Digital Value“ der Managementberatung Horváth & Partners. Doch diese hohen Erwartungen sind noch Zukunftsmusik. Denn die Studie zeigt auch: Bisher verzeichnet nur gut die Hälfte (54 Prozent) der Befragten erste Umsatzsteigerungen durch die Digitalisierung, es überwiegen Effizienzvorteile in einzelnen Bereichen. Den Firmen fällt es noch schwer, komplett neue Geschäftsmodelle auf Basis der digitalen Möglichkeiten zu erfinden und sich somit neue Kunden und Märkte zu erschließen. Insgesamt hat die Digitalisierung bei Unternehmen mit 500 bis 1000 Mitarbeitern weniger Spuren hinterlassen als bei größeren Firmen. Nur bei acht Prozent der mittelgroßen Unternehmen hat sich das Erlösmodell sehr stark verändert, bei geringen drei Prozent wurde das Produktportfolio durch die Digitalisierung stark angepasst. Selbst leichte Veränderungen haben nur 33 Prozent der Befragten vorgenommen. Während neue Geschäfts- und Erlösmodelle noch selten sind, profitieren die Firmen in Deutschland vor allem von Effizienzsteigerungen. Gerade in den Führungsetagen wird Digitalisierung zumeist noch als technische Angelegenheit für die IT-Abteilung und Optimierungswerkzeug gesehen, nicht als Chance für wirkliche Innovationen. 60 Prozent der Unternehmen konnten in den IT-Abteilungen ihre Produktivität steigern oder Kosten senken. Dort haben kleinere Firmen auch deutlich stärker angesetzt als Großunternehmen – unter ihnen sind es weniger als 50 Prozent, die infolge der Digitalisierung in der IT-Abteilung Kostenreduzierungen bemerken. Zwar konnten auch 42 Prozent der Mittelständler in der Produktion und 28 Prozent im Vertrieb die Effizienz steigern, doch bleiben Firmen hier hinter ihren Möglichkeiten zurück. Wenn überhaupt, werden Kosten eingespart.

          Effizienz statt Innovation

          Auch für die Zukunft haben sich die Unternehmen das Projekt „Effiziente IT“ auf die Fahnen geschrieben. Gerade Mittelständler sehen künftig mehr Bedeutung in der Automatisierung von Prozessen in der IT: 71 Prozent unter ihnen wollen beispielsweise das Deployment professionalisieren und halb- oder vollautomatisierte Prozesse zur Installation und Konfiguration von Software einführen. Mittelständler erhoffen sich auch künftig ein höheres Einsparpotential in der IT als größere Firmen: 21 bis 30 Prozent Kosteneinsparungen erwartet jeder fünfte Mittelständler. Neben der IT sehen Mittelständler Effizienzgewinne stärker als Großunternehmen im Bereich Sales (33 Prozent) und in Shared Service Centern (24 Prozent).

          Der Mittelstand erweist sich in der Horváth-Studie als Vorreiter bei digitalen Produkten: 38 Prozent der Mittelständler geben an, bereits digitale Produkte umgesetzt zu haben – bei größeren Unternehmen sind es erst 28 Prozent. Doch in Zukunft planen noch 47 Prozent, weitere Informationen im Zuge der Digitalisierung zu generieren. Diese sind nötig, um aus dem Versuchsstadium ­herauszukommen.

          Auch als Meister der Informationsgewinnung fehlen dem Mittelstand noch Erfahrungswerte, Best Practices und Vordenker. Viele Firmenchefs sind unsicher über den Weg zum Ziel. Das belegt die Studie: Größte Schwierigkeit bei der digitalen Transformation ist für 49 Prozent der Mittelständler die unklare Vorgehensweise. Dieser Punkt fällt bei ihnen stärker ins Gewicht als bei größeren Firmen. Dabei fehlt es auch an Fach- und Führungskräften, die eine Richtung vorgeben und ihren Mitarbeitern im Veränderungsprozess die Richtung weisen. 29 Prozent spüren noch Ängste und Widerstände in der Belegschaft. Firmenkultur und -organisation sind im Mittelstand eher Bremser des digitalen Fortschritts. Schon in den vergangenen Jahren mussten 64 Prozent der mittelgroßen Firmen ihre Unternehmenskultur aufgrund der Digitalisierung verändern. Trotzdem haben 39 Prozent weiterhin Schwierigkeiten mit der Flexibilität der Unternehmensstrukturen. Häufig behindern diese starren Strukturen die notwendige Digitalisierung. Unternehmen sind oftmals streng hierarchisch, funktional und in Silos organisiert. Die Digitalisierung stellt diese Organisationsformen auf den Prüfstand und fordert die Unternehmen beispielsweise heraus, neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben und zu etablieren.

          Rainer Zierhofer ist Partner bei der Managementberatung Horváth & Partners und
          Leiter des Beratungsbereichs IT Management & Transformation.

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