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Verlagsspezial

: Statements zur Zukunft von Neurologie und Psychiatrie

Bild: gudrun/Adobe Stock

Medizinischer Fortschritt prägt das dem großen Feld der neurologischen und psychiatrischen Krankheiten. Dennoch gibt es noch vielfältige Herausforderungen für die Forschung und die Versorgung der Patienten. Führende Experten auf dem Fachgebiet äußern sich dazu.

          3 Min.

          Unser Ziel ist es, innovative Therapien zu entwickeln, die das Leben schwerkranker Menschen verbessern und verlängern. Besonders stolz macht es uns, wenn wir Kindern eine wirksame Behandlung bieten können. Deshalb engagiert sich ­Novartis im Bereich Kindergesundheit und begrüßt die Initiative „Kinderrechte ins Grundgesetz!“.

          Sidonie Golombowski-Daffner,
          Country President Novartis Deutschland

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          Jahrelange Erfahrung aus Wissenschaft und Ausland haben längst belegt: Die Genomsequenzierung ermöglicht oft erstmalig die Bestimmung der ­Krankheitsursache und somit gezielte Vorsorge und neue Therapieansätze. Kurzum: gute Patientenversorgung. Aber in Deutschland scheitert es an einer ­Regelung, die nur ein Sequenzvolumen von 25 Kilobasen erstattet.

          Prof. Dr. Brunhilde Wirth,
          Direktorin des Institutes für Humangenetik an der Uniklinik Köln

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          Mit der Entwicklung innovativer ­Medikamente das Leben von Menschen mit Hirn- und Nervenkrankheiten nachhaltig verbessern – das ist unser Ziel. Wir setzen dabei auch auf die Chancen der Digitalisierung: Es muss uns gelingen, aus „Big Data“ „Smart Data“ zu generieren. Denn hier liegt ein Schatz vergraben, der uns helfen wird, immer besser zu werden.

          Dr. Wolfram Schmidt,
          Geschäftsführer, Biogen Deutschland GmbH

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          Das Dilemma bei der Alzheimer-Erkrankung ist: Das Erkrankungsrisiko können wir anhand von Biomarkern wie Beta-Amyloid schon heute frühzeitig erkennen. Ärzte und Betroffene können mit dieser Information jedoch wenig anfangen, denn es gibt keine wirksame Intervention, die den Ausbruch der Erkrankung in diesem frühen Stadium im Sinne einer Disease Interception verhindert. Daran forschen wir intensiv.

          Dr. med. Christoph Bug,
          Medizinischer Direktor und Geschäftsführer bei Janssen Deutschland

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          Forschung an Demenztherapien ist wichtig und mit viel Hoffnung verknüpft. Bis dahin ist es unsere Pflicht, dass eine leitliniengerechte Behandlung und bedarfsgerechte Versorgung erfolgt und wir uns um eine gute Lebensqualität für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen kümmern.

          Monika Kaus,
          1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz

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          Therapien gegen Alzheimer zu finden hat sich als große Herausforderung erwiesen. Es gab zahlreiche Rückschläge, dennoch haben wir über die Krankheitsmechanismen viel gelernt. Umso mehr geht es darum, die Forschung zu verstärken und neue Ansätze auszuloten. Die Zukunft liegt vermutlich in einer frühzeitigen Behandlung und in Kombinationstherapien.

          Prof. Pierluigi Nicotera, MD PhD,
          Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

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          E-Health-Anwendungen, also internetbasierte Psychotherapie-Programme, haben das Potential, die Therapie von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu optimieren. Zur Patientensicherheit sind ihre Wirksamkeit und ein ausreichender Datenschutz nachzuweisen. Vor ihrem Einsatz steht die Diagnostik durch Ärzte und Psychologen, die den Patienten parallel begleiten – auch in Krisen.

          Dr. med. Iris Hauth,
          Ärztliche Direktorin, Regionalgeschäftsführerin, Zentrum für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Alexianer St. Joseph-Krankenhaus, Berlin-Weißensee

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          Wir sehen große Fortschritte in der Neurologie – und stehen doch erst am Beginn einer neuen Ära: Der Einsatz digitaler Technologien sowie die transparente Vernetzung und Analyse von Daten werden den Fortschritt massiv beschleunigen und öffnen die Tür zu einer personalisierten Gesundheitsversorgung für Patienten mit neurologischen Erkrankungen.

          Dr. Robert Schnitzler,
          Director Specialty Care der Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen

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          Damit die neuen wirksamen, aber oft komplexeren Therapien bei den Patienten ankommen können, müssen Strukturen und Ressourcen verbessert und neu geschaffen werden. Die gewonnene Lebensqualität hilft den Patienten, wenn sie durch Inklusion am gesellschaftlichen Leben teilhaben und durch die Transition langfristig betreut werden können.

          Prof. Dr. med. Ulrike Schara, Neuropädiatrie,
          stellvertretende Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde I am Universitätsklinikum Essen, Präsidentin der Gesellschaft für Neuropädiatrie

          Zusammengestellt von Anna Seidinger

          Topmeldungen

          Neurotransmitter, die hier zwischen zwei Synapsen diffundieren, bestimmen entscheidend die Kommunikation der Nervenzellen untereinander.

          : Fortschritt im Wechselspiel von Hirnforschung und Therapie

          Über die vergangenen zwei Jahrzehnte haben sich die Erforschung von neurologischen Therapien und das Verständnis von Krankheiten, insbesondere bei der multiplen Sklerose, gegenseitig bereichert und verbessert. Daraus sind große Fortschritte für die Patienten entstanden. Die Neurologie gilt heute als Fach der Zukunft.
          Bei der Alzheimerdemenz macht die Diagnostik Fortschritte, eine Therapie gibt es noch nicht.

          : Alzheimer – Forschung notwendiger denn je

          In der letzten Zeit sind erneut klinische Tests mit vielversprechenden Alzheimer-Medikamenten gescheitert. Die Enttäuschung darüber war groß. Doch Rückschläge gehören einfach zur Forschung.
          Genomanalysen und Biomarker ermöglichen die Differenzierung von augenscheinlich identischen Krankheitsbildern.

          : Die richtige Diagnose wird immer wichtiger

          Treten zu Beginn einer Erkrankung nur einige Probleme auf oder kommen die Beschwerden auch bei anderen Krankheiten vor, kommt der Diagnostik ein besonders hoher Stellenwert zu. Dies ist speziell bei Beteiligung des Nervensystems der Fall, da sich erste Krankheitszeichen meist nicht eindeutig interpretieren lassen.
          Dank moderner Diagnostik können bereits manche Krankheiten erkannt und behandelt werden, bevor sich Symptome zeigen.

          : Frühe Interventionen können Krankheiten verhindern

          Krankheiten belasten die Betroffenen und die Gesellschaft. Deshalb versuchen Forscher und Mediziner verstärkt, Krankheiten früher zu diagnostizieren und zu behandeln. Dieses Konzept der Disease Interception lässt sich auf viele Bereiche anwenden.