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Verlagsspezial

: Statements zur Zukunft der Krebsmedizin

Bild: gudrun/Adobe Stock

Die Krebsmedizin befindet sich in Deutschland auf einem hohen Niveau. Führende Experten sagen, wohin die Entwicklungen der Zukunft gehen.

          3 Min.

          Die zurzeit noch vorwiegend auf große Gruppen von Erkrankungen bezogene Versorgung von Krebspatienten befindet sich im Wandel. In Zukunft wird die Erfassung möglichst vieler biologischer Merkmale jedes einzelnen Tumors im Mittelpunkt stehen, auf deren Grundlage eine individualisierte, auf die ­spezifi­schen Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten zugeschnittene Therapie entwickelt wird.

          Prof. Dr. med. Stefan Fröhling,
          Geschäftsführender Direktor (komm.), Nationales ­Centrum für ­Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, Leiter der Abteilung ­Translationale Medizinische ­Onkologie Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)

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          In Deutschland benötigen wir ein ­rasches Umdenken, wenn es um den Nachweis von erblichen Krebserkrankungen geht. Die bestehenden Regeln sind medizinisch-wissen­schaftlich überholt und gehen zu Lasten der Patienten. Gerade junge Menschen fordern dies, weil sie von dem Problem am meisten ­betroffen sind.

          Prof. Dr. med. Diana Lüftner,
          Vorstand der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs e. V.

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          Für eine bessere Versorgung von krebs­kranken Kindern muss über neue ­klinische Prüfungs- und Zulassungs­verfahren ­nachgedacht werden, damit auch ­Kinder von den rasanten ­Fortschritten der ­individualisierten Krebstherapie bei Erwachsenen profi­tieren und schneller und ­uneingeschränkter Zugang zu den neuesten Medikamenten bekommen.

          Prof. Dr. med. Rupert Handgretinger,
          Ärztlicher Direktor der Abteilung für Hämatologie/Onkologie und Allgemeine Pädiatrie, Universitätsklinikum Tübingen

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          Krebs ist eine komplexe Krankheit, ebenso ­differenziert muss der Umgang damit sein. Dazu bedarf es einer vernetzten ­Ver­sorgung der Patienten, wie wir sie in ­Hamburg erfolgreich im 10. Jahr als onkologisches Spitzenzentrum betreiben. Im zukünftigen Fokus steht der Ausbau der translationalen Forschung und der zielgerichteten Therapie.

          Prof. Dr. med. Carsten Bokemeyer,
          Direktor der II. Medizinischen Klinik, Onkologie, Hämatologie, KMT mit Abteilung Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

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          Frauen, die Veränderungen in den Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 tragen, leben mit vielfach erhöhten Erkrankungsrisiken für Brust- und Eierstockkrebs. Sie sollten über Maßnahmen zur intensivierten Früherkennung und prophylaktischen Operationen umfassend beraten werden, um eigenständig entscheiden zu können. Und sie sollen diese Maßnahmen über die Regelversorgung erhalten.

          Prof. Dr. Rita Schmutzler,
          Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs an der Uniklinik Köln.

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          Die Zukunft der Krebsmedizin ist digital, präzise und smart. Modernste Diagnostik und individuell zugeschnittene Therapien, kombiniert mit intelligenten Algorithmen, für eine bessere Versorgung nahe am Patienten.

          Prof. Dr. Hagen Pfundner,
          Vorstand der Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen

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          Krebs können wir in vielen Fällen gut ­behandeln – Dank der medizinischen ­Fortschritte. Der Zugang der Patienten zu ­diesen Behandlungen hängt aber davon ab, in welchem Land sie leben. ­Ungleichheiten, die wir gar innerhalb der EU sehen, sind inakzeptabel. Gemein­sam müssen wir daran arbeiten, dass alle Nationen jene Strukturen aufbauen, die es für eine moderne Krebstherapie braucht.

          Dr. Andreas Penk,
          Leiter der Onkologie in Europa und weiteren Ländern, Pfizer Inc.

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          Es bedarf noch großer Anstrengungen, um die Potentiale der Darmkrebsprävention zu nutzen. Wir bauen dabei auf kreative Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die neue Marker für eine sichere und frühere Diagnose entwickeln und einen schnelleren Transfer in die Versorgung erreichen. Die Onkologie in Deutschland benötigt auch in Zukunft Mahner und Ermunterer, wie Dr. Christa Maar mit ihrem Netzwerk gegen Darmkrebs.

          Prof. Dr. med. Otmar D. Wiestler,
          Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.

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          Mit den richtigen Rahmenbedingungen ­könnten Onkologen wie Pharmaforscher aus elektronischen Patientenakten und Krebsregistern wichtige anonymisierte ­Informationen für weitere Fortschritte gegen Krebserkrankungen gewinnen. Diese Chance sollte Deutschland mit Blick auf die zu versorgenden Patienten, aber auch den Standortwettbewerb nutzen!

          Han Steutel,
          Vorsitzender des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)

          Zusammengestellt von Anna Seidinger

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          : Gemeinsam den Zugang zu Innovationen sicherstellen

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          Interview : Stärke im Netzwerk für Wissenschaft und Versorgung

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          : Die Krebsmedizin als Wirtschaftsfaktor

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