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Verlagsspezial

: Die Rolle der Prävention bei Hautkrebs

  • -Aktualisiert am

Bild: Sertak/Adobestock

Maßnahmen wie textiler UV-Schutz, Sonnencremes und -brillen schützen vor UV-Strahlung und damit auch vor Hautkrebs. Dennoch ­lassen sich damit nicht alle Tumore vermeiden. Dank des Hautkrebsscreenings können aber im besten Fall entartete Hautveränderungen schon früh erkannt werden. Auch neue Präventionsmaßnahmen zeichnen sich am Horizont ab.

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          Ein 65-jähriger Patient besucht eine dermatologische Sprechstunde. Ihm sei ein brauner Fleck am Bein aufgefallen, der „vorher nie so da gewesen ist“. Trotz der hohen Belastung durch Sonnenlicht habe er das Hautkrebsscreening der gesetzlichen Krankenkassen nie in Anspruch genommen. Die schuppenden Stellen an der Stirn, die auf Vorstufen von hellem Hautkrebs hindeuten, haben ihn genauso wenig gestört wie die kleine Wunde auf der Nasenspitze, die sich später als Basaliom herausstellen wird. Auch der braune Fleck muss abgeklärt werden – es besteht der Verdacht auf ein Malignes Melanom, den Schwarzen Hautkrebs.

          Solche oder ähnliche Geschichten sind in der dermatologischen Praxis häufig. Patienten stellen sich leider erst dann vor, wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist, und oft bleibt dann nur noch der Griff zum Messer. Gerade beim Malignem Melanom gilt: Je früher erkannt, desto besser die Prognose. Der Prävention und der Früherkennung kommt also eine besondere Rolle zu.


          Sonneneinstrahlung als Hauptursache

          Sonnenlicht besteht hauptsächlich aus UV-A- und UV-B-Strahlen. Während tief in die Haut eindringendes UV-A vor allem Alterungsprozesse auslösen kann, sind kurzwelligere UV-B-Strahlen für Sonnenbrände verantwortlich. Beide schädigen die DNA, also die Erbinformation, in den Hautzellen. Zweifelsohne stehen Reparaturmechanismen zur Verfügung, die diese Schäden korrigieren können. Jedoch sind diese Prozesse begrenzt und können bei lebenslang ausgeprägter UV-Exposition und zahlreichen Sonnenbränden aus dem Gleichgewicht geraten.

          Um sich dennoch der UV-Strahlung weitgehend sicher aussetzen zu können, sind Präventionsmaßnahmen erforderlich. Hierzu zählen UV-feste Kleidung und ausreichende Mengen an Sonnenschutzcremes mit chemischen oder physikalischen Filtern. Außerdem gilt es, die intensive Sonne zur Mittagszeit zu vermeiden. Auch sollte auf den Schutz der Augen durch UV-filternde Sonnenbrillen geachtet werden. All diese Maßnahmen gehören zur Primärprävention, also der Vermeidung von UV-bedingtem Hautkrebs.
          Trotz optimalem Schutz können Tumore an der Haut nicht vollends vermieden werden. Die UV-Strahlung stellt zwar das Hauptrisiko dar – weitere Faktoren wie die familiäre- und genetische Veranlagung mit einer hohen Anzahl von Muttermalen, der Umgang mit krebserregenden Stoffen sowie ein unterdrücktes Immunsystem dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Hierfür sind Maßnahmen der Sekundärprävention notwendig. Vorrangig zählt dazu das gesetzliche Hautkrebsscreening, das Mitte 2008 in Deutschland als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen für Versicherte ab 35 Jahren eingeführt wurde. Mittlerweile erstatten viele Kassen freiwillig die Kosten für das Screening oft schon ab dem 20. Lebensjahr, teils sogar noch früher. Daten aus der dermatologischen Versorgungsforschung zeigen, dass zwar knapp die Hälfte der Anspruchsberechtigten das Screening bereits einmal im Leben wahrgenommen hat, jedoch die jährliche Nutzung nur bei etwa 20 Prozent liegt.


          Vermeidung von Tumoren ist oberstes Gebot

          Trotz zunehmend personalisierter Therapie­möglichkeiten muss der Fokus in der Zukunft auf den Präventionsmaßnahmen liegen. Hier eröffnen Technologien wie eine smarte Haut – ein dünnes, pflasterähnliches Wearable – neue Möglichkeiten: Auf einer kleinen Fläche wird die UV-Belastung gemessen und die Menge der angewandten Sonnencreme oder der Verlust des UV-Schutzes durch Schwitzen oder Wasserkontakt abbildbar gemacht. Der Träger kann daraufhin Handlungsempfehlungen via Smartphone erhalten und damit – hoffentlich – Hautkrebs vorbeugen. So könnten Patienten in Zukunft smart zur Prävention befähigt werden. Außerdem könnte eine Sprechstunde beim Arzt vorrangig präventiven Charakter haben und sich auf die Beratung von Hautkrebsvermeidung sowie dem sinnvollen Umgang mit UV-Strahlung konzentrieren. Bis dahin gilt es, die Primär- und Sekundärpräventionsmaßnahmen bekannter zu machen und mit einer niedrigen Nutzungsschwelle zu verbinden.

          Max Tischler ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie bei den Hautärzten am Markt in Dortmund und Sprecher des Bündnis Junge Ärzte.

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