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: Warum gute Dämmung fürs Heizen mit Wärmepumpen unerlässlich ist

Selbst produzierter Strom: Die Solarsiedlung Sonnenhof in Gelsenkirchen-Bismarck Bild: picture alliance/blickwinkel/H. Blossey

Elektrische Heizsysteme spielen eine immer wichtigere Rolle. Sinnvoll sind sie jedoch nur, wenn das Haus auch richtig gedämmt wurde.

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          Das Hauptproblem ist noch der Winter. Denn: „Im Sommer haben wir genügend erneuerbare Erträge durch Solarenergie und Windkraft“, sagt Burkhard Schulze Darup, promovierter freiberuflicher Architekt aus Berlin und Beirat bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). In Zukunft werden sich auch im Winter Haushaltsstrom und warmes Wasser mit regenerativen Energien erzeugen lassen. „Natürlich kann diese Energie auch für die Heizung genutzt werden. Dann ist es von großem Vorteil, wenn Gebäude möglichst wie ein Passivhaus gedämmt sind, also nur geringe Leistung fürs Heizen benötigen.“ Denn ein gut gedämmtes Haus verbraucht weniger Energie: „Schaltet man die Wärmezufuhr ab, verliert man nach einem Tag nur rund ein Grad Celsius. Ein schlecht gedämmtes Haus ist nach drei bis vier Stunden ausgekühlt“, so Schulze Darup.

          Energie aus regenerativen Quellen nutzen

          Wird weniger Energie verbraucht, sinken natürlich auch die Kosten dafür. „Das ist besonders wichtig, denn durch die von der Bundesregierung beschlossene Klimawende werden sich die Kosten für fossile Brennstoffe in den kommenden etwa zehn Jahren mindestens verdoppeln“, sagt Schulze Darup. Darum solle man in neue Häuser möglichst keine Gasheizungen mehr einbauen, sondern auf Heizungen setzen, die ans Stromnetz angeschlossen werden – also Wärmepumpen. Sie allerdings sind nur dann sinnvoll, wenn man die Energie dafür mit regenerativen Möglichkeiten gewinnt. „In unserem Arbeitsalltag bemerken wir, dass sich immer mehr Bauträger und Investoren für hocheffiziente Gebäude mit möglichst einfacher erneuerbarer Technik interessieren“, sagt der Berliner Architekt. Auch Peter Uenning, Mitglied im Deutsche Energieberater Netzwerk und ebenfalls Architekt, setzt auf Wärmepumpen in Kombination mit regenerativen Energien und einer guten Dämmung: „Schließlich geben wir pro genutzter Kilowattstunde Strom, die über fossile Energie gewonnen wird, zwei Kilowattstunden ungenutzt an die Atmosphäre ab. Das ist, als ob Sie zwei Bananen wegwerfen, um eine zu essen“, verdeutlicht er. „Also nicht besonders effizient.“ Uenning hat seit 2002 über 300 Einfamilienhaus-Besitzer zur energieeffizienten Sanierung beraten.

          Bei steigenden Heizkosten fürchtet er, dass viele weniger heizen werden, um zu sparen. „Dadurch erhöht sich aber die Gefahr für Schimmel in der Wohnung“, so Uenning. Sein Tipp lautet darum: In eine Sanierung investieren – also Dämmen und zusätzlich eine Photovoltaikanlage einbauen, um dann vom selbst produzierten und günstigen Strom zu profitieren. „Das ist besser, als in einem schlecht gedämmten Haus zu leben, von einem Energieversorger abhängig zu sein und ständig mehr Geld überweisen zu müssen, um nicht zu frieren.“ Allerdings ist die energetische Sanierung gerade für viele Einfamilienhaus-Besitzer eine Herausforderung – auch finanziell betrachtet. „Natürlich wäre es komplett unwirtschaftlich, ein Dach oder Fenster zu tauschen, solange diese noch gut sind“, sagt Architekt Schulze Darup. Muss aber nach 30 bis 50 Jahren sowieso saniert werden, dann sollte es richtig und gut gemacht werden. „Jedes sanierte Bauteil sollte dem Standard KfW Effizienzhaus 55 entsprechen. Außenwände, Dach und Kellerdecke hochwertig gedämmt, Dreifach-Verglasung und gedämmte Rahmen bei Fenstern. Dazu Lüftung mit Wärmerückgewinnung, die zugleich den Komfort verbessert“, rät Burkhard Schulze Darup.

          Wärmebrücken erkennen und beheben

          Auch Peter Uenning rückt sogenannte Wärmebrücken beispielsweise zwischen Haus und Keller oder Wand und Fenster in den Fokus. „Dort geht zu viel Energie verloren. Im Umkehrschluss ist es so, dass Energie, die man nicht benötigt, gar nicht erst produziert und dementsprechend auch nicht bezahlt werden muss“, so Uenning. Aber: je dichter das Haus ist, desto eher muss eben für Lüftung gesorgt werden. Denn durch geöffnete Fenster unkontrolliert warme Luft entweichen zu lassen sei weder effizient noch kostensparend. Darum liegt auch für ihn die Lösung in diesem Fall bei der kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung: „Die abgeführte Luft erwärmt einen Wärmetauscher, oder sie gibt im Gegenstromprinzip ihre Wärme langsam an die hereingeführte Luft ab“, erklärt Uenning. „So findet zwar ein konstanter Lufttausch statt, aber es zieht nicht. Und Geld spart man damit auch, weil die teuer geheizte Luft nicht unkontrolliert durchs geöffnete Fenster nach draußen geblasen wird.“

          Der Umbau zu einem Effizienzhaus wird übrigens von der KfW mit Zuschüssen von bis zu 75 000 Euro pro Wohneinheit gefördert. Für den Einbau von Photovoltaikanlagen gibt es allerdings nur noch einen KfW-Kredit. Da zusätzlich die Vergütung für das Einspeisen des Stroms ins Netz gesunken ist, ist es sinnvoll, den selbst produzierten Strom am besten auch selbst zu nutzen – sei es für die Kaffeemaschine, Licht, das E-Auto oder den Fernseher. „Oder eben in der Kombination mit einer Wärmepumpe“, so Uenning. Wer dem Heizen über die elektrische Wärmepumpe in Kombination mit regenerativer Energie noch kritisch gegenübersteht, der darf nicht vergessen, dass sich in den kommenden Jahren noch einiges verändern wird: In Zukunft, so ist sich Schulze Darup sicher, wird jedes Haus über eine Photovoltaikanlage Strom einspeisen. Dadurch wird regional ein hoher Anteil selbst erzeugten Stroms zur Verfügung stehen. „An Wintertagen ohne Sonne und Wind muss allerdings in Verbindung mit dem europäischen Stromnetz die notwendige Leistung über einen zweiten Kraftwerkspark vorgehalten werden. An solchen Tagen wird der Strom teurer sein, weil viel nachgefragt wird“, so Schulze Darup. „Dann sind die Bewohner gut dran, deren Gebäude hocheffizient saniert sind.“

          Aber auch die Speicherung für regenerative Energien werde sich verbessern, sagt Peter Uenning. „Smarte Lösungen werden alle Energie aus dem Akku nutzen, wenn die Wettervorhersage für den kommenden Tag Sonne ankündigt. Denn dann können sie kostenlos die Speicher bis zum Anschlag füllen.“ Außerdem werden Strommanager erkennen, wann die Nachfrage nach Strom besonders hoch ist, und beispielsweise die Waschmaschine dann einschalten, wenn er eher günstig ist. Auch Energiegemeinschaften werden eine größere Rolle spielen: Dabei produzieren beispielsweise Nachbarn gemeinsam Strom und teilen ihn. „Je nach Modell kann etwa die Tante, die 300 Kilometer entfernt wohnt, kostenlos Strom nutzen, den Nichten und Neffen im sonnigen Süden eingespeist haben“, sagt Peter Uenning. Natürlich auch, um mit der Wärmepumpe zu heizen.

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