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Verlagsspezial

Interview : „Klimaschutz stärkt Frieden, Demokratie und Wohlstand“

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Prof. Dr. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW Berlin) Bild: Oliver Eltinger

Drei Fragen an Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

          Frau Kemfert, wie bewerten Sie den Klimagipfel in Kattowitz?
          Der Klimagipfel war eher ein ‚Arbeitstreffen‘, wo nun in mühevoller Kleinarbeit einzelner Staaten über die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen und Instrumente beraten und entschieden wird. Aber: Wir brauchen mehr Tempo! Das Pariser Klimaabkommen wurde zwar schnell ratifiziert, es ist das ‚Grundgesetz des internationalen Klimaschutzes‘. Aber in der konkreten Umsetzung hapert es. Wir dürfen nicht länger den Schwarzen Peter, wer schuld ist, herumreichen, sondern müssen die gemeinsame Verantwortung auch gemeinsam tragen. Dabei sollten die Schnellen die Langsamen unterhaken, damit wir endlich gemeinsam auf der weiten Klimaschutz-Strecke vorwärts kommen.


          Was stimmt Sie dennoch positiv?
          Glücklicherweise findet Klimaschutz – ganz lösgelöst von der Bundesebene – auf regionaler Staatenebene statt. Die wirtschaftlichen Chancen durch Klimaschutz sind enorm, gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das kann auch ein Präsident Trump nicht stoppen. Klimawandel und die Abhängigkeit von fossilen Energien sind eine wesentliche Ursache für zahlreiche Unsicherheiten in der Welt. Durch die Verschlechterung der Lebensgrundlagen entstehen Konflikte, Kriege und verstärkte Migration. Klimaschutz und Erneuerbare Energie stärken Frieden, Demokratien und Wohlstand. Und schaffen enorme wirtschaftliche Chancen: weltweit fließen Investitionen in erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz und nachhaltige Mobilität.

          Wo muss die Weltgemeinschaft künftig noch viel mehr tun?
          Vor allem muss es darum gehen, Subventionen in fossile Energien abzubauen. Zudem sollte jedes Land aktive Klimaschutzinstrumente einführen. Klimaschutz muss zur ‚Conditio sine qua non‘ werden, also zur Grundvoraussetzung für jegliches Abkommen. Es dürfte kein Handelsabkommen mehr ohne gemeinsame Klimaschutzabkommen geben. Durch ein solches Basis-Abkommen würde nicht nur das Grundgesetz des Klimaschutzes gelebt, sondern auch der Wettbewerb der Handelnden gesteigert. Das dürfte sich für alle Beteiligten lohnen: Klimaschutz-Kooperationen bringen enorme wirtschaftliche Chancen hervor, sie schaffen zukunftsweisende Investitionen für mehr Innovationen, moderne Industrie und eine nachhaltige Wirtschaft.

          Das Interview führte Christina Lynn Dier.
           

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