https://www.faz.net/-itl-9rdwk
Verlagsspezial

: Dämmen in der Praxis

  • -Aktualisiert am

Gestaltungsspielraum: Die Vielfalt an Dämmsystemen und -materialien ist groß. Bild: Pannonia/ISTOCK

Für jedes Gebäude gibt es die passende Wärmedämmung, die den Verbrauch an Energie drosselt und so Heizkosten spart. Ein Überblick.

          4 Min.

          Bei dem Begriff Wärmedämmung denken die meisten Menschen an ein Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, das lückenlos an den Außenwänden eines Hauses angebracht wird. Das mag daran liegen, dass sich die öffentliche Debatte in der Vergangenheit auf diese Dämmkonstruktion fokussiert hat, oder auch daran, dass die Deutschen ihre Fassaden mehr mit WDVS dämmen als früher. Eine 2017 durchgeführte Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigt, dass sich der WDVS-Anteil in den Produktionsstatistiken zwischen 2002 und 2012 von flächenmäßig knapp zehn Prozent aller Fassadensysteme nahezu verdoppelt hat. Nach einer Phase der Stagnation konnte der Verband für Dämm­systeme, Putz und Mörtel e. V. für das Jahr 2018 erstmals wieder ein Absatzwachstum von 0,9 Prozent bei WDVS verkünden.

          Außen- oder Innendämmung?

          Doch die Wärmedämmung eines Gebäudes umfasst weit mehr als nur die Fassade. Bei einer energetischen Optimierung der Gebäudehülle müssen auch das Dach, die Fenster und die Kellerdecke beziehungsweise die Flächen zum Erdreich ins Auge gefasst werden. Die Vielfalt an Dämmsystemen und -materialien ist groß. „Für die Bauteile der Gebäudehülle wurden in den letzten Jahren viele konstruktiv und gestalterisch hochwertige Lösungen mit hoher Energieeffizienz entwickelt, die zudem das Baubudget längst nicht mehr über Gebühr zusätzlich belasten“, sagt Burkhard Schulze Darup, der als Architekt schon zahlreiche Sanierungs- und Neubauprojekte auf Passivhausniveau durchgeführt hat. Er empfiehlt, eine energetische Sanierung an der Gebäudehülle dann in Angriff zu nehmen, wenn das Bauteil am Ende seiner Lebensdauer angelangt ist. „Wenn wir dann sanieren, gilt es, jedes Bauteil energetisch so hochwertig wie möglich auszuführen. Sonst ist es eine vertane Chance – sowohl aus klimapolitischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Denn die heutigen Standards reichen aus, um den Gebäudebestand klimaneutral zu bekommen.“

          Wenn möglich, sollte eine Fassade von außen gedämmt werden. „Denn eine Innendämmung ist für den Planenden und Ausführenden immer die sehr viel größere Herausforderung. Wenn sie nicht richtig gemacht wird, können Bauschäden entstehen. Insofern ist die Innendämmung immer das ungünstigere und auch meist das teurere Mittel. Außerdem verliert man Wohnfläche“, erläutert Schulze Darup. Eine Innendämmung kommt daher vor allem dann zum Einsatz, wenn das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nicht verändert werden soll oder darf – etwa bei Baudenkmälern.

          Eine Variante für eine Außendämmung ist neben WDVS die hinterlüftete Vorhangfassade. Während beim WDVS Dämmstoffplatten von außen auf das Mauerwerk geklebt oder gedübelt und anschließend mit mehreren Schichten Putz und Anstrich zu einer zusammenhängenden Thermohaut verbunden werden, wird bei der Vorhangfassade der Dämmstoff mit Hilfe einer Unterkonstruktion aus Holz-, Stahl- oder Aluprofilen auf die Mauer aufgebracht. Die Konstruktion kann dann mit belüftetem Abstand zur Dämmung mit unterschiedlichen Materialien wie Holz, Schiefer oder Metall verkleidet werden. Dieser Gestaltungsspielraum bei der Verkleidung ist auch der große Vorteil einer Vorhangfassade, ebenso wie das geringe Feuchtigkeitsrisiko durch die Hinterlüftung. In der Regel ist sie aber teurer als ein WDVS. Für beide Dämmkonstruktionen gilt: Eine fachgerechte Ausführung ist die beste Grundlage für Langlebigkeit. Eine Fassadendämmung gehört immer in die Hände von Fachhandwerkern.

          Topmeldungen

          Städte klimafreundlich umbauen: Um einen Klimakollaps zu vermeiden, sind neben neuartigen Energie- und Verkehrssystemen schnelle Maßnahmen gefragt. Ein starker Hebel ist hierbei die Energieeffizienz – denn gerade Wohngebäude bieten viele Ansatzpunkte, die CO2-Emissionen zu mindern.

          : Schnelle Erfolge

          Der klimagerechte Umbau des Energie- und Verkehrssystems ist unverzichtbar – braucht aber Zeit. Um den Klimakollaps zu verhindern, sind daher auch Maßnahmen nötig, die sofort wirken. Besonders groß ist dabei das Potential der Energieeffizienz.
          Jan Bauer, Maler- und Lackierermeister

          : „Es lohnt sich, eine Wärmedämmung gleich mitzudenken“

          Bei einer energetischen Sanierung gilt es viele verschiedene Aspekte, zu erwägen. Worauf Hausbesitzer speziell bei einer Wärmedämmung achten sollten, beantwortet Jan Bauer, Maler- und Lackierermeister sowie Inhaber eines Malerbetriebs in Niederkassel.

          : Für mehr Technologieoffenheit

          An einer energetischen Gebäudesanierung sind ganz unterschiedliche Gewerke beteiligt. Doch wie technologieoffen wird wirklich zusammengearbeitet – und was erhoffen sich die Industriebranchen von der Politik? Vier Verbände, vier Plädoyers.
          Unterstützung gefällig? Ein Energieberater kann dabei helfen, durch geeignete Maßnahmenkombinationen möglichst viel Energie bei Gebäuden einzusparen.

          : Viele Wege führen zum Energiesparziel

          Die Fassade oder das Dach dämmen, die Fenster austauschen oder in eine neue Heizung investieren – welche Sanierungsmaßnahme am meisten Energie einspart, hängt individuell vom Haus ab. Ein Energieberater hilft, den für das jeweilige Objekt besten Sanierungsweg zu finden.