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Verlagsspezial

: Gebäude sanieren für die Energiewende

Als wirksame Maßnahmen für eine energetische Sanierung kommen unter anderem die Dämmung von Geschossdecken, Außenwänden und Dächern sowie der Austausch der Fenster in Frage. Bild: KangeStudio/iStock

Auch Immobilienbesitzer können mit einer energetischen Sanierung ihres Gebäudes dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Belohnt werden sie unter anderem mit niedrigeren Energiekosten, gesteigertem Wohnkomfort und Werterhalt.

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          Als vor 28 Jahren in Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, sprach die damals zwölfjährige Kanadierin Severin Suzuki so eindringlich vor den Delegierten über die Folgen der Ausbeutung des Planeten, dass sie als das Mädchen galt, „das die Welt zum Schweigen brachte“. Seitdem haben 197 Staaten die Klimakonvention des Jahres 1992 ratifiziert und bei den ab 1995 jährlichen Klimagipfeln Vereinbarungen wie das Kyoto-Protokoll von 1997 oder das Paris-Abkommen von 2015 getroffen. Dennoch fühlt sich die heute 41-jährige Suzuki von Aktivisten wie Greta Thunberg mitangeklagt. Zu Recht, räumte sie kürzlich in einem Interview ein: Auch ihre Generation habe es nicht geschafft, den Klimaschutz entscheidend voranzubringen.


          Klimawandel und Klimaschutz sind heute Mainstream geworden

          Was damals weder dem Teenager noch den beteiligten Politikern und Wissenschaftlern gelang, ist heute anders: Der Klimawandel und auch die Maßnahmen, wie er sich möglicherweise aufhalten lässt, sind im Mainstream angekommen. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos im Januar 2020 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Erreichen der Ziele des jüngsten Klimaabkommens in Paris könne „eine Frage des Überlebens für den ganzen Kontinent“ sein. Zuvor hatte die Bundesregierung das langfristige Klimaziel des Ende 2016 verabschiedeten Klimaschutzplans 2050 noch einmal konkretisiert und das Klimaschutzprogramm 2030 auf den Weg gebracht. Im Zentrum steht eine Reduktion der Treibhausgase bis zum Jahr 2030 um über die Hälfte, nämlich 55 Prozent, im Vergleich zum Aufkommen des Jahres 1990. Damit soll Deutschland zu dem in Paris formulierten Ziel beitragen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, besser noch, auf nicht mehr als 1,5 Grad zu begrenzen.

          Um dieses Ziel zu erreichen, umfasst das Klimaschutzprogramm 2030 ein Maßnahmenbündel aus Innovationen, Förderprogrammen, Gesetzen und Anforderungen. Dazu gehört die Bepreisung von CO2-Emissionen, die im Verkehr und bei der Erzeugung von Wärme entstehen, ebenso wie der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur für die Elektromobilität. Es beinhaltet auch eine mittelfristig geplante Senkung der Stromkosten und die Förderung von klimaschützenden Maßnahmen wie die energetische Sanierung von Gebäuden. Gerade hier ist das Potential, Energie und damit auch Treib­hausgasemissionen einzusparen, besonders hoch. Auf Heizung, Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung der rund 21 Millionen Gebäude in Deutschland werden mehr als ein Drittel des gesamten deutschen Energieverbrauchs aufgewendet. Dabei entstehen direkt, also durch Warmwassererzeugung in den Haushalten, etwa ein Siebtel aller CO2-Emissionen Deutschlands. Werden die indirekten Emissionen hinzugerechnet, die für die Bereitstellung von Energie für Gebäude anfällt, summiert sich der Anteil des Gebäudesektors an den CO2-Emissionen auf rund ein Viertel.

          Eigentümer von Gebäuden tragen einen Teil der Verantwortung

          Eigentümer von Gebäuden tragen damit auch einen Teil der Verantwortung, denn die Senkung des Energieverbrauchs und der dabei entstehenden Emissionen hätte erhebliche positive Auswirkungen auf das Erreichen der Klimaziele. Das liegt auch am Alter der Gebäude im Land: Nahezu zwei Drittel aller Wohngebäude in Deutschland wurden errichtet, noch bevor 1977 die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft trat. Gerade bei diesen über 40 Jahre alten Häusern können besonders viel Energie, Emissionen und Heizkosten eingespart werden. Sie verbrauchen bis zu fünfmal mehr Energie als moderne Effizienzhäuser, die nach 2001 gebaut wurden. Als Maßnahmen einer wirksamen energetischen Sanierung kommen beispielsweise der Heizungstausch, der Einbau neuer Fenster und die Dämmung von Dächern und Außenwänden in Frage, die oft als Wärmedämmverbundsystem, WDVS, ausgeführt wird. Als ideal gilt das abgestimmte Zusammenspiel von Technik und Hülle, also von effizienter Gebäudetechnik und geeigneten Dämmstoffen.

          Energieberater und entsprechend aus­gebildete Ingenieure oder Architekten spielen bei der Planung der energetischen Sanierung von Gebäuden eine wichtige Rolle. Sie erstellen neben der Ist-Analyse eines Gebäudes einen individuellen Sanierungsplan, der die optimalen Maßnahmen und die effizienteste Reihenfolge ihrer Umsetzung beinhaltet. Ihre Berechnungen und Empfehlungen sind auch die Grundlage für eine Schätzung darüber, wie schnell sich die Investitionen in die Wärmedämmung durch eingesparte Heizkosten wieder amortisieren. Dabei gilt, dass das Einsparungspotential mit dem Alter des Hauses steigt.
          Mit der Dämmung der verschiedenen Bauteile der Außenhülle eines Gebäudes – seien es die Außenwände, Dachböden, Geschossdecken oder Kellerdecken – ergeben sich für die Bewohner weitere Vorteile. Neben der Senkung der Energiekosten steigen auch Komfort und Behaglichkeit in den Innenräumen, wenn im Winter die Temperatur der Außenwände angehoben wird. Im Sommer wiederum schützt eine gut gedämmte Außenhülle vor der eindringenden Hitze. Wer sein Gebäude dämmt, trägt auch zu seinem Werterhalt bei, denn die Dämmung wirkt wie eine schützende Hülle.

          Bei der Sanierung werden Eigentümer von Förderungsprogrammen und Steuer­erleichterungen noch besser als vorher unterstützt. Beispielsweise fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Bafa, seit Anfang 2020 massiv den Einsatz von Heizungsanlagen, die erneuerbare Energien nutzen. Für die Dämmung der Außenhaut wurden die bisher geltenden Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, erhöht. Schließlich wurden Dämmungsmaßnahmen an eigengenutzten Gebäuden zum 1. Januar 2020 auch steuer­lich begünstigt: Über drei Jahre können bis zu 20 Prozent der Kosten steuerlich geltend gemacht werden.

          Die Möglichkeiten für die energetische Sanierung sind besser denn je

          Wer ein Gebäude dämmt, leistet einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz, senkt seine Energiekosten, sorgt für höheren Wohnkomfort, erhält die Substanz der Immobilie und steigert ihren Wert. Die Gründe für die energetische Sanierung haben sich nicht geändert. Sie sind, was den Schutz des Klimas angeht, nur dringlicher geworden. Die Möglichkeiten sie umzusetzen, sind aber heute besser als je zuvor.

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          Mehr Behaglichkeit bei geringeren Heizkosten – gedämmte Geschossdecken und Außenwände machen es möglich.

          : Einmal modernisieren, mehrfach profitieren

          Die Wärmedämmung der Gebäude­hülle hat für Eigentümer und Bewohner mit gesenkten Energie­kosten, gesteigertem Komfort und Werterhalt der Immobilie viele Vorteile.