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Verlagsspezial

: Einmal modernisieren, mehrfach profitieren

Mehr Behaglichkeit bei geringeren Heizkosten – gedämmte Geschossdecken und Außenwände machen es möglich. Bild: g-stockstudio/istock

Die Wärmedämmung der Gebäude­hülle hat für Eigentümer und Bewohner mit gesenkten Energie­kosten, gesteigertem Komfort und Werterhalt der Immobilie viele Vorteile.

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          Die energetischen Standardvorschriften für Wohnbauten sind in Deutschland heute so hoch, dass kein Neubau mehr ohne Wärmedämmung auskommt. Früher war das anders, viele Bestandsgebäude weisen nach wie vor einen unzureichenden Wärmeschutz auf. Denn ein Altbau wird üblicherweise erst dann nachträglich gedämmt, wenn eine Modernisierung der Fassade ansteht oder wenn – durch Erbschaft oder Kauf – ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat, so die Erfahrung von Hans Weinreuter. Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt: „Geht man einmal an die Sanierung des Hauses, macht man es gleich richtig. Natürlich spielt dabei auch die Heizkostenersparnis eine Rolle für die Entscheidung pro Wärmedämmung.“ Schließlich verbraucht ein wärmegedämmtes Haus weniger Energie als ein gar nicht oder schlecht gedämmtes Gebäude, und das macht sich in aller Regel langfristig positiv im Geldbeutel der Bewohner bemerkbar.


          Je schlechter der Ausgangszustand, desto schneller die Amortisation

          In welchem Zeitraum sich die Investition in eine Dämmung amortisiert, hängt von Faktoren wie dem Heizverhalten der Bewohner, der Entwicklung der Energiepreise oder den herrschenden klimatischen Bedingungen ab, insbesondere aber vom Ausgangszustand des Hauses. Je schlechter er vorher war, desto eher macht sich die energetische Sanierung durch die Energieersparnis bezahlt. Nach einer Studie aus dem Jahr 2015 des Forschungsinstituts für Wärmeschutz München (FIW) im Auftrag des Gesamtverbands Dämmstoffindustrie (GDI) beträgt die Amortisationszeit bei der Dämmung der Außenwand mit einem Wärmedämmverbundsystem im Mittel sechs Jahre bei einem Gebäude, das vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 errichtet wurde. Durchschnittlich 14 Jahre sind es laut der FIW-Studie bei einem Haus mit Baujahr zwischen 1977 und 1995.

          Eine Wärmedämmung der Gebäudehülle bringt aber nicht nur eine Heizkostenersparnis, sondern auch mehr Wohnkomfort. Denn sie hält im Winter die Wärme im Innern und im Sommer die Hitze draußen. „Durch gleichmäßigere Raumtemperaturen und die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse lohnt sich das Dämmen eines Altbaus im Grunde immer“, sagt Hartwig Künzel, Leiter der Abteilung Hygrothermik am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP. Ein außen auf die Fassade angebrachtes Wärmedämmverbundsystem schafft eine gleichmäßigere Wärme im gesamten Haus, weil auch Räume, die im Winter nicht geheizt werden, wärmer sind. „Das führt dazu, dass die Temperatur selbst in unbeheizten Räumen um 17 bis 18 Grad liegt. In einer ungedämmten Wohnung herrscht in solchen Räumen dagegen nur eine Temperatur von 12 bis 14 Grad“, erläutert Künzel.

          Außerdem ist ein Gebäude mit gedämmten Außenwänden weniger anfällig für Feuchteschäden, einem Nährboden für Schimmel. Das liegt daran, dass die inneren Oberflächen der Außenwände wärmer sind und sich somit weniger Wasserdampf aus der warmen Raumluft an ihnen niederschlagen kann. „Deshalb muss sich jemand in einer wärmegedämmten Wohnung weit weniger darum kümmern, dass ausreichend gelüftet wird, als in einer ungedämmten“, erklärt Experte Künzel. Problematisch sind aber Altbauten, in denen die Fenster durch neue, luftdichte Modelle ersetzt wurden, ohne dass eine Wärmedämmung an den Wänden angebracht oder eine Lüftungsanlage eingebaut wurde. Diese Häuser seien besonders gefährdet für Feuchteschäden und Schimmel, betont der Hygrothermik-Fachmann. Denn durch die modernen Fenster fehle die vorher vorhandene Grundlüftung durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle. Die Luftfeuchte im Hausinnern muss dann über das Öffnen der Fenster reguliert werden, und das deutlich öfter, als das vor dem Fenstertausch der Fall war. Künzel dazu: „Auf diese kritische Situation müsste eigentlich jeder Vermieter oder Verkäufer von solchen Wohnungen hinweisen. Das ist, als ob man ein Auto ohne ABS verkaufen würde.“ Noch etwas spricht für eine Wärmedämmung: Wer seine Immobilie dämmt, erhält ihren Wert oder steigert ihn sogar. Zum einen, weil eine gedämmte Fassade die Bausubstanz mehrere Jahrzehnte lang vor Witterungseinflüssen schützt und sie durch eine frische und moderne Optik aufwertet, zum anderen, weil sich der energetische Zustand des Gebäudes durch die Dämmung verbessert. Sichtbar wird die positivere Energiebilanz im Energieausweis, den Hauseigentümer beim Verkauf und bei einer Vermietung vorlegen müssen. Dort ist der aktuelle Energiewert dokumentiert. Mit einer Immobilie, die im grünen Bereich der Energieskala liegt, lässt sich bei potentiellen Käufern und Mietern wesentlich besser punkten als mit einer, deren Wert im roten Bereich liegt. Verbraucherschützer Hans Weinreuter hat allerdings den Eindruck, dass die Wertsteigerung für Sanierer generell oft nur ein untergeordnetes Motiv darstellt. Für den Immobilienwert zähle in erster Linie die Lage des Hauses.

          Die Sanierungsrate muss steigen, um die Klimaziele zu erreichen

          Da durch eine gedämmte Gebäudehülle weniger Wärme verlorengeht, verbrauchen die Bewohner des Hauses weniger Heizenergie und verursachen geringere Emissionen. Wer sein Haus dämmt, trägt also zum Klimaschutz bei. Das Potential, das in der energetischen Sanierung von Gebäuden steckt, ist groß: Rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 25 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland entfallen auf den Gebäudebereich, wie in der Ende 2019 verabschiedeten „Energieeffizienzstrategie 2050“ der Bundesregierung nachzulesen ist. Viele Häuser sind immer noch unzureichend gedämmt – insbesondere die laut Deutsche Energie-Agentur dena rund zwei Drittel der deutschen Wohngebäude, die vor 1979 errichtet wurden. Dass hier Energie eingespart werden kann, ist offensichtlich. Der aktuelle dena-Gebäudereport gibt an, dass die Sanierungsrate des gesamten Gebäudebestands in Deutschland von derzeit einem Prozent auf mindestens 1,5 Prozent ansteigen muss, um die anvisierten Klimaschutzziele Deutschlands zu erreichen. Deshalb rührt die Bundesregierung nach wie vor kräftig die Werbetrommel für die energetische Sanierung des Gebäudebestands und schafft neue Anreize für Gebäudesanierer wie die ab diesem Jahr geltende steuerliche Förderung.

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          Als wirksame Maßnahmen für eine energetische Sanierung kommen unter anderem die Dämmung von Geschossdecken, Außenwänden und Dächern sowie der Austausch der Fenster in Frage.

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          Auch Immobilienbesitzer können mit einer energetischen Sanierung ihres Gebäudes dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Belohnt werden sie unter anderem mit niedrigeren Energiekosten, gesteigertem Wohnkomfort und Werterhalt.

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