https://www.faz.net/-ivx-9xotq
Verlagsspezial

Interview : „Eine Aufgabe vor allem für private Eigentümer“

Bild: Geber86

Seit Anfang 2020 werden energetische Maßnahmen bei eigengenutzten Immobilien steuerlich begünstig. Jürgen Lindauer, Steuerberater und Director Corporate Tax Services bei KPMG, im Interview über die Details und Fallstricke der neuen Verordnung.

          3 Min.


          Herr Lindauer, seit Anfang 2020 begünstigt eine neue Rechtsverordnung steuerlich energetische Maßnahmen bei eigengenutztem Wohneigentum. Was soll damit erreicht werden?
          Der deutsche Gesetzgeber hat sich gemeinsam mit seinen europäischen Partnern darauf verständigt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu senken. Dabei ist der Gebäudesektor ein entscheidender Faktor, und um dessen Energieverbrauch und damit die Emissionen zu senken, sind energetische Sanierungsmaßnahmen in großem Umfang nötig. Diese Aufgabe betrifft vor allem die privaten Eigentümer von Gebäuden. So wurde Anfang Januar 2020 mit dem Paragrafen 35c des Einkommensteuergesetzes gesetzlich festgelegt, dass der Aufwand für energetische Maßnahmen an zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden in gewissem Umfang steuerlich begünstigt werden kann.

          Bild: KPMG

          Welche Rahmenbedingungen gelten nun? Welche Maßnahmen sind steuerlich begünstigt?
          Begünstigt werden ganz spezifische energetische Maßnahmen, die dazu beitragen, den Energieverbrauch eines Gebäudes, das mindestens 10 Jahre alt ist, zu senken. Dazu gehört die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen und Geschossdecken, aber auch die Erneuerung von Fenstern und Außentüren, Einbau von Lüftungsanlagen, neuen Heizungsanlagen und anderes. Der Aufwand, der geltend gemacht werden kann, schließt die Handwerkerleistung, Geräte und Materialien mit ein. Eines sollte man beachten: Die steuerliche Begünstigung sieht vor, dass die Bauherren solcher Maßnahmen etwas von ihrer bereits gezahlten Steuer zurückbekommen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass diejenigen, die keine Steuer zahlen oder im betreffenden Jahr gezahlt haben, auch nicht in den Genuss dieser Begünstigung kommen.

          In welcher Höhe und über welchen Zeitraum hinweg kann mit einer Steuerermäßigung gerechnet werden? Welche Fristen gelten?
          Verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren, bekommen die Steuerzahler insgesamt höchstens 20 Prozent des gesamten Aufwandes der energetischen Maßnahmen zurück. Ab Fertigstellung der Maßnahmen sind das im ersten und zweiten Jahr je sieben Prozent, höchstens aber 14 000 Euro, im dritten Jahr sind es sechs Prozent, höchstens aber 12 000 Euro. Der Zeitraum, für den diese Fördermaßnahme gilt, ist auf die zehn Jahre zwischen 2020 und 2030 begrenzt. In der Summe ist die Steuerbegünstigung außerdem für jedes Objekt bei 40 000 Euro gedeckelt. Das heißt, Aufwände, die über 200 000 Euro insgesamt hinausgehen, werden steuerlich nicht begünstigt.

          Welche weiteren Anforderungen sind zu beachten?
          Erstens dürfen die Baumaßnahmen nur von Fachunternehmen ausgeführt werden, die die jeweiligen Gewerke wie Mauer- oder Malerarbeiten ausführen können. Zweitens müssen diese Unternehmen am Ende der Sanierung bescheinigen, dass die Mindestanforderungen an die Baumaßnahme eingehalten wurden. Der Paragraf 35c schreibt in einer Reihe von Anlagen genau vor, welcher Effekt beispielsweise mit einer Wärmedämmung erreicht werden muss. Dabei geht es dann um den Wärmedurchgangskoeffizienten der Wand oder des Daches, der aussagt, wie viel Wärme durch das jeweilige Bauteil maximal noch entweichen darf. Wird einer dieser Punkte nicht erfüllt, wird die Begünstigung nicht erteilt.

          Gibt es vor Baubeginn eine Garantie, dass die Immobilienbesitzer am Ende auch entsprechend steuerlich begünstigt werden?
          Eine Garantie gibt es nicht. Der Antrag wird nach Beendigung der Arbeiten gestellt. Es empfiehlt sich deshalb, vorher genau hinzuschauen. Beispielsweise gilt diese Begünstigung nur für Gebäude, die älter sind als zehn Jahre. Des Weiteren ist noch nicht geklärt, welche Teilarbeiten miteinbezogen werden können. Ein Beispiel: Wer sein Dach dämmt, muss vielleicht aus statischen Gründen das Dachgebälk gleich mit erneuern. Ist der Aufwand dafür nun Teil der energetischen Maßnahme, auch wenn ein Dachbalken zur Dämmung direkt nichts beiträgt? Das ist im Moment noch nicht ganz klar, das Bundesministerium für Finanzen arbeitet aber gegenwärtig an einem Schreiben, um solche Aspekte zu klären und ob sogenannte Umfeldarbeiten dazugehören.

          Können Sie uns ein konkretes Beispiel für energetische Maßnahmen und deren steuerliche Effekte geben?
          Nehmen wir einmal an, die Dämmung der Fassade eines Hauses kostet mit Verputzen und Streichen 40 000 Euro. Wurde die Maßnahme im Jahr 2020 fertiggestellt, bekommt der Antragsteller in 2020 und in 2021 je sieben Prozent von 40 000 Euro, also 2800 Euro seiner gezahlten Steuer, zurückgezahlt. Für das Jahr 2022 kommen noch einmal sechs Prozent oder 2400 Euro zurück, macht insgesamt eine Steuerersparnis von 8000 Euro. Das gilt losgelöst vom eigenen Steuersatz, aber eben nur für diejenigen, die auch Steuern bezahlen.

          Die Verordnung gilt für „zu eigenen Wohnzwecken genutzte Gebäude“.
          Was bedeutet das für Vermieter, gibt es für sie keinerlei Förderung?

          Für Vermieter ändert sich nichts, sie können bereits jetzt Modernisierungsmaßnahmen für ihre Immobilien als Aufwand berücksichtigen, und das bei einem deutlich geringeren bürokratischen Aufwand. Denn die eingangs erwähnten Anforderungen gelten hier nicht. Das heißt, wenn die 40 000 Euro aus unserem Rechenbeispiel für die Dämmung eines vermieteten Hauses investiert werden, können diese als Erhaltungsaufwand sofort und in vollem Umfang steuerlich angesetzt werden. Bei einem angenommenen durchschnittlichen Steuersatz von 30 Prozent würden etwa 12 000 Euro zurückerstattet. Auch hier sollten einige Details beachtet werden. Nimmt der Eigentümer solche Maßnahmen innerhalb der ersten drei Jahre nach Kauf der Immobilie vor, dann kann das Finanzamt sie als anschaffungsnahe Herstellungsaufwendungen verstehen, wenn nämlich der Aufwand für die Sanierungsmaßnahmen (ohne Umsatzsteuer) 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes überschreiten. Dann dürften die 40 000 Euro nur über eine Laufzeit von 50 Jahren geltend gemacht werden, also jährlich mit 800 Euro, ein Nachteil gegenüber dem Sofortabzug.

          Das Interview führte Michael Hasenpusch.

          Topmeldungen

          Als wirksame Maßnahmen für eine energetische Sanierung kommen unter anderem die Dämmung von Geschossdecken, Außenwänden und Dächern sowie der Austausch der Fenster in Frage.

          : Gebäude sanieren für die Energiewende

          Auch Immobilienbesitzer können mit einer energetischen Sanierung ihres Gebäudes dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Belohnt werden sie unter anderem mit niedrigeren Energiekosten, gesteigertem Wohnkomfort und Werterhalt.

          : Bei der Wärmedämmung kein X für ein U vormachen

          Eine gesetzliche Pflicht zur kompletten energetischen Sanierung eines Altbaus ­besteht nicht. Dennoch ­sollten Eigentümer sich mit der Energieeinsparver­ordnung (EnEV) vertraut machen und das kommende Gebäudeenergiegesetz im Auge behalten.
          Mehr Behaglichkeit bei geringeren Heizkosten – gedämmte Geschossdecken und Außenwände machen es möglich.

          : Einmal modernisieren, mehrfach profitieren

          Die Wärmedämmung der Gebäude­hülle hat für Eigentümer und Bewohner mit gesenkten Energie­kosten, gesteigertem Komfort und Werterhalt der Immobilie viele Vorteile.