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Verlagsspezial

: Bei der Wärmedämmung kein X für ein U vormachen

Bild: Stadtratte

Eine gesetzliche Pflicht zur kompletten energetischen Sanierung eines Altbaus ­besteht nicht. Dennoch ­sollten Eigentümer sich mit der Energieeinsparver­ordnung (EnEV) vertraut machen und das kommende Gebäudeenergiegesetz im Auge behalten.

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          Müssen Eigentümer von Altbauten ihre Gebäude energetisch sanieren, und wenn ja, wann und in welchem Umfang? Diese Frage ist leider nicht ganz einfach und nur mit einem beherzten „es kommt darauf an“ zu beantworten. Entscheidend dafür ist die EnergieEinsparVerordnung, EnEV, deren erste Fassung 2002 in Kraft trat und die seitdem einige Male ergänzt und geändert wurde. Die EnEV ist eines der wichtigsten Instrumente der deutschen Energie- und Klimaschutzpolitik. Mit einem nahezu klimaneutralen Gebäudebestand, der bis zum Jahr 2050 erreicht werden soll, trägt die EnEV dazu bei, die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen.

          Ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob saniert werden muss, ist beispielsweise das Datum des Hauskaufs. Stichtag ist dabei der 1. Februar 2002. Mit Ausnahme von denkmalgeschützten Häusern muss jedes Ein- oder Zweifamilienhaus, das danach erworben wurde, bestimmte energetische Vorgaben erfüllen. Ist das nicht der Fall, muss innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf entsprechend nachgebessert werden.

          Drei Maßnahmen: Dämmen, Heizung tauschen, Isolieren

          Zu der ersten von drei vorgeschriebenen Maßnahmen zählen die Dämmung des Daches oder der obersten Geschossdecke. Genügt sie nicht dem Mindestwärmeschutz, muss eine Dämmung aufgetragen werden, die den Bestimmungen der EnEV entsprechen. Dabei ist der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient ausschlaggebend, der ein Maß dafür ist, wie viel Wärme und in welcher Geschwindigkeit sie einen festen Körper wie die Außenwand eines Hauses durchquert. Je höher dieser sogenannte „U-Wert“ ist, desto schlechter ist die Wärmedämmung der Wand, des Daches, der Geschoss- oder Kellerdecke. Wird im Altbau das Dach oder die oberste Geschossdecke energetisch saniert, muss dabei laut EnEV ein U-Wert erreicht werden, der 0,24 oder weniger beträgt. Die Art und Dicke des Dämmstoffes, der dazu nötig ist, hängt von der Stärke der bestehenden Wand oder Decke ab und dem darin verbauten Material. Energieberater können die notwendigen Berechnungen vornehmen.

          Die zweite der drei Maßnahmen, die nach dem Hauskauf zu den Pflichten der neuen Eigentümer gehören, besteht im Austausch von Heizkesseln. Diese Austauschpflicht gilt für alle Kessel, die älter als 30 Jahre sind, unabhängig davon, ob es sich dabei um Öl- oder Gasheizungen handelt. Ausgenommen von dieser Regel sind nur Heizkessel mit Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik, über die die meisten der älteren Geräte aber nicht verfügen. Bis Ende 2019 förderte den Heizungstausch auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die seit 2020 – mit Ausnahme eines Ergänzungskredits – nur noch die Heizungsoptimierung unterstützt.

          Die Förderung für den Einbau neuer Heizungsanlagen liegt nun beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Bafa. Sie gilt nur für den Einsatz von Gasbrennern in Kombination mit erneuerbaren Energien oder für komplett regenerative Heizungsanlagen. Wenn der Heizkessel allerdings aufgrund der EnEV-Regeln ohnehin getauscht werden muss, gibt es keine Förderung. Ölheizungen werden nicht mehr gefördert, ihr Einbau ist ab 2026 verboten. Zwar können sie darüber hinaus weiterbetrieben werden, müssen aber nach 30 Jahren Betriebsdauer ausgetauscht werden.

          Die dritte Maßnahme besteht in der Wärmeisolation der Rohrleitungen von Heizung und Warmwasserzufuhr. Wie dick die Dämmschicht sein muss, hängt vom Innendurchmesser der Rohre und der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffes ab. Auch das ist eine Frage, die am besten ein Energieberater beantwortet.

          Unabhängig von diesen drei Maßnahmen, die innerhalb einer bestimmten Frist nach dem Hauskauf anfallen, gelten noch weitere Bestimmungen für die Dämmung des Gebäudes. Wird beispielsweise die Fassade zu mehr als 10 Prozent ihrer Fläche repariert, muss sie danach komplett den Bestimmungen der EnEV entsprechen. Das gilt zwar nicht bei Malerarbeiten, da aber auch dabei ohnehin meist ein Gerüst aufgestellt wird, bietet sich die gleichzeitige energetische Sanierung an. Bei älteren Gebäuden ist davon auszugehen, dass bei Ausbesserungsarbeiten in diesem Umfang auch eine Dämmung aufgetragen werden muss. Wer diese Regel nicht beachtet, kann mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro belangt werden.

          Auch ein Energieausweis, der die Gebäude nach Energieeffizienzklassen von A+ bis H einteilt, ist im Rahmen der EnEV seit 2016 vorgeschrieben, wenn ein Haus verkauft oder vermietet wird. Der Ausweis gibt Auskunft über den Energiebedarf und den Energieverbrauch des Hauses und die wesentlichen Energieträger wie Öl, Gas, Holzpellets oder Solar. Er nennt zudem das Baujahr der Immobilie und ordnet es einer von neun Effizienzklassen zu, die mit den Buchstaben A+ bis H gekennzeichnet sind. Jede Klasse repräsentiert dabei einen bestimmten Energieverbrauch und damit zusammenhängende, geschätzte Kosten.


          Das neue Gebäudeenergiegesetz ist bereits in Arbeit

          Viele der für Hauseigentümer relevanten Vorschriften der EnEV, des Energieeinspargesetzes (EnergieeinsparG) und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) werden voraussichtlich noch in diesem Jahr im neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) zusammengelegt. Hintergrund für das neue Gesetz ist die EU-Gebäuderichtlinie von 2010, die aus Sicht des deutschen Gesetzgebers eine Vereinfachung und Zusammenführung der Instrumente, die die Energieeinsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien in Gebäuden regeln, nötig macht. Eine bloße Zusammenlegung der EnEV, die energieeffiziente Gebäude vorschreibt, und des EEWärmeG, das die teilweise Deckung des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien verlangt, wurde als nachteilig bewertet.

          Seit Oktober 2019 liegt ein Gesetzentwurf zum Gebäudeenergiegesetz vor, der im Januar 2020 die erste der drei ­üblichen Beratungen im Bundestag, die ­sogenannte Lesung, durchlaufen hat. Experten erwarten, dass sich an den grundlegenden Vorgaben für Hauseigentümer nichts ändern wird. Die aktuellen energetischen Anforderungen an die Gebäudehülle, die in der EnEV formuliert sind, werden aller Voraussicht nach auch weiter gelten, also weder gesenkt noch angehoben. Es kann sich aber dennoch lohnen, die aktuelle Entwicklung weiter zu verfolgen, beispielsweise bei den Verbraucherzentralen oder auf der Website ­
          www.daemmen-lohnt-sich.de.

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          Als wirksame Maßnahmen für eine energetische Sanierung kommen unter anderem die Dämmung von Geschossdecken, Außenwänden und Dächern sowie der Austausch der Fenster in Frage.

          : Gebäude sanieren für die Energiewende

          Auch Immobilienbesitzer können mit einer energetischen Sanierung ihres Gebäudes dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Belohnt werden sie unter anderem mit niedrigeren Energiekosten, gesteigertem Wohnkomfort und Werterhalt.

          Interview : „Eine Aufgabe vor allem für private Eigentümer“

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