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Verlagsspezial

: Schritt für Schritt zur Wärmedämmung

Handwerklichen Fachbetrieb beauftragen

Energieeffiziente Neubauten oder Sanierungen von Bestandsimmobilien erfordern eine professionelle Ausführung und – damit das gewährleistet ist – am besten auch eine kompetente Baubegleitung. Denn im Zuge des Immobilienbooms in Deutschland haben sich auch die Bauschäden verdoppelt. Ein besonders hoher Anstieg bei den gemeldeten Versicherungsschäden betrifft dabei Maßnahmen der Wärmedämmung. Bauexperten des Bauherren-Schutzbundes (BSB) sehen eine Ursache in den strengeren Vorschriften. „Die Anforderungen an die Handwerker sind zuletzt stark gestiegen“, sagt der Bauherrenberater Stefan Würzner. Preis- und Zeitdruck würden die Bauschäden ebenfalls nach oben treiben.

Wegen der mitunter erheblichen Schadenssummen und der vielfältigen Fallstricke in den Bauverträgen rät der BSB daher zu einer baubegleitenden Qualitätskontrolle. Vor allem später nicht mehr sichtbare Arbeiten sollten frühzeitig geprüft und gegebenenfalls nachgebessert werden. So ist bei der Dämmung darauf zu achten, dass diese lückenlos erfolgt. Offene Fugen oder ungedämmte Bereiche an schwer zugänglichen Stellen sind später kritische Schwachpunkte.

Von großer Bedeutung ist auch eine durchgängige Luftdichte, so dass keine feuchtwarme Luft aus dem Raum in die Konstruktion gelangen kann. Dafür müssen alle Anschlüsse wie Fenster, der Übergang von Folio zu Putz oder auch die Stellen von durchstoßenden Elektro- oder Heizungsleitungen dicht sein.

Auch die Bauherren selbst können das Risiko von Bauschäden minimieren, indem sie bei der Auswahl der Handwerksbetriebe darauf achten, dass diese auf freiwilliger Basis Mitglied in ihren Fachverbänden und Innungen sind. Diese schulen ihre Mitglieder und informieren über die aktuellen gesetzlichen und technischen Entwicklungen. Und zu guter Letzt gilt: Gute Arbeit hat auch ihren Preis.

„Die Anforderungen an die Handwerker sind zuletzt stark gestiegen.“

Dipl.-Ing. Stefan C. Würzner, Bauherrenberater des Bauherren-Schutzbund e.V.

Qualität langfristig sichern

Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) sind seit mehr als 50 Jahren die am häufigsten verwendete Option zur energetischen Sanierung der Gebäudehülle in Deutschland. Heute sind rund eine Milliarde Quadratmeter verbaut. Bei einer professionellen fachlichen Ausführung unterscheidet sich die Haltbarkeit von WDVS nicht von der herkömmlicher Putzfassaden. Das haben Langzeituntersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik und des Instituts für Bauforschung unabhängig voneinander ergeben. Vor diesem Hintergrund kann mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren und mehr gerechnet werden.

„Prinzipiell nutzt sich eine Dämmung nicht ab und unterliegt auch keinem mechanischen Verschleiß. Allerdings ist ein guter Feuchteschutz wichtig“, weiß Hartwig Künzel, Abteilungsleiter Hygrothermik am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Valley. Verhindert werden muss auf jeden Fall, dass Niederschlags- oder Kondenswasser hinter den Dämmstoff gelangt, da dieser dann seine dämmende Wirkung verliert. Besonders kritisch ist das bei natürlichen Dämmstoffen wie beispielsweise Holzfasern. Eine Dampfsperre und regelmäßige Dichtheitskontrollen sind daher zu empfehlen.

„Bei Innendämmmaßnahmen muss man zudem wissen, dass die äußeren Hauswände per se kälter werden und nicht mehr so gut austrocknen wie vorher, denn die Wärme von innen kann nicht nach draußen“, sagt Künzel. Eine richtige Lüftung ist prinzipiell wichtig und sinnvoll, allerdings sind gedämmte Wohnungen und Häuser laut Künzel in diesem Punkt unkritischer als ungedämmte Immobilien. Bei einer guten Wärmedämmung ist eine höhere Raumluftfeuchte möglich, was sich positiv auf die klimatischen und hygienischen Verhältnisse auswirken kann.

Fassaden mit Wärmedämmung unterliegen wie auch solche ohne Wärmedämmung bestimmten Renovierungszyklen. Mineralische Außenputze oder Kunstharzputze müssen die dahinter liegende Dämmung trocken halten und benötigen alle zehn bis 20 Jahre zumindest einen passenden Renovierungsanstrich.

„Prinzipiell nutzt sich eine Dämmung nicht ab und unterliegt auch keinem mechanischen Verschleiß. Allerdings ist ein guter Feuchteschutz wichtig.“

Hartwig Künzel, Abteilungsleiter Hygrothermik am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

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