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Eine Initiative von

Little Big Data

Von Guido Walter
4:30 Minuten Lesezeit
01.02.2019
Eine Initiative von

Datenschutz europäischer Ausprägung wird auch in den USA zunehmend besser verstanden. Die Wertschätzung persönlicher Daten darf aber den Aspekt Convenience nicht ausklammern.

initial letter018 ist das Jahr, in dem sich unser Blick auf Daten schärfte. Mit der Datenschutz-Grundverordnung schuf die Europäische Union ein neues, umfassendes Regelwerk zur Verarbeitung personenbezogener Daten durch private Unternehmen und öffentliche Stellen. Gleichzeitig standen US-Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Apple wegen des unsachgemäßen Umgangs mit Kundendaten am Pranger. Selten war klarer, dass Big Data auch eine ethische Herausforderung ist. Der Ruf nach einer digitalen Ethik, die über das Thema Datenschutz hinausgeht und sich mit Fragen von Moral und Verantwortung auseinandersetzt, wird lauter.

Datenschutz Made in Germany ist bereits eine Marke und ein Standortvorteil für Deutschland,

sagt Nicolai Andersen, Innovation Leader bei Deloitte. In den USA würde inzwischen besser verstanden, dass europäische Standards beim Datenschutz keine Innovationshemmnisse darstellen. Der einseitige Blick auf die Gewinne, die Online-Dienstanbieter und Social-Media-Unternehmen mit Nutzerdaten erzielen, hat die Debatte Andersen zufolge aber ein Stück weit verrückt. Der verständliche Wunsch, persönliche Daten monetarisieren zu können, dürfte zu Enttäuschungen führen. „Menschen überschätzen oft den Wert, den ihre persönlichen Daten für ein Unternehmen haben. Bei dieser Sichtweise vergessen sie die Convenience, die sie durch die Weitergabe ihrer Daten gewinnen.“


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Noch vor wenigen Jahren stand zum Beispiel vor der Nutzung einer neuen App ein umständlicher Anmeldeprozess. Heute geht das recht einfach über Facebook. Also Little Data statt Big Data? Nein, denn die Bedeutung der persönlichen Daten liegt im individuellen Wert für den einzelnen Nutzer. Health Care ist ein gutes Beispiel dafür. Die medizinische Versorgung profitiert von Healthcare Analytics-Ansätzen. Neue Datenbank-Technologien machen personalisierte Medizin flächendeckend überhaupt erst möglich. Angesichts sensibler Patientendaten ist die Frage nach Datenethik in diesem Segment aber besonders berechtigt. „Wir müssen über Ethik reden, sonst machen das die Regulatoren für uns“, sagt Andersen. Der aktuelle Digital-Gipfel der Bundesregierung dreht sich um das mit Big Data eng verknüpfte Thema Künstliche Intelligenz. Vielen dämmert erst jetzt, dass Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft von Grund auf verändern kann. Andersen plädiert für eine ehrliche Debatte. „Kritiker führen oft an, dass es unethisch sei, Menschen in Pflegeheimen durch intelligente Roboter helfen zu lassen. Sie sollten sich lieber fragen, wie oft sie ihre Angehörigen wirklich besucht haben. Bei dementen Menschen kann eine fühlende KI durchaus positiv wirken. Für Pfleger kann es eine Entlastung sein, wenn ein Roboter beim Tragen hilft.“

Deutlich wird: die Debatte um Daten, KI und Ethik bewegt sich in Grauzonen. Ethische Fragen wie sogenannte „Dilemma-Situationen“ spielen auch beim autonomen Fahren eine Rolle. „Fahrzeuge können so programmiert werden, dass sie Sicherheit, Einhalten von Verkehrsregeln und Mobilität unterschiedlich hoch gewichten“, sagt Sarah Thornton vom Dynamic Design Lab an der Stanford University. „Ein autonom fahrendes Auto sollte aber so perfekt programmiert sein, dass es nie zwischen der Sicherheit der Insassen oder potentieller Unfallgegner abwägen muss.“

Andersen zufolge existiert das Problem, seit es fahrbare Untersätze gibt. „Wir müssen die generellen ethischen Fragen nicht neu diskutieren.“ Soll etwa ein sich autonom bewegendes Fahrzeug im Falle einer unvermeidlichen Kollision entscheiden, ob es statt der Seniorengruppe die drei Bankräuber überfährt? „Die Antwort wurde längst gegeben“, sagt Andersen.

Wir dürfen diese Entscheidung nicht fällen. Also dürfen wir auch keine Programmierung zulassen, die diese Entscheidung trifft.

Die Grauzonen bleiben indes bestehen. Ist es ethisch, wenn ein autonomes Fahrzeug einem Betrunkenen die Fahrt verweigert? Oder einem hochbetagten Fahrer? Ist es okay, dass Maschinen unsere Jobs killen? Ist die Roboter-Steuer wirklich die richtige Antwort darauf? Die Politik tut sich mit Antworten schwer, wie der jüngste Digitalgipfel wieder gezeigt hat. Angesichts des exponentiellen Wachstums durch neue Technologien kommen die Regulatoren mit der Gesetzgebung kaum hinterher. Umso wichtiger ist die digitale Aufklärung.

Wir sollten unseren Kindern die Zusammenhänge zwischen digitalem Wandel und Ethik früh nahe bringen. Damit sie möglichst früh selbst entscheiden können. Tweet it
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Über Nicolai Andersen
Innovation Leader bei Deloitte
Nicolai Andersen, seit 1999 in der Beratung tätig, ist anerkannter Experte, wenn es um die Auswirkungen technologischer, ökonomischer und soziologischer Trends auf Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte geht. In seiner Position als Leiter der Deloitte Garage ist er an Design und Entwicklung neuer Geschäftsmodelle beteiligt. Als Chief Innovation Officer und Mitglied der „Global Innovation Executive“ koordiniert und initiiert er außerdem fachübergreifend die Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte für Deloitte.
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Quelle: Vor:Denker

Veröffentlicht: 14.11.2018 11:38 Uhr