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Verlagsspezial

Robo Advisor : Handlungsempfehlungen ohne Einfluss von Emotionen

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Auf welcher Grundlage nimmt der Rechenkern einer Robo-Advice-Lösung Optimierungen vor? Bild: scanrail/iStock

Roboter ziehen in die Vermögensverwaltung ein. Auch bei der Betreuung großer Vermögen, in der Vertrauen und persönliche Beziehung zum Berater besonders wichtig sind.

          Sein Geld von einem Vermögensverwalter betreuen zu lassen ist heute kein Privileg mehr. Denn Robo Advisor übernehmen die Anlage auch relativ geringer Geldbeträge. Nennenswerte Einstiegshürden beim Zugang zu anlagespezifischem Fachwissen gibt es nicht. Mindestanlagesummen von 5000, 10000 oder 25000 Euro sowie relativ geringe Verwaltungskosten eröffnen einer breiten Bevölkerungsschicht den Zugang zu Portfolios, die durch ausgeklügelte Algorithmen zusammengestellt und verwaltet werden. Dass diese Lösungen lediglich definierte Anlageallokationen abbilden und im Wesentlichen nur den ETF-Fondsvertrieb digitalisieren, stört die digital affine Klientel nicht sonderlich. Sie überweisen ihre Anlagebeträge an die jungen, oftmals Venture-Capital-finanzierten Start-ups und freuen sich über eine komfortable Rund-um-Betreuung in den Internetportalen.

          Empathie und Vertrauen

          Durch den Erfolg der robotergestützten Anlagebetreuung drängt sich die Frage auf, ob auch vermögende Kunden in Zukunft auf eine klassische Beratung verzichten werden. Gehört der Beruf des Vermögensverwalters gar zu den Berufsgruppen, die durch Automatisierung obsolet werden? Ein ganz entscheidender Punkt spricht dagegen: Berufsgruppen, in denen Empathie und Vertrauen eine wichtige Rolle spielen, sind nach gängiger Auffassung durch den digitalen Wandel wenig gefährdet. Die Betreuung vermögender Privatkunden fußt auf diesen Werten und wird auch in Zukunft ein People Business bleiben. Denn ein Roboter kann den persönlichen Kontakt zum Kunden nicht substituieren. Allerdings werden auch hier Roboter Einzug halten. Schließlich bieten sie Mehrwerte, die kein Berater in dieser Form leisten kann. Sie sind in der Lage, innerhalb kürzester Zeit anhand wesentlicher Kennziffern das weltweite Marktgeschehen zu analysieren, Ereignisse zu korrelieren und die Entwicklungen mit historischen Zeitreihen abzugleichen. Darauf aufbauend, generieren sie ohne Einfluss von Emotionen sachlich fundierte Handlungsempfehlungen. Auf diese Weise können sie die professionellen Vermögensverwalter unterstützen, die ihnen anvertrauten Portfolios erfolgreich zu managen.

          Unter welchen Voraussetzungen Vermögensverwalter in einem Roboter weniger eine Konkurrenz als eine Unterstützung sehen, hat die inasys GmbH unter Vermögensverwaltern und Private-Banking-Beratern erfragt. Dabei zeigt sich, dass das Gros der Spezialisten dem Einsatz intelligenter Roboter durchaus aufgeschlossen gegenübersteht. Unter gewissen Voraussetzungen sehen sie Robo-Advice-Lösungen als Chance, um vermögende Privatkunden noch besser zu betreuen. Dazu müssen die intelligenten Systeme und Algorithmen aber in der Lage sein, die spezifischen Anforderungen in der Betreuung vermögender Kunden zu erfüllen. Das ist bei den Internet-basierten Lösungen mit den dort abgebildeten Standardportfolios nicht der Fall. Vielmehr ist es wichtig, dass die einzusetzenden Roboter nicht nur einzelne Geldbeträge, sondern das Gesamtvermögen der Kunden über das Zusammenspiel mit einem Portfoliomanagementsystem in die Optimierungen einbeziehen. Das Gesamtvermögen ist im Segment der vermögenden Privatkunden individuell und unterschiedlich diversifiziert. Die Verwaltung solcher Vermögen erfolgt unter Berücksichtigung der Präferenzen und Restriktionen der Kunden. Diese kennt der persönliche Ansprechpartner und kann so die Parameter vorgeben, auf Basis derer die Robo-Advice-Lösung das Vermögen optimiert.

          Auch wenn die Performance verschiedener Algorithmen in Benchmarks regelmäßig untereinander und auch im Vergleich zu Leitindizes gemessen wird, reicht dies den professionellen Verwaltern als Gütekriterium nicht aus. Vielmehr möchten die Profis wissen, auf welcher Grundlage der Rechenkern einer Robo-Advice-Lösung Optimierungen vornimmt. Denn nur so können sie die unterbreiteten Vorschläge einschätzen. Aktuellste Erkenntnisse zum Investitionsverhalten an Kapitalmärkten etwa nach der weiterentwickelten Portfolio-Theorie des amerikanischen Ökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträgers Harry M. Markowitz spiegeln solche Erkenntnisse wider. Aber auch außergewöhnliche Ereignisse wie eine Finanzkrise oder andere Marktereignisse mit stark negativen Renditen dürfen nicht von vornherein ausgeschlossen sein und sollten sich zuverlässig simulieren lassen. Denn gerade bei solchen Ereignissen bieten die digitalen Anlageassistenten echte Mehrwerte.

          Versteckte Frühindikatoren erkennen

          Sie erkennen vielleicht viel früher als die erfahrenen Experten versteckte Frühindikatoren und animieren zu einem präventiven Handeln zum Schutz des Vermögens. Die Freigabe für die tatsächliche Umschichtung auf Basis des Optimierungsvorschlags – das ist in den Analysen sehr deutlich geworden – sehen Vermögensverwalter ganz klar als ihre Domäne an. Denn sie sind schließlich die Profis, die am besten beurteilen können, ob Entscheidungen im Sinne der Kunden sind, zur vereinbarten Strategie oder auch ins politische Umfeld passen. Ein Vermögensverwalter bringt dies auf den Punkt mit der Frage: „Woher soll denn ein Roboter wissen, wer gerade amerikanischer Präsident ist und was von einer vielleicht wankelmütigen Entscheidung morgen zu halten ist?“ Genau das sind die Themen, über die sich ein Vermögensverwalter mit seinen Kunden unterhält, damit er mögliche Kundenrestriktionen oder auch -präferenzen berücksichtigen kann.

          Ralf Schuster ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Inasys GmbH, Sankt Augustin.

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