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Verlagsspezial

Interview : „Quereinsteiger könnten in Sektorfonds am meisten punkten“

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Professorin Monika Gehde-Trapp, Leiterin des Fachgebiets Risikomanagement an der Universität Hohenheim Bild: BALSEREIT

Rund zehn Prozent der aktiven Manager von Investmentfonds haben vor ihrer Karriere im Finanzbereich in völlig anderen Berufen gearbeitet. Ob diese Vor­erfahrung bei der Aktien­auswahl nützlich ist, dieser Frage ist Professorin Monika Gehde-Trapp, Leiterin des Fachgebiets Risikomanagement an der Universität Hohenheim, nachgegangen.

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          Sind Ingenieure und Ärzte die erfolgreicheren Fondsmanager?
          Wenn man den Erfolg des Fondsmanagers als bessere Performance definiert, dann ja. Allerdings gilt das nur für einen sehr engen Bereich – nämlich die Industrie, in der er Vorerfahrung besitzt. Ehemalige Ärzte beispielsweise schneiden in der Pharmabranche, ehemalige Ingenieure im Technologiebereich besonders gut ab. Nach unseren Untersuchungen gelingt es Quereinsteigern mit dem in ihrem früheren Arbeitsleben erworbenen Spezialwissen, immerhin zwei bis fünf Prozentpunkte mehr risikoadjustierte Rendite zu erzielen als im übrigen Portfolio.

          Sie haben die Untersuchung gemeinsam mit Kollegen vom Centre for Financial Research von der Universität zu Köln und der Mason School of Business in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Wie sind Sie konkret vorgegangen?
          Wir haben die Fondsmanager bewusst in erster Linie nicht mit Kollegen verglichen. Denn es könnte auch sein, dass jemand, der solch einen Branchenwechsel schafft, insgesamt hohe individuelle Fähigkeiten besitzt. Dafür haben wir Fondsmanager gesucht, die als Einzelmanager für diversifizierte amerikanische Aktienfonds verantwortlich sind, so dass die erzielten Renditen direkt einer Person zugeordnet werden können. Zudem haben wir die öffentlich verfügbaren Lebensläufe dieser Personen analysiert und bei rund einem Zehntel einen Bruch im Lebenslauf gefunden. Letztlich basiert die Studie auf 130 Personen, die zuvor in 30 verschiedenen Branchen tätig waren.

          Worauf führen Sie das bessere Abschneiden zurück?
          Eine mögliche Erklärung wäre gewesen, dass Quereinsteiger in ihrer Erfahrungsbranche riskanter investieren und das Risiko entsprechend vergütet wird. Deshalb haben wir uns die risikoadjustierte Performance angeschaut und festgestellt: Daran liegt es nicht. Leider können wir in den Entscheidungsprozess nicht hineinschauen. Vielleicht können die Fondsmanager die zur Verfügung stehenden Daten besser interpretieren als ihre Kollegen, oder möglicherweise kennen sie zusätzliche Informationsquellen. Wir können aber klar sagen, dass sie eine bessere Auswahl treffen.

          Sind Investment-Tipps von einem finanzmarktinteressierten Hausarzt ebenso erfolgversprechend?
          Ganz klar: nein! Privatinvestoren sind in den Branchen, in denen sie sich auskennen, in der Regel weniger erfolgreich als in anderen Bereichen. Sie gehen zu hohe Risiken ein, sind zu selbstbewusst und handeln zu viel. Jedenfalls hat sich gezeigt, dass Ärzte – um bei diesem Beispiel zu bleiben – bei Investitionen in Pharmaaktien weniger erfolgreich sind als im Rest ihres Portfolios.     

          Wie schneiden die Quereinsteiger in Branchen ab, die sie zuvor nicht aus dem eigenen Berufsalltag kannten?
          Es ist spannend, dass die Quereinsteiger trotz der geringeren Erfahrung mit ihren Kollegen mithalten können, die sich bereits zu Beginn ihrer Karriere für die Finanzbranche entschieden haben. Denn sie schneiden in anderen Branchen im Vergleich zwar nicht besser, aber auch nicht schlechter ab. Das bedeutet natürlich aber auch: In einem diversifizierten Fonds wird die Überperformance in einem bestimmten Bereich durch die anderen Branchen stark verwässert.   

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